Loveparade-Tragödie
Rücktrittsforderungen gegen Sauerland immer lauter
28.07.2010 | 19:08 Uhr 2010-07-28T19:08:00+0200
Der Druck auf Duisburgs OB Sauerland und den Sicherheitsdezernenten wächst: Ratsherr Bettermann bezichtigt den OB der der Lüge. Die Linke droht mit einer Initiative zur Abwahl. Die FDP fordert Sauerlands Rücktritt. Die Grünen halten sich zurück.
Die Forderungen nach einem Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland und seinem Sicherheitsdezernenten werden lauter. Ratsherr Peter Bettermann (Bürgerlich-Liberale) bezichtigt ihn nach einem Zeitungsinterview sogar der Lüge: Auf die Frage, warum er die Loveparade unbedingt nach Duisburg holen wollte, habe er gesagt, dass dies nicht sein persönlicher Wunsch gewesen sei, sondern der Rat beschlossen habe, die Loveparade in Duisburg stattfinden zu lassen. Seine Aufgabe sei es gewesen, den Beschluss umzusetzen.
Was der Oberbürgermeister dabei verschwiegen habe: Der Antrag hierzu wurde vom Oberbürgermeister und Duisburg Marketing in den Rat eingebracht mit dem Hinweis, „Duisburg ist eingeladen, sich an der Loveparade im Ruhrgebiet in den Jahren 2007 bis 2011 als Veranstaltungsort zu beteiligen.“ Diese Beschlussvorlage wurde in der Ratssitzung am 11. Juni 2007 behandelt.
Peter Bettermann: „Aus der Begründung geht ebenfalls klar hervor, dass Sauerland um die Ermächtigung gebeten hat, mit dem Veranstalter und seiner Verwaltung alles andere zu organisieren und das Ergebnis, nach Abschluss der Vorbereitungen, lediglich dem Rat mitzuteilen.“
Aufruf zu Bürgeranträgen
Die FDP sieht die Notwendigkeit, dass OB Sauerland die politisch-moralische Verantwortung übernimmt und zurücktritt. Die Ratsfraktion der Linken hat beschlossen, eine Initiative zur Abwahl von Sauerland und Rabe in Gang zu setzen, wenn beide „nicht alsbald von ihren Ämtern zurücktreten.“
Auch eine Leserin ruft dazu auf, Bürgeranträge zu stellen, damit Adolf Sauerland zurücktritt. Die Gemeindeordnung sieht jedoch vor, dass zunächst ein Antrag zur Abwahl von mindestens der Hälfte aller Ratsmitglieder gestellt werden muss. Für einen Beschluss ist dann eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Der Oberbürgermeister hat anschließend die Möglichkeit, die Bürger an die Wahlurnen zu rufen. Für die Abwahl reicht es dann, wenn mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen dafür sind und die Wahlbeteiligung bei mindestens 25 % liegt. Der OB gilt aber auch dann als abgewählt, wenn er binnen einer Woche nach dem Beschluss auf die Entscheidung der Bürger verzichtet.
Die grüne Ratsfraktion sieht das alles noch anders: „Bei all der Verzweiflung und Wut müssen gerade die Mitglieder der Verwaltung, der Parteien und Organisationen einen kühlen Kopf bewahren, um dieses furchtbare Unglück aufzuklären.“ Jetzt Rücktritte zu fordern, ohne die genauen Ursachen zu kennen helfe nicht.

13:48
Aha, nur 240000 Besucher wurden also erwartet!? Dann sind alle, die darüber hinaus gekommen sind also selber schuld? So kann man seine Verantwortung leicht herunterrechnen. Was geht in den Köpfen solcher Leute eigentlich vor? Nicht nur Herr Sauerland sollte gehen, auch der Polizeipräsident, der Veranstalter und der gesamte unfähige Anhang und zwar ohne Abfindungen und Ruhegehälter!
