Ruhrorter erinnern sich an den Wal im Rhein

Die 79-jährige Ruhrorterin Marga Joost berichtet aus ihren Erinnerungen, Jörg Mazur und Atelier-Gäste hören zu.
Die 79-jährige Ruhrorterin Marga Joost berichtet aus ihren Erinnerungen, Jörg Mazur und Atelier-Gäste hören zu.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bildhauer Jörg Mazur hatte Zeitzeugen zum Austausch in sein „Wal-Lokal“ eingeladen. 1966 sorgte das Tier für mehr Umweltbewusstsein.

Duisburg.. „Das war damals das Stadtgespräch. Alle waren ganz aufgeregt“, erinnert sich der 81-jährige Karl Scherf an den Mai 1966. Damals war ein Weißwal im Rhein bei Neuenkamp aufgetaucht. Das war nicht nur ein großes Thema in den Zeitungen, sondern auch in der Bar um die Ecke. Ein paar Wochen später schwamm der Wal gegen die Strömung nach Bonn, wo gerade eine internationale Sitzung tagte. Auch die Politiker und Journalisten aus anderen Ländern interessierten sich für den überraschenden Gast. Im schmutzigen Rheinwasser hatten sich auf seiner Haut Ölflecken und Ekzeme gebildet. Das soll zu den ersten Gesetzen zum Schutz des Flusses geführt haben.

Der Duisburger Bildhauer Jörg Mazur hatte für die „Heimat-Akzente“ die Wal-Skulptur „Rhineheart“ gestaltet. Die steht jetzt fertig in seinem Atelier in Ruhrort, wo er jetzt mit Zeitzeugen ins Gespräch kam. „Ich habe den Wal damals selbst nicht gesehen. Ich weiß aber noch genau, wie ich im Auto von Kiel nach Duisburg saß und die Nachricht im Radio gehört habe“, erzählt Fritz Hemberg aus Ruhrort: „Ich erinnere mich auch noch wie der damalige Zoodirektor den Wal gejagt hat.“ Dr. Wolfgang Gewalt wollte das Tier damals unbedingt als Attraktion für den Duisburger Zoo einfangen.

Der Wal tauchte nach Bonn ab

„Der patrouillierte mit seinem Schiff regelrecht auf dem Rhein und wartete darauf, dass der Wal auftauchte“, erinnert sich Marga Joost, die damals 31 Jahre alt war. Viele Türschützer hätten sich damals für die Freiheit des Wals eingesetzt. „Aber der Zoodirektor hat den Wal ja nie bekommen. Der war wohl zu schlau“, so die Ruhrorterin. Stattdessen ging’s nach Bonn.

Nächstes Jahr jähren sich die Geschehnisse zum 50. Mal. Pünktlich dazu soll ein Bronzeguss von Mazurs Skulptur auf der Mühlenweide aufgestellt werden. Drei Monate hat der Bildhauer an der Figur aus Polysterolschaum gearbeitet. „Der Wal hat es verdient, als Skulptur aufgestellt zu werden“, betont Jörg Mazur. Das Auftauchen des Wales habe das Umweltbewusstsein verstärkt, und die Skulptur solle nun verdeutlichen, dass das Bewusstsein nicht mehr abtauche.

Die Büste soll durch Crowdfunding, also Spenden Vieler, ermöglicht werden. Mazur sammelt im Internet Sponsoren für sein Projekt „Heimat für Rhineheart“.

Info: www.joerg-mazur.de.