Das aktuelle Wetter Duisburg 12°C
Bürgerversammlung am Donnerstag

Roma in Duisburg-Hochfeld – Verdrängen oder integrieren?

12.10.2011 | 18:31 Uhr
Roma in Duisburg-Hochfeld – Verdrängen oder integrieren?
Eine Straßenszene in Duisburg Hochfeld

Duisburg/Dortmund. Armutsmigranten aus Südosteuropa will Bildungsdezernent Janssen integrieren. Die Dortmunder Antwort auf das Roma-Problem – Verdrängung – lehnt er ab. Die unter der Zuwanderung leidenden Hochfelder beklagen die Untätigkeit der Politik.

Überbelegte Schrott-Wohnungen , Sperrmüllberge auf dem Rinnstein, verdeckte Prostitution , illegale Tagelöhnerei, gewalttätiges Kräftemessen zwischen neuen und alten Zuwanderern im Rotlichtmilieu und in illegalen Grauzonen, und eine große allgemeine soziale Not der Neuzuwanderer:

Während der massenhafte Zuzug von Menschen aus Südosteuropa, meist Roma-Familien aus Bulgarien und Rumänien, nach Nordrhein-Westfalen zum Beispiel in Dortmund von Stadt und Polizei längst mit personell stark besetzten Sondereinsatzgruppen beantwortet wird, brütet man in Duisburg derweil in Arbeitsgruppen über Handlungskonzepten. Ergebnis unbekannt.

Bis zu 70 Huren am Tag

Am Donnerstagabend um 18 Uhr tritt mit Wilhelm Steitz der Dortmunder Ordnungsdezernent auf einer Bürgerversammlung in der Hochfeld er Pauluskirche auf – bekanntlich ein Stadtteil, in dem das prekäre Zuwandererproblem von allen Beteiligten als besonders große Belastung empfunden wird . „Wenn Dortmund etwas tun konnte und weiter tut“, sagt Jochem Knörzer, vom Hochfelder „Klüngelklub“, jener Bürgerverein, der unter der Überschrift „Respekt Hochfeld“ zur heutigen Debatte in die Kirche einlädt, „dann muss doch die Stadt Duisburg dies ebenfalls leisten können.“

Hochfeld im Brennpunkt

In Dortmund, so sagt Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch, sei gerade die massenhafte Straßen-Prostitution von täglich bis zu 70 Huren, der Müll und die Wohnungsüberbelegung („Ekel-Häuser“) so eklatant geworden, dass die Stadt in diesem Frühjahr ihr Stadtgebiet zum Sperrgebiet für das älteste Gewerbe der Welt erklärt hatte. Der käufliche Sex in „Verrichtungsboxen“ – häufig angeboten von Zuwanderinnen aus Bulgarien und Rumänien – gerade in der nördlichen Innenstadt von Dortmund war somit verboten, die Boxen wurden abgerissen. 45 Beschäftigte aus dem städtischen Ordnungsamt sind in Einsatztrupps nach Worten Skupsch täglich von 6 Uhr in der Früh bis zwei Uhr nachts unterwegs auf Streife – unterstützt von Polizei, die ebenfalls ihren Fokus darauf gerichtet hätte: „Wir haben die Kontrollnorm höher gesetzt.“ Täglich werde belehrt, durchsucht, des Platzes verwiesen, überprüft, werden Autos abgeschleppt und zahllose Anzeigen geschrieben. Der Erfolg vor Ort: Sinkende Kriminalität, kaum noch Prostitution, keine Müllberge, keine „Ekelhäuser“ mehr. das Dortmunder Modell: Verdrängung, wohin auch immer.

In Duisburg warte man seit Monaten darauf, dass sich die Stadt endlich diesem Problem annimmt, klagt Knörzer. Hochfelder Bürger hatten im Sommer einen öffentlichen Hilferuf an die Stadt gesendet: „Das Maß ist voll!“ Knörzer: „Es hat hier sehr lange gedauert, bis die Stadtverwaltung endlich in die Gänge gekommen ist.“

Dortmunder Dezernent diskutiert am Abend mit, Duisburger nicht

Berichtet und diskutiert am Donnerstagabend in Hochfeld: Wilhelm Steitz, der Dortmunder Ordnungsdezernent. Foto: Knut Vahlensieck

Denn: Die problematische, massenhafte Zuwanderung von Armutsmigranten aus Südosteuropa, mit vielen schulpflichtigen Kindern, beobachten alle Verantwortlichen bereits seit Jahren. Von einem tragfähigen Konzept indes, wie man damit fair für alle Seiten umzugehen gedenke, ist nach Worten von Knörzer nichts zu sehen. Darum soll es heute Abend in der Hochfelder Paulus-Kirche gehen.

