Sanierung für den Grüngürtel in Bruckhausen mit dem Bagger?
04.01.2012 | 09:00 Uhr 2012-01-04T09:00:00+0100
Duisburg. Ex-Städtebauminister Christoph Zöpel belebt mit einem Brandbrief die Diskussion um den geplanten Grüngürtel in Bruckhausen, für den ganze Häuserzeilen abgerissen werden sollen.
Amputation mit dem Abrissbagger oder notwendige, wenn auch nicht minimal-invasive chirurgische „Wundbehandlung“ für einen kranken Stadtteil? Der „Grüngürtel“ Bruckhausen mit der geplanten Niederlegung ganzer Straßenzüge an der Kaiser-Wilhelm-Straße im Schatten der Hochöfen von Thyssen-Krupp ist zwar längst beschlossen und im Gange, aber offenbar noch nicht ausdiskutiert.
Ein Brandbrief vom ehemaligen und als Raumplaner zweifelsohne anerkannten NRW-Städtebauminister Christoph Zöpel, der in seiner Amtszeit von 1980 bis 1990 auch Motor für die Internationale Bauausstellung Emscherpark war, sorgt für die Belebung der Debatte um den Grüngürtel, für den bis 2015 vornehmlich in Bruckhausen , aber auch in Marxloh und Beeck bis zu 180 Häuser abgerissen werden sollen und sich ein grüner Puffer zwischen Wohnen und Industrie legen soll.
Kritik an Planungen für Grüngürtel
An längst vergangene und von ihm 1980 gestoppte Zeiten der „Flächensanierung“ fühlt sich Zöpel in seinem Brief erinnert. Ganze Stadtteile und gewachsene Strukturen wurden in den 60 und 70 Jahren plattgemacht, in der Tat mit teils fatalen Folgen. „Der Abriss sollte verhindert werden“ fordert Zöpel nun für Bruckhausen , sieht er in den gründerzeitlichen Häuserfluchten eine „fast singuläre baugeschichtliche Bedeutung“. Als „geradezu widersinnig“ nennt der 68-jährige SPD-Grande die Planungen für einen Grüngürtel. Mit Blick auf die zu 80 Prozent türkischstämmige Bevölkerung sieht der Honorarprofessor der Uni Dortmund im Erhalt der Stadtquartiere „auch einen erforderlichen Beitrag zur Integration von Zuwanderern“.
„Ich war erschüttert, als ich das sah“, berichtet Zöpel gegenüber der WAZ von seinem Besuch in Bruckhausen , um den ihn sein langjähriger Freund Prof. Roland Günter, streitbarer Vorsitzender der Architekten- und Raumplanervereinigung Deutscher Werkbund, gebeten hatte. Seit 1980 sei ihm solch ein Fall des städtebaulichen Kahlschlags nicht mehr bekannt. Für die veranschlagten 70 Mio Euro, die Aufkauf, Abriss und Grüngürtel kosten, könne man die gründerzeitliche Bausubstanz erhalten, sanieren und als lebendigen Wohnraum erhalten, warnt Zöpel vor den Sünden vergangener Zeiten und fordert einen „neuen Dialog“.
Grüngürtelplan als Flächen-Zerstörung
Weit harscher bewerten Roland Günter und andere Kritiker, u.a. aus der Geschichtswerkstatt Du-Nord, die Grüngürtelplanung . Von „Flächenzerstörung“ spricht Günter, von einem „Bubenstück an Zynismus und Menscherverachtung“. Den Grüngürtel nennt er „eine Rasenfläche mit ein paar Wellen“. Und Paul Ganser, der als Vater der IBA gilt, bezeichnet die Pläne als „dumm und ignorant“, betitelt Duisburgs damalig verantwortlichen Baudezernenten Dressler gar als „Unhold“.
Beim amtierenden Baudezernenten, Stadtdirektor Peter Greulich, stoßen solcherlei Anwürfe auf Kopfschütteln. Zugleich hat er aber Zöpel zu einem Ortstermin eingeladen. Dort müsste er dann eigentlich „Verständnis“ für die Notwendigkeiten haben, erwartet Greulich. „Wenn wir dort nichts unternehmen, geht der morbide Prozess weiter“, so Greulich.
Abriss zur Stabilisierung
Mit dem Abriss des zum großen Teil maroden Hausbestandes sei es möglich in Bruckhausen Stabilisierung zu schaffen. „Wir nehmen den maroden Bereich weg und damit steigt auch der Wohnwert der anderen Immobilien. Als „Flächenfraß“ bezeichnet Greulich den enorm hohen Leerstand von 36 Prozent in den Straßenzügen. Der größte Teil der Mieter würde in Bruckhausen wohnen bleiben, mithin den Stadtteil beleben.
