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Rumeln-Kaldenhausen - Rheinische Fruchtfolge

12.12.2010 | 12:00 Uhr
Heinz Billen (l.) führte WAZ-Redakteur Willi Mohrs durch „sein“ Rumeln-Kaldenhausen. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg. Wo fangen wir unseren Rundgang an, in Rumeln oder in Kaldenhausen? Heinz Billen weiß weisen Rat: Es geht los am ehemaligen Rathaus. Das sei, erfahre ich, bewusst so gebaut worden, dass der Eingang genau auf der Grenze liegt.

Eine Grenze im Übrigen, die historisch gleich dreifach existiert zwischen den beiden Teilen des Doppelnamen-Stadtteils im tiefsten Westen der Stadt. Rumeln nämlich gehörte bis ins 18. Jahrhunder politisch zur Grafschaft Moers, der größte Teil Kaldenhausens dagegen zur Herrschaft des Kölner Kurfürsten. Eine zweite Grenze war die Folge: Auf der einen Seite war man katholisch, auf der anderen evangelisch. Und: Die Kur-Kölner Untertanen sprachen rheinisches, die anderen Grafschafter Platt, welches sich schon ein bisschen nach Holländisch anhört. Wer den Unterschied hören möchte, sollte sich vertrauensvoll an Heinz Billen wenden, der beherrscht in beiden „Sprachen“ humorvolle Beispiele.

Die Grenzen zwischen Rumeln und Kaldenhausen haben an Bedeutung verloren, der Stadtteil seinen Charakter gründlich verändert in den letzten Jahrzehnten. Warum? „Früher war hier alles bäuerlich geprägt“, erklärt Billen und zeigt mit ein ausgedehntes Neubaugebiet, vielleicht aus den 70ern, vielleicht aus den 80ern. „Davon haben wir hier Dutzende.“ Allen Versuchen der Stadtplaner zum Trotz fehle aber ein echtes Zentrum, „obwohl wir 20.000 Einwohner haben“.

Duisburgs Stadtteile III

Rumeln in 60 Sekunden
17.244 Einwohner

Rumeln-Kaldenhausen gehört zum Stadtbezirk Rheinhausen und hat nach amtlichen Angaben 17.244 Einwohner, davon sind 9201 Männer und 8322 Frauen. Der Ausländeranteil liegt bei fünf Prozent.

Der Stadtteil liegt im Westen Duisburgs an den Stadtgrenzen zu Moers (Stadtteile Schwafheim und Kapellen) und Krefeld (Uerdingen).

Die erste urkundliche Erwähnung Rumelns erfolgt 898 in den „Werdener Urbaren“ (Wikipedia). 1935 erfolgte der Zusammenschluss von Rumeln und Kaldenhausen. Die Gemeinde gehörte bis 1974 zum Kreis Moers.

Überörtlich bekannt wurde der Stadtteil durch die Frauenfußballmannschaft des FC Rumeln-Kaldenhausen, heute FCR 2001 Duisburg, die Deutscher Meister und Pokalsieger war.

1949 sei das erste Neubaugebiet erschlossen worden, inzwischen gebe nicht einen Bauern mehr im Stadtteil: „Die haben sich richtig gesegnet“, meint Billen. „Rheinische Fruchtfolge“ nennt man so etwas auch: Ackerland, Weideland, Bauland.

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Wir sehen uns ein paar Bereiche des schnell gewachsenen Viertels an: an der Liebigstraße einige der äußerst wenigen höheren Häuser, gegenüber sorgen grasende Gänse sogleich für Ausgleich; an der Birken- und Ulmenstraße ein paar mehrstöckige Häuser, laut Billen in den 60er Jahren von der Unesco für Spätaussiedler gebaut; an der Ringstraße ein paar mutig-bunte Häuser, eingebettet in reichlich Grün, eingfriedet von Hecken. Billen: „Eine phantastische Wohngegend, allerdings auch kaum zu bezahlen.“

Über den Aubruchgraben, der als grüne Schneise den Stadtteil durchzieht, geht’s weiter am Albert-Einstein-Gymnasium vorbei, dann über die Kapellener Straße in Richtung Mühlenwinkel. Hier stand einst die größte Backsteinmühle des Niederrheins. 1968 wurde sie abgerissen – so war der Zeitgeist.

Plötzlich stehen wir im Wald, aber nicht einsam und verloren: Der „Waldborn“ lockt, ein Ausflugslokal mit lauschigem Biergarten unter hohen Bäumen. Eine Versuchung bei anderem Wetter.

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„Reitsport ist ganz groß hier“, sagt Bille, als wir Pferdeweiden und einen Reiterhof passieren. Nächster Anlaufpunkt ist eine Siedlung ganz eigener Art aus viergeschossigen Terrassenhäusern. Das war mal wegweisende Architektur.

Ärzte, Schulen, Kindergärten, Kirchen beider Konfessionen in beiden Stadtteil-Teilen, es mangelt eigentlich an nichts, meint Billen, als wir die Rumelner Mitte erreichen: ein paar Läden, einmal die Woche Markt, aber auch hier kein echtes Zentrum.

Duisburgs Stadtteile I

Ein paar hundert Meter weiter passieren wir Glückaufstraße, Markscheiderweg, Bergwerksstraße. Auch im Westen der Stadt gab’s Bergbau, die Zeche „Fritz“ förderte von 1937 bis 1973, so Billen. Was blieb: Gestrüpp, Dickicht, ungepflegtes Grün. Vielleicht, so mein Stadtteilführer, Platz für die nächste Neubau-Siedlung in Rumeln-Kaldenhausen. Was fehlt Billen in seinem Stadtteil? Ein Schnellbus nach Duisburg. 60 Minuten zum Hauptbahnhof: „Zu viel.“

Duisburgs Stadtteile IV

Bilder aus 115 Jahren Stadtgeschichte in...

Willi Mohrs

Kommentare
01.01.2011
11:41
Rumeln-Kaldenhausen - Rheinische Fruchtfolge
von Schwafheimer | #11

Mit den Füßen haben meine Eltern damals auch abgestimmt. Teils wegen der Arbeit. Erst Düsseldorf Kwerth, dann Grenze Düsseldorf-Duisburg und als ich...
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