Rettete diese Krähe die beiden letzten Duisburger Platanen?

Die beiden rechten Platanen an der Mercatorstraße blieben erst einmal stehen, da Biologen dort ein Nest gefunden haben.
Die beiden rechten Platanen an der Mercatorstraße blieben erst einmal stehen, da Biologen dort ein Nest gefunden haben.
Foto: Stephan Eickershoff/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Duisburgerin ist überzeugt, dass sie den Vogel, der die Fällung der Platanen an der Mercatorstraße verzögert, schon seit Jahren kennt.

Duisburg.. Dieses Rabenkrähenpaar hat der Stadt ein Ei ins Nest gelegt: Weil die Vögel in den Zweigen einer Platane auf der Mercatorstraße nisten, konnten noch nicht alle Bäume gefällt werden. Silvia Schäfer ist sich sicher, dass sie eine Hälfte des Pärchens kennt: „Das ist Murphy.“ Seit mehr als einem Jahrzehnt füttert sie ihn mit „Frolic“ durch.

2001 sei sie dem Tier zum ersten Mal im Kantpark begegnet. Sie war mit ihrem Hund unterwegs, und „weil man dabei sonst nichts zu tun hat“, beobachtete sie eine Zeit lang die Rabenkrähe. Sie bot ihr Hundefutter an, doch der Vogel flatterte davon. So habe sich das mehr als ein halbes Jahr lang immer wieder zugetragen. Bis das Tier anbiss und sich das Leckerchen schnappte, das knapp zwei Meter von Schäfer entfernt auf dem Boden lag.

Duisburgerin will die Rabenkrähe genau erkannt haben

Damit war das Eis gebrochen. „Als er kam, dachte ich: Jetzt braucht das Tier einen Namen.“ Warum sie „Murphy“ wählte, weiß sie gar nicht mehr. Aber so heißt die Rabenkrähe jetzt nun mal. Silvia Schäfer erkennt sie seitdem „an der Statur“ wieder, „kaum einer ist so prächtig wie Murphy“. Beim Gang durch den Park oder über die Königstraße begegnet er ihr und schließlich sogar in der Zeitung.


„Ich habe in der WAZ gelesen, dass die Bäume wegen eines Nestes nicht gefällt werden dürfen, dabei habe ich mir noch nichts gedacht. Dann habe ich gelesen, dass es eine Rabenkrähe ist und war stolz auf ihn. Es kann nur er sein“, erzählt Schäfer, denn in dieser Ecke der Stadt gebe es eben nur dieses eine Rabenkrähenpaar.

Gewöhnlich begegnen sich Murphy und Schäfer im Kantpark. „Etwa im Mai stellt er mir meistens die neue Brut vor, bis zu fünf Junge“, sagt die Duisburgerin. „Immer aus sicherer Entfernung, aber die werden dann zutraulicher, nicht nur zu mir, sondern auch zu anderen Menschen.“

Das sagt der Artenschutzexperte

Randolph Kricke kann aus seinem Büro auf Murphys Nest schauen. Er ist der Artenschutzbeauftragte der Stadt, namentlich war ihm der Vogel bisher aber noch nicht bekannt. Ob es immer das eine Tier ist, das Silvia Schäfer begegnet, könne man nur sicher sagen, wenn man es beringt hätte. „Ich habe Schwierigkeiten damit, so ein Tier individuell zu erkennen, denn es bringt kaum Merkmale dafür“, sagt der Biologe.

Ob Silvia Schäfer nun immer diesem einen Vogel begegnet, wird sich also nicht mit Sicherheit sagen lassen. Aber diese eine Rabenkrähe, die da in der Platane sitzt, heißt ab jetzt eben Murphy. Und das ist doch auch schon was.