Das aktuelle Wetter Duisburg 12°C
Binnenschifffahrt

"Ruhrcargo"-Kanal-Shuttle gegen Autobahn-Stau im Ruhrgebiet

04.09.2012 | 07:00 Uhr
Containertransport auf einem Motorschiff, wie er bisher üblich ist – und verbesserungsfähig.Foto: Friedhelm Geinowski

Duisburg/Dortmund. Die Autobahnen sind schon jetzt überlastet, Bahnstrecken auch nicht beliebig vermehrbar, nur die Binnenschifffahrt hat noch Kapazitäten. Und sie bereitet sich vor auf den Verkehrskollaps zu Lande. Beispielsweise durch „Ruhrcargo“, ein leistungsfähiges System für den Containertransport zwischen dem größten Binnenhafen der Welt (Duisburg) und dem größten Kanalhafen Europas (Dortmund).

Würde „Ruhrcargo“ realisiert, dürften sich schifffahrtserfahrene Spaziergänger am Kanalufer wohl erst einmal gründlich die Augen reiben. Herzstück des Systems ist nämlich eine Schubeinheit mit Schubbooten vorne und hinten, während die Erz- und Koksfuhren für Thyssen-Krupp Steel und die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann von nur einem, allerdings PS-strotzenden Rheingiganten geschoben werden.

Doch für den Kanalverkehr zwischen Ruhrgebiet-West und -Ost wurde ein spezieller Schubverband entwickelt mit relativ kleinen Leichtern (Schiffe ohne Antrieb). Sie sind je nach Typ knapp 17 oder 30 Meter lang (zum Vergleich: ein Erzleichter misst 76 Meter), können aber zu Einheiten bis 185 Meter Länge gekoppelt werden. Maximal könnten so bis 160 Container-Einheiten pro Fahrt befördert werden.

Perfekte Manövrierfähigkeit und freie Sicht

Die kleinen Schubboote sorgen für perfekte Manövrierfähigkeit und freie Sicht vom vorderen Schiff auf die Kanalstrecke. Und vor allem im Hafen Duisburg mit seinen fünf Container-Terminals könnte der ankommende Verband getrennt werden und mit je einem Schuber unterschiedliche Ziele anlaufen. Weitere Vorteil von Schubverbänden: Das Schubboot muss nicht warten, bis Leichter be- oder entladen sind, sondern kann sie am Ziel absetzen und die nächste Aufgabe ansteuern.

Erarbeitet wurde das jetzt abgeschlossene Projekt „Ruhrcargo“ im Rahmen des Innovationswettbewerbs Logistik NRW unter breiter Duisburger Beteiligung. Mit im Boot: das Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme in Neudort, die Häfen Duisburg und Dortmund, die Duisburger Reederei H&S Container Line und die Meidericher Schiffswerft. Zwei Schubbooten sollen in der Lage sein, pro Jahr 10.000 Container zwischen Duisburg und Dortmund zu befördern und zusätzlich Transporte zwischen Duisburger Terminals zu leisten. Weitere Anlaufpunkte könnten die Kanalhäfen Essen und Gelsenkirchen sein, wenn in Container-Kräne investiert würde.

"Die Chancen stehen schlecht"

Wie realistisch ist das Vorhaben? Projektleiter Thomas Guesnet vom Neudorfer Entwicklungszentrum ist Realist und verweist auf den nach wie vor billigeren Transport per Lkw: „Unter aktuellen Kostenbedingungen sind die Chancen schlecht.“ Aber dass sich die Bedingungen ändern, sei alles andere als ausgeschlossen.

