Sänger lieben Schiffe und das Meer

Foto: Tanja Pickartz

Die Hafenstädte Hamburg und Bremen haben keine Shanty-Chöre. Aber im Binnenland wird in vielen Städten der maritime Gesang gepflegt. Shanty-Chöre der Wasserschutzpolizei gibt es in Potsdam, Nürnberg, Wiesbaden – und Duisburg. Vielleicht weil die Sehnsucht nach dem Meer hier größer ist? In diesem Jahr kann der Shanty-Chor der Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen sein 25-jähriges Bestehen feiern.

Geboren wurde die Idee 1990 bei der Bootsmesse in Düsseldorf, angestoßen vom ehemaligen Polizeipräsidenten der NRW-Wasserschutzpolizei Dirk-Henning Schnitzler. „Als Standort des größten Binnenhafens in Europa lag Duisburg nahe“, sagt Vorsitzender Dietger Lerch. Der erste Auftritt im gleichen Jahr war das Geburtstagsständchen für den damaligen Innenminister Herbert Schnoor. Da wurden auch die Weichen gestellt, dass er Chor, dem keineswegs nur Wasserschutzpolizisten angehören dürfen, in schmucken Uniformen auftreten kann. „Wir sind das Aushängeschild der Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen“, sagt Lerch. Über 100 Lieder haben die insgesamt 30 Sänger im Alter von 55 bis 86 Jahren im Repertoire. „Wir wären gerne mehr, wir waren mal 49 Sänger.“ Bei der instrumentalen Begleitung ist man „gut aufgestellt“ mit drei Akkordeonspielern und einem Gitarristen.

„Weil wir grundsätzlich ohne Noten singen, muss alles auswendig gelernt werden“, schildert Lerch eine Besonderheit. Darunter sind auch maritime Advents- und Weihnachtslieder wie „Still liegen die Schiffe“ oder „Heilige Nacht im Hafen“.

Jedes Jahr geht der Chor mindestens einmal auf Reisen. Zwischen Flensburg im Norden, Ludwigshafen im Süden, Aachen im Westen und dem Spreewald im Osten hat der WSP-Shanty-Chor Deutschland bereist, aber auch im Ausland waren die Sänger bereits zu hören – von der ersten Reise nach Miami in Florida bis hin zu einem internationalen Polizeisingen in Prag. Aber das Größte ist es natürlich für einen Shanty-Chor, auf den Planken eines Windjammers zu singen. Gleich zweimal waren die Duisburger auf der Gorch Fock: Bei der „Sail 2000“ in Bremerhaven und zwei Jahre später in Kiel bei der „Open Sail“. „Die vielen Schiffe und Zuschauer – und dann das Lied ,Weiß ist das Schiff, das wir lieben’“, schwärmt der 2. Vorsitzende Achim Strutz von „einem unvergesslichen Erlebnis“.

In diesem Jahr freut sich der Chor nicht nur besonders auf das Jubiläumskonzert und das Erscheinen der dritten CD, sondern auch auf den Einsatz in Dornumersiel: Die Duisburger sind Anfang Juli dabei, wenn die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ihr ältestes Rettungsboot als Ausstellungsstück aufstellt.

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