Rentner klagte, weil er im Bus zweimal den Halt verlor

Mit einem in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Fall hatte es jetzt eine Zivilkammer des Landgerichts Duisburg zu tun. Ein 74-jähriger Rentner klagte gegen die DVG auf Schmerzensgeld, weil er durch die sportliche Fahrweise von Busfahrern innerhalb von fünf Tagen gleich zwei Mal vom Sitz gefallen sei.

Das erste Ereignis hatte sich angeblich am 23. Oktober 2013 zugetragen. Damals sei ein Bus auf dem Weg nach Rheinhausen ruckartig angefahren, so der Kläger. So heftig, dass er von seinem Klappsitz rutschte, den er benutzt hatte, weil er mit einem Rollator unterwegs war.

Fünf Tage später war der Rentner in die City gefahren, um sich bei der DVG darüber zu beschweren. Dort aber sei er nur abgewimmelt worden. Und auf dem Rückweg geschah ihm prompt das selbe noch einmal: Als der Bus in Rheinhausen von der Autobahn abgefahren war, habe der Fahrer in einer Kurve noch Gas gegeben, um die Grün-Phase der Ampel auszunutzen, so der Kläger, der wieder vom Sitz gerutscht war. Diesmal beschritt der Mann den Rechtsweg. In erster Instanz wies das Amtsgericht die Forderungen zurück. In der Berufung vernahm die Zivilkammer mehrere Zeugen und war anschließend davon überzeugt, dass sich zumindest der zweite Sturz tatsächlich zugetragen hatte. Die streitenden Parteien einigten sich auf einen Vergleich: Die DVG zahlt nun freiwillig 200 Euro Schmerzensgeld.

Ähnliche Klagen, so war aus Gerichtskreisen zu hören, sind an sich schon relativ selten. Und die allermeisten Fälle enden mit einer Niederlage des Klägers. Die Obergerichte haben nämlich hohe Hürden errichtet: In der Regel scheitern Fahrgäste, die wegen eines Sturzes klagen, nämlich an der Festhaltepflicht, auf die durch Schilder in jedem Fahrzeug hingewiesen wird. Und danach hat der Fahrgast bekanntlich für die Folgen der Missachtung der Verpflichtung, sich einen festen Halt zu suchen, selbst zu haften.

Im Falle des 74-jährigen Rentners hatte die Sache nur deswegen anders ausgesehen, weil er auf seinem Klappsitz nach Einschätzung der Richter keine Möglichkeit hatte, sich einen zusätzlichen festen Halt zu verschaffen.