Schiedsleute suchen neue Kollegen

Robert Becker ist seit etwa einem Jahr Schiedsmann für Alt-Homberg und Baerl. Jetzt wirbt er dafür, dass sich mehr Duisburger für dieses Ehrenamt interessieren. Dabei unterstützt ihn der Schiedsmann von Marxloh, Christian Schöne.

„Anfangs wusste ich eigentlich nicht, worauf ich mich einlasse“, sagt Becker, „aber nach einem Jahr bin ich weiterhin voll motiviert. Unser Ziel ist, dass sich Menschen einigen. Und meistens schaffen wir das.“ Denn Schiedsverfahren entlasten die Gerichte und sind mit 50 Euro Gebühr zudem die günstigste Art, sich offiziell zu einigen. Bevor man wegen Beleidigungen, Hausfriedensbruch sowie wegen Sachbeschädigung oder Körperverletzung mit einem geringen Streitwert vor einen Richter tritt, ist ein Besuch bei einem Schiedsmann oder einer Schiedsfrau vorgeschrieben.

Allzu zeitaufwendig, findet der Chemiearbeiter und Gewerkschafter Becker, sei das Ehrenamt nicht. Seit Oktober 2015 habe er erst eine Handvoll Fälle bearbeitet. Ist aber erst einmal ein Fall da, darf nicht gebummelt werden, innerhalb von zwei bis drei Wochen muss es dann zum Schiedsverfahren kommen. „In Marxloh steppt der Bär“, sagt dagegen Christian Schöne. Weil dort viele Menschen arm sind und sich selbst die Schlichtungsgebühr nur mit Raten oder gar nicht leisten können, hilft er im Stadtteil auch oft nebenher, zwischen Tür und Angel und ohne echtesVerfahren. „Geld ist nicht alles, und die Marxloher haben viel Herz und geben mir viel Dankbarkeit und Wärme zurück.“

Häufig kommen Nachbarn zu den Schiedsleuten, teils im jahrelangem Streit. Dann nach einem gemeinsamen Gespräch, endlich für Ruhe zu sorgen, sei durchaus ein schönes Gefühl. „Wir sind zwar keine Seelsorger oder Therapeuten“, sagt Becker, „aber das Wichtigste ist: zuhören.“

Einigungen erzielen

Denn bei den Verfahren geht es nicht darum, einen Schuldigen zu benennen, sondern eine Lösung zu finden, die von beiden Streitparteien akzeptiert wird. So soll ein Vergleich zustande kommen, der dann für 30 Jahre gilt. Oft gelinge das, sagt Schöne, der 2012 ins Amt gewählt wurde. „Ich habe auch nach einem Schiedsverfahren keine Angst, dass mir jemand auflauert“, sagt Becker. „In Baerl kommen sie ja auch höchstens mit Kuchengabeln und nicht mit einer Machete“, ergänzt Schöne sofort und lacht.

Beide Schiedsmänner nehmen ihr Ehrenamt jedoch sehr ernst, nicht nur, weil sie für fünf Jahre gewählt worden sind. Damit sie professionell und sachlich auftreten, werden sie geschult und von den Gerichten, der Stadt und ihren Amtskollegen unterstützt. „Ein Schiedsmann ist aber nur so gut wie seine Ehefrau das zulässt“, scherzt Robert Becker. Das sei zwar bei jedem Hobby und Ehrenamt so, „aber wir können über unsere Fälle nicht sprechen, auch nicht anonymisiert“. Dafür müsse der Partner Verständnis haben.

Beide Duisburger haben es nicht bereut, dass sie Schiedsmänner geworden sind. Außerdem hätten sie bislang noch keine negativen Erfahrungen gemacht und nichts von ihrem anfänglichen Elan verloren. „Das ist ein schönes Amt, wir helfen, wo wir nur irgend können“, sagt Robert Becker. Christian Schöne sieht das ebenso und ergänzt: „Wir sind ganz nah bei den Menschen und unsere Erfolge sind sehr hoch – ob bei Müll, Lärm oder bei Beleidigungen.“