Revierpark Mattlerbusch braucht dringend eine Geldspritze

Die Niederrhein-Therme lockt 260.000 Besucher im Jahr nach Hamborn, weitere 55.000 Gäste zählt das Wellenbad. Das Freibad ist zudem das erste, das in Duisburg öffnet: Seit letzter Woche lässt sich auch draußen baden.
Die Niederrhein-Therme lockt 260.000 Besucher im Jahr nach Hamborn, weitere 55.000 Gäste zählt das Wellenbad. Das Freibad ist zudem das erste, das in Duisburg öffnet: Seit letzter Woche lässt sich auch draußen baden.
Foto: Fabian Strauch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Rekordverlust im Revierpark Mattlerbusch: Jetzt müssen Stadt und RVR die Betreibergesellschaft mit 1,2 Millionen Euro vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

Duisburg.. Weniger Badbesucher und sinkende Einnahmen, gleichzeitig steigende Kosten: Der Revierpark Mattlerbusch mit der Niederrhein-Therme steuert auf die Pleite zu. Seit Jahren steht in der Bilanz ein dickes Minus unter dem Strich, in diesem Jahr droht ein Verlust in Rekordhöhe. Jetzt sehen sich die Stadt und Regionalverband Ruhr (RVR) als gemeinsame Träger zu einer Notmaßnahme gezwungen: Mit einer saftigen Geldspritze müssen sie die Betreiber-Gesellschaft vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren.

Den Betreibern der Therme und des Parks kann man jedenfalls keine Verschwendung vorwerfen: Von verschiedenen Seiten beauftragte Gutachter und Wirtschaftsprüfer sehen für dieses Jahr keine relevanten Sparpotenziale mehr. Die Verluste hat der Revierpark die letzten Jahre aus den Rücklagen aufgefangen. Doch bereits im Vorjahr war die Betreiber-GmbH nicht mehr liquide genug, Stadt und RVR mussten mit zusätzlichen 190.000 Euro aushelfen.

Den Revierpark noch übers Jahr retten

Das wird in diesem Jahr nicht mehr reichen: Mehr als 1,2 Millionen Euro Verlust drohen 2015 durch den Betrieb der Therme und des Parks. Neben der halben Million, die Stadt und RVR ohnehin pro Jahr als gemeinsamen Zuschuss leisten, müssen die beiden Träger jetzt weitere 710.000 Euro zuschießen. Ansonsten, so heißt es in einem Papier aus dem Rathaus, würden der Gesellschaft die Mittel zur „Aufrechterhaltung des Betriebes“ fehlen, es droht die „Liquiditätsinsolvenz“. Selbst auf den Zuschuss des kommenden Jahres soll der Revierpark jetzt schon zurückgreifen können, um Zahlungsausfälle zu verhindern.

Zwar muss der Rat der Finanzspritze erst noch zustimmen, der Stadt wird aber ohnehin nichts anderes übrig bleiben. Es geht dabei nicht nur um die Bedeutung des Parks als wichtiger Freizeitstandort oder als überregionale Grünfläche, sondern auch um weitere finanzielle Folgen, wie das von OB und Kämmerer unterzeichnete Ratspapier dezent vermerkt: Läuft der Betrieb nicht mindestens bis zum Jahr 2017, müsste die Stadt Millionen an Landesmitteln zurückzahlen, die Anfang der 1980-er Jahre in den Bau der Therme und des Parks geflossen sind.

Hoffen auf neue Betreibergesellschaft

Ohnehin geht es für die Stadt offenbar nur noch darum, die Betreibergesellschaft irgendwie über das laufende Jahr zu retten. Denn danach hofft man im Rathaus auf die „große Lösung“, die der RVR seit geraumer Zeit vorbereitet: Sämtliche fünf Revier- und zwei Freizeitparks, von denen die meisten unter finanziellen Problemen leiden, sollen unter das Dach einer neuen, zentralen Gesellschaft schlüpfen. Und bei dieser Aussicht lehnt man sich im Rathaus jetzt schon einmal entspannt zurück: „Die notwendigen Grundstrukturen für eine zukünftig hinreichende Liquidität und entsprechende Jahresergebnisse müssen von der neuen Gesellschaft geschaffen werden“, heißt es in dem Ratspapier.

Therme im Teufelskreis - ein Kommentar von Ingo Blazejewski

Die Neustrukturierung der Revierparks ist dringend notwendig, anders kommen sie aus dem Dilemma nicht heraus: Denn eigentlich müsste die Niederrhein-Therme investieren, ihre Attraktivität steigern, zum Beispiel mit dem geplanten Saunadorf. 100 Gäste mehr am Tag, also rund zehn Prozent, fehlen der Therme, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Doch für solche Investitionen fehlt das Geld, der RVR spricht längst von einem „Sanierungsstau“ in seinen Parks. Es ist ein Teufelskreis für die Betreibergesellschaft, aus der sie selbst keinen Ausweg finden wird.

Subventionierung des Revierparks Mattlerbusch ist vergleichsweise niedrig

1,2 Millionen Euro an Zuschuss alleine in diesem Jahr: Das hört sich nach viel an, relativiert sich aber im Vergleich mit der Subvention von anderen öffentlichen Einrichtungen. Die sechs öffentlichen Bäder der Stadt benötigen dieses Jahr einen Zuschuss von stolzen acht Millionen Euro, weil die angestrebten 613.000 Badegäste nur 2,8 Millionen Euro an Eintritten in die Kasse spülen.

Somit wird jeder Besuch in einem städtischen Hallen- oder Freibad mit rund 13 Euro subventioniert. Bei der Oper sind es gar 66 Euro, wie der Steuerzahlerbund jüngst errechnet hatte. Im Revierpark Mattlerbusch — von den vielen Besuchern der kostenlos zu nutzenden Parkanlagen ganz abgesehen — wird jeder Badbesuch in diesem Jahr mit gerade einmal 3,90 Euro subventioniert, vor zwei Jahren waren es sogar nur 1,50 Euro.