10:54
Seit Freitag wissen wir, dass doch nur ca. 240 000 Besucher erwartet wurden. Da erscheint das Gelände nicht mehr so ungeeignet wie zunächst von vielen geäußert, das Ganze doch irgendwie machbar, und, mal ehrlich, hätte da nicht fast jeder Bürger von seinem OB erwartet, dass er sich dafür einsetzt, diese Veranstaltung nach Duisburg zu holen?
Nach der Katastrophe ist Vieles sicherlich sehr unglücklich angegangen worden, da muss man dem OB auch Vorwürfe machen. Aber Profitgier, Profilierungssucht, oder verantwortungsloses Hinwegsetzen über Sicherheitsbedenken kann ich Herrn Sauerland jetzt nicht mehr vorwerfen.
Die entscheidenden Fehler sind wohl nicht in der Planungsphase, sondern am Tag der Veranstaltung gemacht worden: Mangelnde Kommunikation, zu wenig Ordner, Sperren am Ende der Rampe statt am Tunneleingang usw… Hier ist Aufklärung bis ins Detail notwendig. Es geschieht jetzt ja auch.
11:13
Also wirklich…
Denkt denn niemand von den „Herrschaften“ daran, dass er, wäre er in dieser Situation, garantiert nicht auf seine Bezüge verzichten würde???
Jeder Arbeitgeber, der von sich aus kündigt, verzichtet doch auf jedwedes Anrecht. Das würde sogar eine Sanktion auf Hartz IV zur Folge haben.
Also bitte…
Bleiben wir doch bitte alle auf dem Boden der Tatsachen.
Auch was die Vorwürfe der Verantwortung und Schuld betreffen…
Es steht außer Frage dass unser lieber OB die Verantwortung tragen muss…
Ich schäme mich für unsere Duisburger…
Mein Sohn war ebenfalls mitten im „Getümmel“…
Mein tief empfundenes Mitgefühlt für die Opfer.
08:53
A P P E L L
DUISBURGER, RESPEKT FÜR DIE DEMONSTRATIONEN GEGEN SAUERLAND !!!
WEITER SO. WENN IHR TÄGLICH DRANBLEIBT, BLEIBT DEM OB KEINE WAHL, DER DRUCK WIRD FÜR IHN UNERTRÄGLICH, ER WIRD ZURÜCKTRETEN MÜSSEN, ANSTATT AUF SEINE PENSION ZU GEIERN !!!
DANKE DUISBURGER UND UMLAND!!!
16:37
Wann nimmt der der NRW-Innenminister seine Aufgabe als zuständige Kommunalaufsichtsbehörde wahr und suspendiert OB Sauerland vom Dienst?
Jeder gewöhnliche Beamte wird im Rahmen von seinen Zuständigkeitsbereich betreffenden dienstrechtlichen und/oder staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen für die Zeit der Ermittlungen zum Schutz vor Verdunkelung sowie zum eigenen Schutz vom Dienst suspendiert.
Im Hinblick auf das tragische Geschehen und mit Rücksicht auf die Vielzahl der Opfer ist diese Maßnahme des Innenministers mehr als überfällig, da sich der OB Sauerland für einen Rücktritt offensichtlich zu schade ist.
12:39
Ich habe vorhin an der heutigen Demo zum geforderten Rücktritt des OB, vor dem Rathaus teilgenommen und hatte den Eindruck, dass die Menschen die sich heute dort versammelten, sowohl ihre Trauer als auch ihre Wut zum friedlich Ausdruck brachten. Sie forderten die Stadtspitze auf, moralisch-politische Verantwortung für die vergangenen Ereignisse schussendlich zu übernehmen.
Es hagelte allerdings Proteste und Buhrufe, sobald Redner Partei - Poltik ins Spiel brachten. Die Menschen zeigten, dass sie nichts mehr von der bisherigen Politik hören möchten aber ebenso wenig möchten sie sie totschweigen. Die tragischen Ereignisse auf der Loveparade führte den Menschen offenbar vor Augen, dass sie leichtfertig zum Spielball eitler Strategien und einer gewinnträchtigen Lobby wurden. Sie begreifen die Politik immer weniger als Politk für die Menschen, sondern dass die Menschen dafür herhalten sollen.
