Schicksalsschwere und Optimismus

Nach den begeisternden Aufführungen von Beethovens 9. Sinfonie im November ist der Philharmonische Chor Duisburg nun ein weiteres Mal im Theater am Marientor zu Gast: Beim 11. Philharmonischen Konzert am Mittwoch und Donnerstag, 20. und 21. Mai, jeweils um 20 Uhr, stehen unter Leitung von Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi mit der Alt-Rhapsodie und dem Schicksalslied zwei berühmte Vokalwerke von Johannes Brahms auf dem Programm.

Der „Rhapsodie für eine Altstimme, Männerchor und Orchester“ liegen drei Strophen aus Johann Wolfgang von Goethes „Harzreise im Winter“ zugrunde. Der Altstimme vorbehalten ist der erste Teil des Werkes, das Bekenntnis eines Unglücklichen, der „Menschenhass aus der Fülle der Liebe trank“. Mit dem Einsatz des Männerchores wandelt sich die Verzweiflung zur zaghaften Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Solistin ist Ingeborg Danz, die dem Duisburger Publikum aus vielen denkwürdigen Konzerten vertraut ist, darunter Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ (2009), Mahlers „Auferstehungssinfonie“ (2011) oder Max Bruchs „Das Lied von der Glocke“ (2012). Auch wenn Ingeborg Danz an großen Opernhäusern wie der Hamburger Staatsoper gastierte, liegt ihr Schwerpunkt im Bereich des Konzert- und Liedgesangs.

Während Johannes Brahms in seinen Klavierliedern die lyrischen Kleinmeister seiner Zeit bevorzugte, wandte er sich in seinen Chorwerken den literarischen Klassikern zu, darunter Friedrich Hölderlin, dessen wuchtig-strenge Verse er im Schicksalslied op. 54 vertonte. Auch hier steht die Klage um das bittere Menschenschicksal im Zentrum, auch hier ringt sich die Musik am Ende zu scheuem Optimismus durch.

Nicht nur in seinem literarischen Geschmack war Brahms der Klassik verbunden. Er hegte auch zeitlebens eine große Bewunderung für die Musik Joseph Haydns, dem er 1873 mit seinen Haydn-Variationen die Reverenz erwies; allerdings ist Haydns Autorschaft an dem reizvoll asymmetrischen Choralthema umstritten. Mit diesem kunstvollen Werk schlagen Bellincampi und die Philharmoniker den Bogen zu Haydns letzter Sinfonie D-Dur: Ein Werk, das ernste und heitere Züge, Spielwitz und formale Tüftelei auf unnachahmliche Weise mischt.