Rollstuhlfahrer darf auch mit Gehhilfen nicht in die MSV-Arena

Mit Gehhilfen wäre Patrick Kähler gerne ins Stadion gegangen. Doch er durfte nicht, was auch Edgar Siemkes wütend machte.
Mit Gehhilfen wäre Patrick Kähler gerne ins Stadion gegangen. Doch er durfte nicht, was auch Edgar Siemkes wütend machte.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Dankeschön-Aktion wird zum Fiasko: MSV-Ordner verweigert Rollstuhlfahrer auch mit Gehhilfen den Zutritt ins Stadion. Verein entschuldigt sich.

Duisburg.. Es sollte ein Dankeschön sein – zumindest für einige ehrenamtliche Helfer, die Edgar Siemkes von den „Ruhrpott-Reitern“ bei den regelmäßig stattfindenden ökumenischen Tiergottesdiensten in Neumühl zu Gunsten der Duisburger Kinderkrebsklinik tatkräftig unterstützen. Der 82-jährige Ehrenvorsitzende des Vereins für Freizeitreiter hatte sich deshalb bei der Aktion „Unsere 12 für den 12. Mann“ beworben. Die Sparkasse schickt dabei zwölf zusätzliche Unterstützer zu jedem Heimspiel des MSV Duisburg und will damit den Einsatz von einzelnen Gruppen und Vereinen würdigen. Siemkes hatte sich erst sehr über die Tickets für die Partie gegen Unterhaching am 14. März gefreut – und dann am selben Tag mächtig geärgert.

Denn Patrick Kähler (30), an den er auch eine Karte vergibt, kommt an jenem Samstag nicht ins Stadion. Der spastisch gelähmte Rollstuhlfahrer erzählt, dass er sein Auto auf einem entsprechenden Arena-Parkplatz abstellen wollte. Als er aber einem Mitarbeiter des Ordnungsdienstes seine Karte für die Sparkassen-Tribüne zeigte, habe dieser den Daumen gesenkt. Kähler brauche einen der sehr begrenzten Plätze für Rollstuhlfahrer.

Entschuldigung angenommen

„Ich habe ihm versucht zu erklären, dass ich bei meiner Gruppe bleiben möchte, zumal ich auch Fotos machen sollte, und den Rollstuhl im Auto lasse“, so der 30-Jährige. „Ich hätte ohne Weiteres mit Gehhilfen zu meinem Platz auf der Tribüne gehen können.“ Mehrmals habe er den Mitarbeiter darauf hingewiesen. Dieser sei darauf aber überhaupt nicht eingegangen und habe ihn stattdessen abgewimmelt. Dabei habe er noch vor einigen Jahren die MSV-Arena zu einem Spiel problemlos mit Gehhilfen betreten dürfen. Doch diesmal war nichts zu machen. Völlig bedient sei er dann nach Hause gefahren.

Völlig bedient ist auch Siemkes, der in der Arena vergeblich auf Kähler gewartet hatte und erst abends von dem Vorfall erfuhr. Er schaltet unsere Redaktion ein, die beim MSV nachhakt. „Uns ist davon nichts bekannt“, sagt Pressesprecher Martin Haltermann. „Selbstverständlich ist ein Spielbesuch mit Gehhilfen absolut in Ordnung. Wenn das in diesem Fall schlecht gelaufen ist, können wir uns dafür nur entschuldigen.“

Johannes Hümbs, Sprecher der Sparkasse, sagt: „Solche Vorfälle machen unsere Aktion kaputt. Wir wussten leider nicht, dass ein Rollstuhlfahrer zur Gruppe gehört. Sonst hätten wir uns im Vorfeld gekümmert. Wir werden mit dem MSV besprechen, wie solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können.“

Sparkasse und Verein haben Kähler und eine Begleitperson nun zu einem weiteren MSV-Spiel eingeladen. Kähler hat sich bei allem Ärger darüber gefreut und auch die Entschuldigung angenommen.