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Rechtsanwalt veruntreute Mandantengelder

26.01.2010 | 07:00 Uhr

Ein 58-jähriger Jurist hatte Gelder von Mandanten veruntreut. Inzwischen gab er seine Zulassung freiwillig zurück. Das Amtsgericht gab ihm am Montag eine Bewährungschance.

Auf Rechtsanwälte, die ihre Mandanten betrügen, reagiert die Justiz gemeinhin sehr empfindlich. Dass ein 58-jähriger Juristam Montag vor dem Amtsgericht mit einer 15-monatigen Bewährungsstrafe davon kam, verdankte er vor allem dem Umstand, dass die Taten inzwischen mehr als fünf Jahre zurück lagen.

Die Anklage warf dem damals in Duissern niedergelassenen Anwalt vor, in den Jahren 2002 bis 2004 in vier Fällen Mandantengelder veruntreut zu haben. Woran der Angeklagte sich angeblich kaum erinnerte, hatte er doch im September 2004 einen schweren Motorradunfall gehabt.

Folge des Unfalls: Der Jurist sitzt im Rollstuhl. Dass er kaum noch in der Lage ist sich zu artikulieren, hat allerdings mit Alkohol zu tun. Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine Schädigung des Kleinhirns als Folge der Abhängigkeit. Anhaltspunkte dafür, dass der 58-Jährige bereits zum Zeitpunkt der Taten nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten war, fand der Sachverständige nicht.

Zeugen berichteten denn auch, dass der Angeklagte zielstrebig vorgegangen sei. Einem Kriminalbeamten, den er in einer Familiensache vertrat, hatte der Angeklagte vorgemacht, es könne Monate dauern, bis die per Vergleich ausgehandelten 300 Euro vom Gericht ausgezahlt seien. „Hinterher habe ich erfahren, dass er am nächsten Tag ans Gericht geschrieben hat, und um Überweisung des Geldes auf sein Konto bat.”

Auch einer 47-Jährigen spielte der Jurist übel mit. Auf rund 65 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz aus einem schweren Verkehrsunfall wartet sie bis heute. „Weil ich gerade in Trennung lebte, hat er mir geraten, das Geld auf einem seiner Konten zu lagern.” Als sie es ausgezahlt haben wollte, war die Kanzlei bereits geschlossen.

Die Bewährung trifft den früheren Anwalt wohl weniger hart, als die Strafe, die das Leben für ihn bereit hielt. Seine Zulassung gab er 2005 freiwillig ab. Inzwischen lebt er von 900 Berufsunfähigkeitsrente in einem Wohnheim.

Bodo Malsch

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