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Leben im Alter

Scherfs altersgemischte WG ist für viele ein Modell

22.01.2013 | 18:45 Uhr
Scherfs altersgemischte WG ist für viele ein Modell
Foto: Eickershoffr

Duisburg. Henning Scherf kam, sah und siegte - der ehemalige Bremer Bürgermeister und Sozialsenator gewann mit seiner lockeren wie humorvollen, charmanten wie volksnahen Art in Sekundenschnelle die Herzen seiner rund 130 meist älteren Zuhörer im vollbesetzten Vortragssaal der Volkshochschule Duisburg .

Der Sozialdemokrat im Unruhestand berichtete auf Einladung des Seniorenbeirats und der VHS über 25 Jahre Erfahrungen mit seiner 1988 gegründeten (Pflege-)wohngemeinschaft in der Bremer Innenstadt.

WG auf drei Stockwerken

In dem dreistöckigen, sanierten Altbau von 1825 lebte Scherf mit seiner Frau bereits, als er von 1995 bis 2005 Bremens Geschicke als Stadtoberhaupt lenkte. Von dort ging und geht er nach eigenem Bekunden zu Fuß zum Rathaus. Seine altersgemischte Wohn- und Pflegegemeinschaft ist dank verschiedener Bücher aus der Feder Scherfs wie „Grau ist bunt“ inzwischen bundesweit bekannt und hat Modellcharakter.

In dieser funktionierenden WG wohnen auf drei Stockwerken und rund 400 qm bis zu zehn Personen, ältere Ehepaare wie die Scherfs, aber auch Singles. Stets sind sechs der zehn Bewohner über 70 , drei bis vier von ihnen sind junge Leute, die auch für den WG-Nachwuchs sorgen. Denn einige Todesfälle gab es in Scherfs Mehrgenerationenhaus schon.

Schutz und Unterstützung

Die Nachfrage ist groß, denn die Lebensqualität in dem zentral gelegenen Altbau mit 1400 qm großem Garten ist hoch, die Atmosphäre in Scherfs „Wohnbiotop“ von Anfang an hervorragend: „Nur mit zwei Mitbewohnern gab es Probleme, nur einmal gab es Krach - in 25 Jahren!“ zog Scherf zufrieden Bilanz.

Grundsätzlich sei die Atmosphäre in seinem Domizil immer entspannt und friedlich gewesen. Zwar gibt es keinen Gemeinschaftsraum. „Aber unsere Türen stehen meist alle offen. Wir können uns jederzeit nach eigenem Gusto treffen und miteinander reden. Jeder sollte immer ein guter Gastgeber für seine Nachbarn sein.“

In der WG stütze und beschütze man sich, so Scherf, gebe sich gegenseitig Halt. Selbst die Pflege todkranker Menschen in Eigenregie hätten die Bewohner gelernt und erfolgreich umgesetzt. Scherf: „Jeder kann das lernen, auch Männer!“ Scherf rief sein reifes Publikum zum ehrenamtlichem Engagement auf.

Martin Krampitz



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