Doch auch der Humor der sog. Spaßgesellschaft hat offenbar seine Grenzen. Die politischen Muskelspiele nach dem Motto Geld oder Leben hinter verschlossenen Amtsstuben möchte niemand mehr einfach so hinnehmen.
Ich denke, es wird den Menschen mehr und mehr bewusst, dass sie die Verlierer in diesem gefährlichem Spiel wurden, bzw. sein werden, sofern keine Umkehr erfolgt.
Dieses Signal sollten Politiker sehr ernst nehmen und sich endlich darauf besinnen wofür die Bürger sie einst demokratisch wählten, nämlich für ein lebens- und liebenswertes Land.
12:21
Die ganzen Rücktrittsforderungen sind überflüssig. Laut einem Artikel in der SZ von gestern kann Sauerland gar nicht zurücktreten, weil die Gemeindeordnung dies nicht ermöglicht. Statt dessen müßte er seine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis beantragen. Dies hätte dann allerdings zur Folge, daß er seinen kompletten Anspruch auf Altersversorgung verliert!
Unter diesen Umständen kann ich sein Verhalten sogar nachvollziehen, denn niemand der bei Verstand ist würde freiwillig eine Beamtenpension gegen Hartz4 eintauschen.
12:10
Zur Mitverantwortung der metropoleruhr, wonach Sicherheitsbedenken bereits im Februar 2009 über der Austragung in Duisburg schwebten:
Der mit den Organisatoren geschlossene Vertrag gelte bis 2011 und sehe für die kommenden beiden Jahre die Städte Duisburg und Gelsenkirchen als Austragungsorte vor, sagte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft metropoleruhr GmbH, Hanns-Ludwig Brauser.
Beratungen über Organisation
In dem Gespräch zwischen den Veranstaltern des Massenrave und den Kommunen sollten deshalb nun Wege gefunden werden, wie diese Veranstaltungen organisiert werden können. Am Wochenende waren Zweifel laut geworden, ob Duisburg 2010 die Loveparade beherbergen kann, nachdem die Polizei Sicherheitsbedenken geäußert hatte. Erst Anfang des Jahres hatte Bochum für 2009 die Loveparade abgesagt. Grund war ebenfalls die große Zahl an erwarteten Besuchern.
Risiko nicht größer als bei Bundesligaspielen
Nach Angaben von Brauser ist das Sicherheitsrisiko bei den Veranstaltungen nicht höher als etwa bei Bundesligaspielen. Bei den Gesprächen solle nun geklärt werden, welche Möglichkeiten es zum Beispiel gibt, die Veranstaltung dezentraler zu organisieren und dadurch den Besucherandrang besser zu lenken. Auch der Sprecher der Loveparade, Björn Köllen, bestätigte die Absicht, 2010 in Duisburg und 2011 in Gelsenkirchen die Loveparade zu veranstalten. Derzeit halte man an der aktuellen Planung fest.
http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/region/hierundheute/art1544,478754
12:07
Zu diesem Bericht gibt es leider neben völlig realistischen auch einige unsägliche Kommentare, z.B. #27 - Th. Pollmann ist wohl zu früh von der Sonderschule abgegangen, denn wer einen solchen ebenso lächerlichen wie makabren Vergleich zum Ereignis zieht, hat wirklich den Verstand spätestens jetzt verloren.
12:06
Bereits im Februar 2010 hat der Veranstalter Lopavent von 1. Mio Besucher gesprochen, und dafür gesorgt das nicht das gesamte Güterbahnhofsgelände genutzt wird:
„Allerdings“, schränkt Lopavent-Sprecher Sattler ein, „werden wir nicht die gesamte Fläche benötigen – das wäre ja Wahnsinn.“ Ein Teil des Güterbahnhof-Geländes, das gefährlich nahe zwischen der Autobahn 59 und den Bahnschienen liegt, reiche bereits für Loveparade und mehr als eine Million erhoffte Raver. Derzeit befindet sich Lopavent nach Angaben Sattlers in Verhandlungen mit Aurelis.
http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/region/hierundheute/art1544,827729