Ritchie Blackmore hat Ausstieg bei Deep Purple nie bereut

Kleiden sich gerne außergewöhnlich: Candice Night und Ritchie Blackmore.
Kleiden sich gerne außergewöhnlich: Candice Night und Ritchie Blackmore.
Foto: Michael Keel
Was wir bereits wissen
Ritchie Blackmore genießt die Freiheit. Mit seiner Frau spielt der weltberühmte Gitarrist mittelalterliche Folkmusik. Am 3. Juli startet die Europatournee in Duisburg im Theater am Marientor.

Duisburg.. Mr. Blackmore, Mrs. Night, Sie besuchen gerne Burgen und Schlösser, wenn Sie auf Tour sind. Was ist das Besondere daran?

Ritchie Blackmore: So hat alles angefangen. Candice und ich waren ja schon zusammen, als ich noch bei Deep Purple war. Wann immer wir in Deutschland tourten, haben wir Schlösser besucht. Dann haben wir uns überlegt, ob es nicht großartig wäre, dort auch zu spielen. Aber dafür war Deep Purple natürlich zu berühmt. Blackmore’s Night ist zwar sehr viel kleiner, aber wir können jetzt dort auftreten. Früher war es ein Hobby, dort zu übernachten, jetzt kenne ich jedes Schloss in Deutschland.

Sie beide wohnen auf Long Island, New York. Würden Sie nicht viel lieber in einem Schloss in Europa wohnen?

Blackmore: Ich habe früher darüber nachgedacht, nach Deutschland zu ziehen. Aber dann habe ich herausgefunden, wie viel Steuern man dort zahlen muss und mich dagegen entschieden. Jetzt ist es allerdings hier ja auch so schlimm, wir zahlen das Gleiche wie in Deutschland.

In anderen Zeitungen ist zu lesen, dass Sie an übernatürliche Kräfte und Geister glauben. Ist das wahr?

Blackmore: Ja, natürlich. Viele Menschen glauben an Geister, haben aber Angst, darüber zu reden, weil andere Leute dann sagen, man sei verrückt. So ist es oft, wenn man über Dinge fernab der Norm redet.

Sie beide sind seit 26 Jahren ein Paar, seit 2008 verheiratet und haben zwei Kinder (3 und 5 Jahre). Kommen sie mit Ihnen auf Tour oder bleiben sie zu Hause?

Candice Night: Sie kommen mit uns. Wann immer sie Mama und Papa spielen und singen sehen, wollen sie auch dabei sein. Sie holen ihre kleinen Trommeln und Tambourines raus, dann musizieren wir mit der Familie. Manchmal laufen sie sogar auf die Bühne. Man könnte ja glauben, die Kinder seien dafür zu nervös wegen der vielen Leute oder der Lautstärke. Bei unseren Kindern ist das anders. Es ist weitaus schwieriger, sie wieder von der Bühne zu kriegen als sie dorthin zu holen. Einmal kamen sie auf die Bühne, wir hatten den Song beendet, wollten uns von ihnen verabschieden und sagen: Danke fürs Kommen. Doch sie sind geblieben, weiter herumgelaufen und haben sich hinter Bandmitgliedern versteckt. Es wurde zu einer Art Zirkus. Wir mussten sie wortwörtlich über die Schultern werfen, um sie von der Bühne zu bekommen.

Blackmore: Da haben einige Leute ihr Geld zurück verlangt.

Candice Night: Nein, die Leute haben sie sogar angefeuert, weil sie viel schneller waren als wir.

Inwiefern lassen Sie sich von Ihren Kindern inspirieren, wenn Sie Lieder schreiben?

Blackmore: Wir haben einige Lieder über sie geschrieben, Candice hat auch eine komplettes Album mit Balladen über sie komponiert. Alles, was wir sehen und berühren, beeinflusst uns.

