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Problemviertel

RTL II soll Jungs aus Hochheide gegen Geld zu "Gangstern" gemacht haben

23.05.2012 | 16:09 Uhr
Einer der weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Ein RTL-II-Bericht stellt das Duisburger Problemviertel mit sozialen Brennpunkten in Berlin gleich. Foto: Ingo Blazejewski

Duisburg.   Ein Bericht des RTL-II-Formats "Investigativ" über Straßengangs, Schießereien und allgegenwärtige Gewalt verunsichert viele Hochheider. Die interviewten Jugendlichen fühlen sich als Gangster falsch dargestellt. Ihr Vorwurf: RTL habe für Übertreibungen 1700 Euro gezahlt.

Seit einigen Wochen herrscht Aufregung in Hochheide, und die Angst geht um. Schuld daran ist ein TV-Beitrag des Privatsenders RTL II, der von kriminellen Gangs berichtet und die Weißen Riesen mit sozialen Brennpunkten in Berlin und Hamburg gleichsetzt. Einige Jugendliche, die bereitwillig Auskunft gaben, sehen ihre Aussagen verfälscht. Vor der Kamera waren sie unbedacht, und die jungen Männer leiden nun darunter, dass man sie für Gangster hält.

„Wir haben unsere Aussagen und unseren Stadtteil gar nicht mehr wiedererkannt“, sagt der 26-jährige Yaşar. Ein Bekannter namens Bülent habe ihn und andere Jugendliche, darunter den 24-jährigen Pascha, angesprochen und für die Reportage rekrutiert. Als Musiker habe man sie angeblich zeigen wollen. „Wir wollten unsere Musik und den Stadtteil präsentieren. Viele nette Sachen, die wir gesagt haben, sind gar nicht gesendet worden.“

Verfälschte Botschaft

Stattdessen aber die Äußerungen von Bülent, verschiedene Gangs hätten sich Hochheide untereinander aufgeteilt, Schießereien und Messerstechereien seien ebenso wie Drogenkriminalität an der Tagesordnung. Nachts könne man sich nicht über den Roten Weg trauen, und selbst Rollstuhlfahrer wären willkommene Diebstahl- und Raubopfer. Sechs Stunden verbrachten die Jugendlichen mit dem Reporter, im Nachhinein wollen sie erfahren haben, dass Bülent rund 1700 Euro dafür bekommen hat, dass er sich als „Pate von Hochheide“ aufspielte, „Märchen“ über Hochheide erzählte und über erfundene Gangs redete.

Es gebe aber keine Gangs, höchstens ein paar Cliquen, die „Mist anstellen“. „Unsere Botschaft war eigentlich, dass sich vieles in Hochheide zum Besseren verändert hat. Mit unseren Liedern wollen wir andere dazu bringen, respektvoll miteinander umzugehen und Jugendlichen sagen, dass sie ehrlich ihr Geld verdienen sollen, anstatt mit Drogen und Verbrechen.“

Polizei: "Die Aussagen waren frei erfunden"

Seit der Ausstrahlung vor einigen Wochen gelten Yaşar und Pascha aber nun als Kriminelle, die Menschen hätten nun Angst, auch vor ihnen. „Meine Großmutter hat die Sendung gesehen und war völlig entsetzt“, sagt Pascha. Hochheide sei sicherlich kein Paradies, an Drogen heranzukommen sei leicht, und nicht jedes Verbrechen werde angezeigt, sagen beide, doch „es ist längst nicht mehr so schlimm wie früher, der Rote Weg ist auch abends und nachts kein Problem mehr und die Leute sind hier alle freundlich.“

Brand in Hochheide

Tatsächlich ist der Rote Weg für viele Hochheider, gerade für ältere Menschen und junge Frauen, auch heute noch ein Angstraum, doch auch die Polizei sagt: „Die Sendung war völlig an den Haaren herbeigezogen, die Aussagen sind frei erfunden.“ Zwar gebe es immer eine Dunkelziffer, doch dass sich darin Bandenkriminalität verberge, sei „undenkbar“. Auch über Gerüchte, wie man sie vor Ort hört, dass die Bandidos in Hochheide ihr Gebiet abstecken, lägen den Ordnungshütern keine Erkenntnisse vor. Allerdings sei diese Gruppierung bekanntermaßen im linksrheinischen Duisburg präsent.

„Es gibt keine Gangs in Hochheide“

„Es gibt keine Gangs in Hochheide“, heißt es auch aus dem Stadtteilförderverein und dem Arbeitskreis Kinder und Jugend. „Da wollte jemand im Fernsehen angeben“, sagt die AK-Vorsitzende Petra Schoenenborn. „Es gibt zwar gefühlte Angst, viel Jugendarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit und die versprochenen Streetworker sind noch nicht da, doch der Ruf des Stadtteils ist viel schlechter als die Realität.“ Er sei keine Hochburg für Handtaschenraub, Schießereien, Vandalismus oder Erpressung und nicht mit den Zuständen in Berlin oder Hamburg vergleichbar. „In den letzten Jahren hat sich hier sehr viel getan“, nicht zuletzt durch viel ehrenamtliches Engagement. „Die Menschen, die hier leben, sind tolle Menschen.“

Duisburgs Stadtteile II

Oliver Kühn

Kommentare
26.05.2012
00:18
"Einige Jugendliche, die bereitwillig Auskunft gaben, sehen ihre Aussagen verfälscht. Vor der Kamera waren sie unbedacht, und die jungen Männer leiden nun darunter, dass man sie für Gangster hält."
von JanundPitt | #40

Erst denken, dann reden und vor der TV-Kamera auf "dicke Hose" machen. Oh Backe, Oma hat das mitgekriegt und jetzt gibt es zu Hause Qualm. Recht so....
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RTL II soll Jungs aus Hochheide gegen Geld zu "Gangstern" gemacht haben
RTL II soll Jungs aus Hochheide gegen Geld zu "Gangstern" gemacht haben
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/rtl-ii-soll-jungs-aus-hochheide-gegen-geld-zu-gangstern-gemacht-haben-id6686889.html
2012-05-23 16:09
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