Rollende Prinzenheimat

Da steht er also nun in seiner vollen Pracht: Knapp zehn Meter lang, in der Spitze 3,30 Meter hoch und seit Donnerstagabend auch frisch gestrichen – und zwar in den drei Hinguckerfarben Gold-Weiß-Rot. Der neu gebaute und soeben erst fertiggestellte Prinzenwagen macht äußerlich richtig was her. Und gestern Nachmittag wurde das wichtigste Gefährt für den anstehenden Rosenmontagszug von seinem obersten Insassen auch persönlich getauft. Seine Tollität, Karnevalsprinz Thomas I., ließ eine Flasche an der Frontpartie zerschellen. Diese war nicht mit Bier oder gar Champagner gefüllt, sondern narrentypisch mit Konfetti. Prinzenwagen, helau!

Wie viele Arbeitsstunden in dem rollenden Prunkstück stecken, können Christian Mack (38) und Uwe Ceglecki (52) nicht genau beziffern. „Es sind Tausende“, schätzt Ceglecki, der im Vorstand der KG Grün-Rot Neudorf sitzt und seit vielen Jahren zu den eifrigsten Wagenbauern in der Duisburger Karnevalsszene zählt. Aber nicht nur tausende Stunden wurden investiert, sondern auch ebenso viele Euro. Doch das Ergebnis ist nicht nur in Karnevalisten-Augen eine Wucht. Als Prinz Thomas I. den Wagen erblickte, blieb sein Mund vor Staunen offen stehen. Das einzige Wort, das er herausbekam, lautete: „Wahnsinn!“

Hätte er der Wagen in seinem ursprünglichen Zustand gesehen, wäre die Reaktion sicher eine andere gewesen. „Als wir den Wagen bekamen, war er noch mit Müll vollgepackt. Allein die Entsorgung hat Stunden gedauert“, erinnert sich Wagenbauer Mack. Der Sermer ist im Arbeitsalltag als Baggerfahrer aktiv, beim Rosenmontagszug ist er ebenfalls im rollenden Einsatz – als Treckerfahrer des Hauptausschusses Duisburger Karneval (HDK).

Mack war es auch, der beim Wagenbau die Stahlarbeiten übernahm und etwa 150 Meter davon verbaute. Darauf wurden die Spanplatten montiert. Und darüber kam die Kaschierung bestehend aus mehreren Schichten Draht, Papier und Pappmaschee. „Das ist sehr robust geworden“, sagt Ceglecki beim Blick auf die Konstruktion. Und um das Gesagte zu bestätigen, klopft er mit der Faust gegen die weiße Außenwand des Wagens.

Elf Leute haben sich im vergangenen dreiviertel Jahr an Planung und Bau beteiligt. „Ihnen allen möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen“, sagte Prinz Thomas I. bei der Taufzeremonie, die in einer Halle des Reifenhandels Max Geise in Wanheimerort stattfand. Dort findet der neue Prinzenwagen bis zu seinem großen Auftritt am Rosenmontag Unterschlupf. Natürlich ließ es sich der Prinz nicht nehmen, schon einmal die Spitze des Wagens zu erklimmen. Von hier aus wird er seinem Narrenvolk am Montag Kamelle und Schokoriegel entgegenschleudern. Und das aus vollen Händen. Prinzenwagen, helau!