Schmöker wechseln meterweise den Standort

In Rollwagen 23 lagern die Fachbücher zur Aquaristik: Das Aquarien-ABC, Mein Aquarium, Tropische Aquarien einrichten, Aquaristik für Dummies, Riffaquaristik für Einsteiger – und noch einige mehr. Rund 6,3 Kilometer Literatur muss vom alten Standort der Bücherei an der Düsseldorfer Straße zur Steinschen Gasse bewegt werden. Zum Glück haben die Duisburger schon einiges ausgeliehen, deshalb sind es 1,2 Kilometer weniger. „Es sind allen Bereiche geplündert worden, aber bei den Koch- und Gartenbüchern war am Ende fast gar nichts mehr da“, erklärt Uwe Holler, Leiter der Zentralbibliothek. Nun sind 15 Mitarbeiter der Firma Kühne damit beschäftigt, die Schmöker in Rollwagen zu laden und am neuen Standort wieder einzuräumen.

Markus Szepan wuchtet ein Dutzend Bücher in den Trolley. In seinen Ohren stecken Kopfhörer, die Musik motiviert ihn. „Sonst ist es ein bisschen langweilig.“ Seit sieben Jahren arbeitet Szepan bei dem Unternehmen. Er hat schon viele Büchereien aus- und wieder eingeräumt. Die in Nürnberg, die Bibliothek des Deutschen Bundestags. „Wir sind oft auf Montage.“ Zum selbst lesen kommt er da eher selten. „Seitdem wir im Bundestag waren, bekommen wir viele Anfragen aus ganz Deutschland“, bestätigt Vincent Lauterborn, Projektleiter von der Firma Kühne. Das Dortmunder Familienunternehmen wird sich um die historische Sammlung kümmern, die besonders behutsam behandelt werden muss.

An der ehemaligen Info-Theke sitzen Martina Fischer und Denise Hamann. Die beiden Damen aus der Abteilung „technische Buchbearbeitung“ gehören zum Abwicklungskommando. Sie beobachten die Mitarbeiter des Umzugsunternehmens, stehen für Fragen zur Verfügung – und vertreiben sich die Zeit mit stricken. „Ich bin seit 40 Jahren bei der Bücherei, da blutet einem schon das Herz, wenn man das hier sieht“, sagt Martina Fischer ein bisschen wehmütig. Andererseits: Die neuen Räumen sind hell und schön. Am neuen Standort werden neue Aufgaben auf Fischer und Hamann zukommen. Die Ausleihe und Rückgabe übernimmt ein Automat. „Aber die Bücher beamen sich nicht von selbst an den Platz. Wir müssen die Literatur einsortieren“, so Holler. Die Fachgruppen werden übrigens wieder ähnlich untergebracht wie am alten Standort. „Allerding haben wir nur noch drei Etagen. Auf diesen ist aber mehr Platz.“ Um den Bestand aktuell zu halten, seien vor dem Umzug „Ladenhüter“ aussortiert worden. Im Gegenzug wurde aktueller Lesestoff angeschafft. „Wir Bibliothekare mussten lernen, dass man sich manchmal auch von alten Schätzen trennen muss.“

André Renzel räumt die Regalmeter auf der dritten Etage an der Steinschen Gasse voll. Die Jahrbücher von 1992 bis 2013 sind schon einsortiert. Daneben findet die Niederrhein-Literatur Platz. Noch ist alles etwas kahl. Aber in drei Wochen sollen die Bestände gefüllt sein. „In die Muckibude muss ich abends nicht mehr“, erzählt er und lächelt.