Sie kombinieren Melodien der Renaissance und aus dem Mittelalter mit europäischer Folkmusik, verpacken aber alles in einem modernen Sounddesign. Wie kommen Sie dazu?

Blackmore: Ich habe schon lange Zeit viel Musik in dieser Richtung gehört. Wir spielen sie jetzt allerdings nicht auf eine traditionelle Art und Weise, sondern interpretieren sie moderner. Einmal hat jemand zu mir gesagt: Ich hasse Mittelalter-Musik, aber ich liebe die Musik, die ihr spielt.


Würden Sie sagen, dass Sie damit ein eigenes Genre geschaffen haben?

Blackmore: Nein, die meiste Inspiration bekomme ich von deutschen Bands, wie Des Geyers Schwarzer Haufen, die ich 1968 erstmals getroffen habe. Sie haben mich enorm beeinflusst, noch immer bin ich mit ihnen befreundet. Sie haben immer mit traditionellen, organischen Instrumenten gespielt. Ich war sehr begeistert, als ich sie zum ersten Mal hörte. Danach wusste ich, dass auch diese Musik machen will.

Mr. Blackmore, Sie haben in zwei sehr einflussreichen Rockbands gespielt, Deep Purple und Rainbow. Verglichen mit Blackmore’s Night, gibt es große Unterschiede beim Publikum?

Blackmore: Wir haben jetzt viele Frauen, die Konzerte besuchen, um auf Candy hochzuschauen. Wenn man Rock ’n Roll spielt, ist das Publikum zu 95 Prozent männlich.

Night: Aber es gibt Männer, die jetzt noch zu unseren Konzerten kommen und Ritchie schon live gesehen haben, als er noch in anderen Bands war. Sie wissen, dass es keine Rolle spielt, ob er auf der Gitarre, Drehleier oder Mandoline spielt, sondern dass es – unabhängig vom Instrument – immer brillant ist. Diese Männer, die Ritchie für so lange Zeit gefolgt sind, sind jetzt verheiratet und haben Frauen, die das Storytelling in den Texten und die Frauenstimme mögen. Sie haben vielleicht auch Kinder, die gerne mitsingen oder sich verkleiden. Es ist also eine sehr familiäre Show, in die jeder eingebunden werden kann. Es ist für jeden etwas dabei.


Gibt es einen speziellen Dress-Code in Ihrer Band?

Blackmore: Ja, man muss eine Baseball-Kappe und ein T-Shirt tragen (lacht). Nein, ich mag die Kleidung, die man im 15. Jahrhundert trug. Glücklicherweise ist das beim Rest der Band auch so.

Night: Es wäre viel zu anonym, sich wie jeder andere zu kleiden. Wenn wir in die Städte kommen, lieben wir es, wenn sich das Publikum so wie die Bandmitglieder kleidet. Manche Leute kommen in glänzenden Ritterüstungen, andere als König und Königin. Manchmal ist es eine große Kostümparty, man weiß nie, was einen erwartet. Jemand – war es Shakespeare? – hat einmal gesagt, die Maske sei nicht dazu da, um etwas zu verstecken, sondern um etwas zu offenbaren. Mit der Maske zeigt man auch seine Persönlichkeit.


Mr. Blackmore, Sie haben Deep Purple 1993 verlassen. Haben Sie diese Entscheidung je bereut?

Blackmore: Nein, überhaupt nicht. Musikalisch betrachtet war die Band sehr gut. Aber ich mochte die Art nicht, wie der Sänger gesungen hat. Das war der Hauptgrund für mich zu gehen, aber nicht der einzige. Der andere Grund war, dass wir so oft auf Tour waren, auch in Afrika, Australien und Südamerika, dass ich es nicht mehr ausgehalten haben, jeden Tag im Flugzeug zu sitzen. Jetzt können wir dort spielen, wo wir wollen, meistens in Deutschland, Tschechien und England. Ich muss jetzt nicht mehr meilenweit immer woanders hin reisen, nur weil irgendein Agent das so will.