Schlaglochzählen in Duisburg - jede fünfte Hauptstraße ist marode

Student Finn Facklam (r.) begutachtet im Beisein von Dieter Caspers die Saarstraße.
Student Finn Facklam (r.) begutachtet im Beisein von Dieter Caspers die Saarstraße.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Jede fünfte Straße in Duisburg ist in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Das hat die bisherige "Inventur" der Hauptverkehrsstraßen ergeben.

Duisburg.. Schlaglöcher, Risse oder Spurrillen: Es ist nicht immer angenehm, über Duisburgs Straßen zu fahren. Wie es flächendeckend um die hiesigen Asphaltpisten bestellt ist, wurde erstmals 2007 bei der Eröffnungsbilanz für das Neue Kommunale Finanzmanagement erfasst – seitdem aber nicht mehr.

NRW-Straßen Die finanziell chronisch klamme Stadt hat in diesem Jahr rund 80.000 Euro in die Hand genommen, um seit April zumindest die Hauptverkehrsstraßen über Siemens in Essen von insgesamt zehn Werkstudenten genauer begutachten zu lassen. Einer von ihnen ist Finn Facklam, der Wirtschaftsingenieurswesen mit Schwerpunkt Automobilindustrie an der Uni in Duisburg studiert. Ein Ortstermin mit dem 25-Jährigen und Dieter Caspers vom Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement an der Saarstraße.

Straßen bekommen je nach Zustand Noten zwischen 1 und 5

Finn Facklam („Die Arbeit passt zum Studium und ist gut für den Lebenslauf“) ist leicht an seiner orangefarbenen Weste zu erkennen – und an seinem Tablet in der Hand. Über ein spezielles EDV-System dokumentiert er mit verschiedenfarbigen Rechtecken allgemeine Unebenheiten, Oberflächenschäden, Spurrillen, Schäden an Rinne und Bordstein sowie Flickstellen. Nahezu alles bietet die Saarstraße direkt nach der A59-Ausfahrt Duissern. Abschnitt für Abschnitt geht Finn Facklam vor und notiert auch, ob es sich jeweils um starke, mittelschwere oder leichte Schäden handelt.

Je nach Ausprägung werden die einzelnen Merkmale bei der anschließenden Auswertung durch die Stadt untereinander gewichtet, um am Ende zu einer Gesamtnote zwischen 1 und 5 zu kommen – bis auf eine Stelle hinterm Komma genau. 85 Prozent der Hauptverkehrsstraßen haben laut Caspers die Werkstudenten bereits begutachtet. Etwa bis Mitte Juli sind sie unterwegs. „Noch gibt es keine Tendenz“, so Caspers. „Die konkreten Ergebnisse werden wohl auch erst am Jahresende vorliegen.“ Sie geben Aufschluss darüber, bei welchen Hauptverkehrsstraßen Handlungsbedarf besteht.

20 Prozent der Duisburger Straßen ist schlecht bis sehr schlecht

Für die alljährlichen Prioritätenlisten ist der Zustand, so betont es Caspers, aber immer nur ein Kriterium von vielen. „Ein Beispiel: Bei einer bereits stark beschädigten Straße mit einer Note 4 gibt es sicher grundsätzlich Bedarf“, so der Experte der Stadt. „Es kann aber sein, dass wir die Maßnahme noch verschieben, wenn in ein paar Jahren Kanalbaumaßnahmen anstehen und die Straße danach sowieso gemacht werden muss.“

20 Prozent des 1250 Kilometer langen Duisburger Straßennetzes sind in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand, so Dieter Caspers vom Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement. Die Stadt sei durch das Neue Kommunale Finanzmanagement verpflichtet, „Straßen-Inventur“ zu machen. Aktuell werden zumindest 225 Kilometer Bundes-, Land- und Kreisstraßen sowie 75 Kilometer Gemeindestraßen mit erhöhtem Verkehr genauer begutachtet.