Dem Dortmunder Ordnungsdezernent wird am Donnerstag auf dem Podium nicht der zuständige Duisburger Bildungs- und Kulturdezernent Karl Janssen gegenüber sitzen, stattdessen kommt der Jugendamtsleiter. „Ich kneife nicht,“ erklärte Janssen gegenüber der NRZ, „aber ich hatte diesen Termin nie bestätigt, ich habe eine andere Verpflichtung.“

Inhaltlich könne er nur sagen, dass er das so genannte Dortmunder Modell der simplen Verdrängung von Herzen ablehne – weswegen der Dortmunder Dezernent auch gar nicht am Donnerstagabend nach Duisburg zu kommen brauche. Die Duisburger Antwort auf das Roma-Problem werde eine Integrationslösung sein, auf die viele andere Städte – auch Dortmund – mit großem Interesse warten würden.

Bundesregierung: Sinti und Roma „gut integriert“

Duisburgs Stadtteile I

Dieses Konzept werde bald durch alle die Ratsgremien laufen und eine „hoch interessante politische Debatte“ in Duisburg auslösen: Wie geht man mit armen Zuwanderern um? Verdrängen oder eingliedern?

Von der Bundesregierung in Berlin haben Problemstädte wie Duisburg indes nichts zu erwarten. In Deutschland sind Sinti und Roma „gut integriert“, so dass eine nationale Strategie für Deutschland „nicht erforderlich erscheine“.

Dies hat die Duisburger Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas (SPD) von der Merkel-Regierung auf Nachfrage mitgeteilt bekommen. Und weiter: Sollte es aber doch vor Ort „zu Schieflagen“ kommen, sei dies dann „grundsätzlich Sache der Länder“. Bas: „Unfassbar, wie die Bundesregierung mit diesem Problemfall umgeht.“

Stefan Endell

Facebook
 
Kommentare
13.10.2011
13:35
Verdrängen oder eingliedern
von westwatch | #24

Wenn der Kontrolldruck steigt und dadurch gesetzlose abwandern, dann kann ich nichts Schlechtes daran finden.

Es wäre wünschenswert, wenn überall da, wo ein paar bekloppte meinen, sie müssten sich nicht an Regeln halten und sie könnten andere Leute straflos terrorisieren, der Kontrolldruck steigt - natürlich unabhängig von der Herkunft.

Das fängt beim verbotswidrigen Parken an und hört bei illegaler Müllentsorgung nicht auf.

Gerade dien Profiteuren von Schwarzarbeit, Prostitution und Überbelegun gehört das Handwerk gelegt.

Die Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien sind in der Regel bestens integriert.

Wenn Roma wegen Rassismus und Armut aus ihren Herkunftsländern fliehen ist die Bundesregierung gefragt, da es sich um ein europäisches Problem handelt.

Wer gibt den Roma eine Chance?
Wer befähigt die Roma Chancen anzunehmen?
Sind wir in der Lage die Probleme zu lösen?

13.10.2011
13:00
Verdrängen oder eingliedern
von keinervondaoben | #23

Angeblich ist eine Abschiebung aufgrund des Freizügigkeitsgesetzes nicht möglich. Was ist dann von diesem Satz zu halten : Noch nicht von der Arbeitnehmerfreizügigkeit erfasst sind hingegen Arbeitnehmer aus Rumänien und aus Bulgarien, denen der Arbeitsmarkt in Deutschland und in Österreich erst 2014 geöffnet wird. Quelle wiki

13.10.2011
12:58
Verdrängen oder eingliedern
von zeisig211 | #22

Fest steht das in den Elfenbeintürmen, welche früher mal Rathäuser hießen, Politik am Willen des Bürgers vorbei gemacht wird. Residenzpflicht für Spitzenbeamte würde da helfen die Scheuklappen abzulegen und die Wirklichkeit endlich mal zu erkennen. Woher soll die Kohle kommen wenn für teuer Geld Persilscheine erworben werden und der Euro fürs Wesentliche fehlt? Herr Jansen kann sich einen Wolf integrieren, es wird nichts außer verbranntem Zaster dabei rauskommen.

13.10.2011
12:56
Verdrängen oder eingliedern
von Deepyello | #21

Da soll Herr Bildungsdezernent Janssen aber mal schön aufpassen, dass er bei seinen Integrationsbemühungen nicht kräftig auf die Nase fällt. Denn das haben schon andere versucht und sind auch gescheitert. Denn wer sich nicht integrieren lassen will, bei dem helfen auch keine Angebote und gute Worte.