Die direkte Nachbarschaft von belastender Schwerindustrie und Wohnbebauung sei heute undenkbar. Nicht umsonst seien die Straßenzüge an der Kaiser-Wilhelm-Straße derart verfallen. „Da wollte doch niemand mehr wohnen. Und nun entsteht ein schöner Park mit hoher Aufenthaltsqualität“, wirbt Greulich für den aufwändig gestalteten Grüngürtel.

08:54
so sieht die Wahrheit zum leerstand aus
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1514999/display/26659578
22:41
Interessant das immer Urteile gefällt werden, ohne die Situation zu kennen. Leben in Bruckhausen ist niemandem zuzumuten? Unsinn, die Luft in Bruckhausen war seit über hundert Jahren nicht mehr so gut wie heute. Die Menschen haben gerne dort gelebt, sie sind, genau wie es den Menschen am Zinkhüttenplatz gehen soll, vertrieben worden, die Hauseigentümer werden seit Jahren mit Enteignung bedroht. Keiner will dort leben? DAS ist Zynismus pur. Christoph Zöpel hat sich in Bruckhausen selbst ein Bild gemacht. Ich kann nur empfehlen, es ihm gleich zu tun.
22:17
Scahde, dass alte Männer nicht lernen, auch einmal den Mund zu halten, da man die Rahmenbedingungen nicht kennt!!!
Da kommt der Bochumer Zöpel auf Einladung des Oberhauseners Günther eingeflogen und redet, 20000 leerstehenden Wohnungen und fast 20jährigen Aufwertungsbemühungen zum Trotz munter Blödsinn daher... Zudem müsste er es als ehem. Minister wissen, Kauf und Sanierung von Gebäuden wäre eben gerade nicht durch das Land gefördert worden. Von einer TKS Beteiligung von mehr als 20 Mio€ ganz zu schweigen!!!
Hier - d.h. im Westen von Bruckhausen, gegenüber von Thyssen wollte und will kein Mensch mehr leben. Eigentümer und Mieter haben die Häuser trotz finanzieller Hilfen völlig heruntergewirtschaftet und ausgepresst.... zudem verliert DU jedes Jahr mehr als 1000 Haushalte... d.h. die Zahle der leerstehenden Wohnungen steigt immer weiter...
Liebe alte Männer: Genießt Eure beachtliche Pernsion, aber überlasst die Zukunft den Menschen, die die Zukunft auch selbst erleben können.....
18:42
Es geht nicht darum, Bruckhausen als Wohngegend zu erhalten. Die Gegend ist schon seit Jahrzehntem niemandem mehr zuzumuten. Es geht vielmehr darum, dieses historisch einzigartige Stück Wohn- und Baukultur dadurch zu erhalten, dass man es einer neuen sinnvollen Nutzung zuführt.
Beim Thyssen-Stahlwerk in Meiderich oder der Speicherzeile am Innenhafen wollte auch niemand, dass hier weiter Stahl produziert oder Korn umgeschlagen wird. Inzwischen sind wir in Duisburg nicht nur alle stolz, dass es diese Industriedenkmäler noch gibt, sondern dass der Landschaftspark Nord ein einmaliger Freizeitpark geworden ist und der Innenhafen die beliebteste Kneipen- und Büromeile im Revier darstellt.
Warum sollte das mit Bruckhausen nicht auch gelingen? Warum z.B. ist noch niemand auf die Idee gekommen, hier und nicht am Zinkhüttenplatz das FOC zu errichten? Douvil könnte mit den 70 Mio. von Thyssen die alten Häuser liebevoll sanieren und ein wunderbares Outletcenter errichten.
Statt dessen werden jetzt viele alte Menschen zwangsumgesiedelt und auf der anderen Seite wird ein einmaliges Stück Jugendstilarchitektur dem Erdboden gleichgemacht!
15:32
Bis vor wenigen Jahren, bevor die TKS, Stadt und die EGDU auf die sogenannte
Grüngürtel-Idee kamen,(im Volksmund Lügengürtel genannt) weil die TKS so wollte, auch um im Umweltschutz zu sparen, war Bruckhausen zu mindest ein lebendiger Stadtteil. Und auch die Straßenzüge die nun abgerissen werden sollen waren voller Leben, doch mit dem einmischen von TKS,Stadt und EGDU änderte sich das schlagartig. Seitdem ist Bruckhausen ein, leider sterbender Stadtteil. Und der Abriss dieser alten Häuser die mit ein wenig Farbe genauso, nein weitaus schöner und edler aussehen würden, wie die Immeo-Häuser rund um den Marktplatz, die erst eine hübsche Fassade bekamen nachdem die andern Häuser leer gezogen waren, aussehen. Doch so wird der Kontrast zu den Abrisshäusern noch geschickt erhöht. Nein nicht die Bewohner von Bruckhausen hatten vor weg durch Auszüge das Schiksal von Bruckhausen bestimmt, sondern TKS und Stadt. Die im verdrehen einiger Fakten und Tatsachen sehr geschickt sind.
