Schöne Schnitte

Im Skulpturen-Park des Lehmbruck-Museums ist im Rahmen der großen Ausstellung „China 8“ von Ren Rong „The Genesis“ zu sehen. 90 hohe, flache Stahlsäulen, aus denen der 1960 in Nanjing geborene Künstler seine Pflanzenmenschen schneidet.

Wenige Meter entfernt auf der anderen Seite des Kant-Parks zeigt Galeristin Irmhild Kugel an der Friedrich-Wilhelm-Straße ebenfalls solche Stelen aus Stahl. Und greift mutig zum Klöppel, denn die Arbeiten, die eine schöne Patina aus Rost angesetzt haben, sollen wie Instrumente gespielt werden, es sind auch Klang-Skulpturen.

Daneben beleuchtet die Ausstellung auch andere Seiten des in Bonn und Peking lebenden Künstlers, der seine Motive nicht nur in Corten-stahl schneidet, sondern auch in Papier – aus der Hand, eine traditionell chinesische Kunst – und sie anschließend aquarelliert. Ganz in Weiß sind schließlich die Prägedrucke auf edlem, dicken Bütten; dieses Papier hat Ren Rong von seinem Lehrer Günther Uecker übernommen. Die Techniken mögen wechseln, aber seine Motivwelt, die er ungemein fantasievoll variiert, besteht stets aus diesen Pflanzenmenschen, in denen er die menschliche Anatomie verknüpft mit Blumen und Blättern, gelegentlich aber auch mit Insekten.

Leichtigkeit und Heiterkeit erzielen dabei besonders die Aquarellarbeiten. Die zart aufgetragenen, verlaufenden Farben heben diese Märchenwesen zusätzlich vom weißen Hintergrund ab, sie scheinen zu schweben. Einfach schön.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 31. Mai, 11 Uhr, eröffnet und bleibt bis 4. Juni; es spricht Sepp Hiekisch-Picard vom Kunstmuseum Bochum.