Der Straßenverkehr bereite schon jetzt gravierende Probleme: Lärm, Staus, CO2-Ausstoß. „Da muss etwas passieren“, sagt Guesnet. Eine „marktseitige Nachfrage“ komme spätestens dann, wenn die Kosten für den Straßentransport weiter steigen oder wenn Frage nach der CO2-Bilanz drängender werde. Oder wenn öffentliches Geld flöße. Guesnet: „Container-Terminals werden gefördert, warum nicht Container-Schiffe?“

Duisburger Süden, Westen und der Hafen

Willi Mohrs



Kommentare
03.09.2012
20:53
Kanal-Shuttle gegen Autobahn-Stau
von duisbruegge | #2

Realisierbar wäre es, wenn sich der Bundesverkehrsminister nicht nur um individuelle Autonummernschilder sondern auch um den Verkehr kümmern würde.

03.09.2012
20:18
Warum nicht auch innerorts?
von westwatch | #1

Eine LKW-Fähre oder ein Containertransport per Binnenschiff zwischen Logport I + II und dem Duisburger Containerrterminal müsste sich doch auch mehrmals am Tag rechnen: so viele LKW, wie zwischen den Häfen pendeln, sollte sich der Betrieb lohnen und insbesondere die Kreuzung am Marientor sollte dadurch spürbar entlastet werden.

Das erfordert wahrscheinlich etwas mehr Planung und dauert vielleicht auch einen halben Tag länger, aber die Duisburger würde es freuen.

1 Antwort
Sicher?
von OmenEstNomen | #1-1

Was kostet eine LKW-Stunde im Einkauf? 55 - 65 Euro etwa. Wie viele Container gehen dort nun hin und her? Ich würde sagen zu wenig.

Aus dem Ressort
Polizei mit Großaufgebot bei MSV-Risikopartien im Einsatz
MSV Duisburg
Bei den brisanten MSV-Heimpartien am Samstag gegen Dynamo Dresden und am Dienstag gegen den 1. FC Köln sind „mehrere hundert“ Ordnungshüter im Einsatz. Für die Begegnungen gilt eine hohe Sicherheitsstufe, da auch Problemfans kommen könnten und Randale befürchtet wird.
Duisburger Weihnachtsmarkt geht wieder in die Verlängerung
Adventszeit
Das Experiment im letzten Jahr ist geglückt, findet das Frische-Kontor als Veranstalter. Deshalb geht der Duisburger Weihnachtsmarkt auch 2014 in die Verlängerung. Bis zum 30. Dezember ist die Budenstadt dann geöffnet, ändern soll sich aber das äußere Erscheinungsbild der einzelnen Verkaufsstände.
200 Karstadt-Mitarbeiter in Duisburg bangen weiter um Jobs
Warenhaus
Die Duisburger Filiale von Karstadt ist nicht von den ersten sechs Warenhaus-Schließungen betroffen. Daher äußert sich der Einzelhandelsverband optimistisch in Sachen Duisburger Karstadthaus. Die rund 200 Mitarbeiter fürchten jedoch trotzdem, bald ihren Job zu verlieren.
Peek & Cloppenburg schließt Outlet in der Duisburger City
Handel
Das Modeunternehmen teilte mit, dass das Haus an der Münzstraße im vergangenen Jahr die Erwartungen nicht erfüllt habe und die Schließung aus unternehmerischer Sicht notwendig sei. Einzelhandelsverband bedauert die Entscheidung, begrüßt aber den Erhalt der Karstadt-Filiale in Duisburg.
Ab Montag rollt der Verkehr auf der Duisburger A 59 wieder
A59-Sperrung
Am Montag rollt der Verkehr nach sechsmonatiger Bauzeit auf der Duisburger Stadtautobahn A 59 wieder in beide Richtungen. Auch die Auffahrt Meiderich/Ruhrort ist dann wieder offen. Dafür ist ab Montag die Anschlussstelle Alt-Hamborn „dicht“.
Fotos und Videos
Ende der Bauarbeiten auf der A59
Bildgalerie
Autobahn 59
Alternatives Wohnprojekt
Bildgalerie
Fotostrecke
Ehrengäste in lockerer Runde
Bildgalerie
NRZ-Sportfete