11:39
Wenn ich Kommentare wie den von Zöpel lese, drängt sich mir unmittelbar die Frage auf, ob den der Herr Ex-Minister auch gerne in den tollen Gründerzeithäusern wohnen möchte, mit freiem Blick auf Thyssen Krupp und einer stark befahrenen Hauptstraße vor der Nase in Häusern, die dringend renovierungsbedürftig sind.
Schön reden ist das Eine, doch vernünftige Lösungen anzubieten das Andere. Wenn die Herren Kritiker tragfähige Alternativlösungen einschließlich eines Finanzierungskonzeptes vorlegen können, dann können sie sich ja gerne wieder zu Wort melden. Was sie jetzt aber tun, ist den aktuellen Stillstand fortzuschreiben. Was wir dann bekommen, ist das, was wir jetzt sehen: Verfall. Es ist natürlich richtig was gewonnen, wenn man an Stelle eines Grüngürtels Gründerjahre Ruinen hat.
Es geht nicht darum, Bruckhausen als Wohngegend zu erhalten. Die Gegend ist schon seit Jahrzehntem niemandem mehr zuzumuten. Es geht vielmehr darum, dieses historisch einzigartige Stück Wohn- und Baukultur dadurch zu erhalten, dass man es einer neuen sinnvollen Nutzung zuführt.
Beim Thyssen-Stahlwerk in Meiderich oder der Speicherzeile am Innenhafen wollte auch niemand, dass hier weiter Stahl produziert oder Korn umgeschlagen wird. Inzwischen sind wir in Duisburg nicht nur alle stolz, dass es diese Industriedenkmäler noch gibt, sondern dass der Landschaftspark Nord ein einmaliger Freizeitpark geworden ist und der Innenhafen die beliebteste Kneipen- und Büromeile im Revier darstellt.
Warum sollte das mit Bruckhausen nicht auch gelingen? Warum z.B. ist noch niemand auf die Idee gekommen, hier und nicht am Zinkhüttenplatz das FOC zu errichten? Douvil könnte mit den 70 Mio. von Thyssen die alten Häuser liebevoll sanieren und ein wunderbares Outletcenter errichten.
Statt dessen werden jetzt viele alte Menschen zwangsumgesiedelt und auf der anderen Seite wird ein einmaliges Stück Jugendstilarchitektur dem Erdboden gleichgemacht!
11:32
Wenn ich Kommentare wie den von Zöpel lese, drängt sich mir unmittelbar die Frage auf, ob den der Herr Ex-Minister auch gerne in den tollen Gründerzeithäusern wohnen möchte, mit freiem Blick auf Thyssen Krupp und einer stark befahrenen Hauptstraße vor der Nase in Häusern, die dringend renovierungsbedürftig sind.
Schön reden ist das Eine, doch vernünftige Lösungen anzubieten das andere. Wenn die Herren Kritiker tragfähige Alternativlösungen einschließlich eines Finanzierungskonzeptes vorlegen können, dann können sie sich ja gerne wieder zu Wort melden. Was sie jetzt aber tun, ist den aktuellen Stillstand fortzuschreiben. Was wir dann bekommen, ist das, was wir jetzt sehen: Verfall. Es ist natürlich richtig was gewonnen, wenn man an Stelle eines Grüngürtels Gründerjahre Ruinen hat.
11:01
Schade, dass es in Duisburg scheinbar nur Menschen gibt, die die Probleme der Schwerindustrie verklären und romantisieren wollen. Bruckhausen ist wohnlich unattraktiv und nicht benötigten Wohnraum zurück zu bauen ist planerisch nur sinnvoll. Ausser, man möchte aus der ganzen Stadt ein Museum machen. Aber auch in einem Museum lebt niemand......
10:55
Noch stehen die meisten der Häuser. Eine Rettung ist noch möglich. Der Vater der IBA, dem das Ruhrgebiet unendlich viel zu verdanken hat, heißt übrigens Karl Ganser, nicht Paul.
10:01
Was da in Bruckhausen geschieht, ist eine der größten stadtgeschichtlichen Katastrophen in Deutschland. Sie wird die Zukunft Duisburgs sehr viel mehr belastet als Love Parade, Mafia Morde und Bandidokämpfe zusammen. Aber leider kann man sie medial nicht so spannend aufbereiten und leider kommen solche Warnungen wie die von Zöpel viel zu spät.
Duisburg wird eine bauliche Perle verlieren. Nicht zum ersten mal.
P.S.: Dressler nur als Unhold zu bezeichnen, ist die Untertreibung des Jahrzehnts!