13.10.2011
12:43
Verdrängen oder eingliedern
von keinervondaoben | #20

Klare Frage, klare Antwort: Verdrängen !! Egal wohin. Wir sind nicht schuld an den wirtschaftlichen Verhältnissen in R und Bul, wir sind nicht Schuld daran daß Roma in ihren Herkunftsländern nicht willkommen sind, wir sind nicht für Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen etc. in Osteuropa verantwortlich. Aber die Auswirkungen bezahlen, das sollen wir !! Kann doch nicht sein.

13.10.2011
12:00
Verdrängen oder eingliedern
von hamjai | #19

Ist es etwa Verdrängung, wenn man Gästen in diesem Land einmal deutlich macht, was in diesem Land nicht toleriert wird?

Nein das ist keine Verdrängung, sondern, nach neuestem Sprachgebrauch, angeblich Rassismus.

13.10.2011
11:42
Verdrängen oder eingliedern
von Gruenkohl7 | #18

Bevor Herr Dressler das Dortmunder Modell der Verdrängung von Herzen ablehnt, sollte er sich mal darüber im Klaren werden, was das Wort Verdrängung in diesem Fall überhaupt bedeutet. Wenn Ordnungsamt und Polizei nämlich gegen illegalen Straßenstrich, Vandalismus, Schwarzarbeit und Kleinkiminialität vorgehen, so ist das völlig rechtens. Ist es etwa Verdrängung, wenn man Gästen in diesem Land einmal deutlich macht, was in diesem Land nicht toleriert wird?

Wenn dies mit einer Abwanderung der betroffenen Personen verbunden ist, die sich durch unsere Regeln und Normen in ihrem Tun und Lassen gestört fühlen, dann zeigt das ja sehr deutlich, wie integrationswillig diese Menschen sind.

13.10.2011
11:27
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.10.2011
11:21
Roma in Duisburg-Hochfeld – Verdrängen oder integrieren?
von hamjai | #16

Interessant ist auch, dass die jetzigen Zustände, von denen einige überrascht zu sein scheinen, von Stammtischlern und Rechtspopulisten prophezeit wurden.

13.10.2011
11:17
Roma in Duisburg-Hochfeld – Verdrängen oder integrieren?
von hamjai | #15

Wie lange willman sich den Zeit nehmen um diese Leute zu integrieren? Gerade wird ja überall in den Medien 50 Jahre türkische Gastarbeiter gefeiert. Wie super es da mit der Integration geklappt hat sehen wir daran, dass wir immer noch Ministerien und eine ganze Industrie brauchen die sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen. Das mit der Verdrängung aus Dortmund, hört swich an als ob die Roma mit Gewalt vertrieben wurden. Es wurde lediglich der eskalierende Straßenstrich geschlossen und es gab mehr Polizeipräsenz zur Eindämmung der ausufernden Kriminalität. Außerdem sind trotz der Vertreibung noch immer reichlich Roma in Dortmund. Wenn jede Stadt so verfahren würde, wäre es vielleicht möglich diesen Menschen begreiflich zu machen, dass auch sie sich an Regeln zu halten haben wie andere auch.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/5155721/create

Delfinarium schließen?
Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen ( zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des

Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen (zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des "Säugetiergutachtens" eingeladen hatte, war auch die Delfinhaltung ein Streitthema (zum Artikel ). Das Delfinarium Duisburg ist aber ein Publikumsmagnet. Was denken Sie?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Fotos und Videos
Jahreshauptversammlung
Bildgalerie
Fußball
Alle Stationen der 901
Bildgalerie
Duisburg-Mülheim
Bungee-Jumping
Bildgalerie
Abenteuer
Aus dem Ressort
Neues Gewerbe soll sich am Güterbahnhof Hamborn ansiedeln
Wirtschaft
Auf dem 60000 Quadratmeter großen Gelände, das bislang nur zu einem Viertel von Gewerbetreibenden genutzt wird, sollen sich neue Unternehmen ansiedeln.
Lutz Müller managt jetzt auch die Königsgalerie
Einzelhandel
Andreas Theurich ist nicht mehr Center-Manager der Königsgalerie. Dies bestätigte Jörg Banzhaf, zuständiger Geschäftsführer der Corio Deutschland GmbH, auf WAZ-Anfrage. Lutz Müller übernehme neben dem Forum nun auch das Center-Management der Königsgalerie.