Razzien und Anschläge - die blutige Geschichte von Satudarah

Mit Gewalt und Kriminalität habe man nichts am Hut, hieß es bei dieser Pressekonferenz im Juni 2012.
Mit Gewalt und Kriminalität habe man nichts am Hut, hieß es bei dieser Pressekonferenz im Juni 2012.
Foto: Stephan Eickershoff/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Rockerclub „Satudarah MC“ wurde bundesweit verboten. Ein Rückblick auf die kriminelle und blutige Geschichte des Rockerclubs in Duisburg.

Duisburg.. Um 6 Uhr schlugen 1000 Polizisten bei der bundesweiten Razzia gegen den seit Dienstag (24. Februar) verbotenen Rockerclub „Satudarah MC“ zu. Schwerpunkt der Durchsuchungen war Duisburg. Hier wurden sechs Wohnungen und das Vereinsheim der Rocker an der Günterstraße in Rheinhausen durchsucht.

Die Razzia war aber bei weitem nicht die erste gegen den deutschen Ableger der ursprünglich aus der Niederlande stammenden Rockergruppe. Und das, obwohl die Gang erst seit Juni 2012 existiert. Ein Rückblick auf die kriminelle Geschichte des Satudarah MC:

2012 wechselten die Mitglieder des bis dato unabhängigen Clubs „Brotherhood Clowntwon“ zu Satudarah. Und das sehr medienwirksam per Pressekonferenz. Sieben muskulöse und tätowierte Männer standen seinerzeit Rede und Antwort und betonten: Man pflege die Biker-Kultur. Mit Gewalt und Kriminalität habe man nichts am Hut.

Dass die Rocker es damit doch nicht so ernst meinten, zeigte sich recht bald. Schon die Gründung des Satudarah-Chapters in Duisburg wurde in der Rockerszene als Affront gegen die verfeindeten und im Rheinland verbreiteten Hells Angels gewertet. Die Polizei warnte vom ersten Tag an, dass es sich bei den Holland-Rockern nicht um harmlose Motorrad-Fans handelt.

Granatenwurf auf Gebäude in Duisburg

Die Sorgen waren nicht unbegründet. Im August 2012 explodierte neben einem Clubheim der Hells Angels am Borgschenweg in Rumeln-Kaldenhausen eine Granate. Wenige Tage danach wurde eine zweite Handgranate durch das Schaufenster eines Wettbüros an der Kaiserswerther Straße in Wanheim geworfen. Verdächtigt wurden Mitglieder von Satudarah. Und auch die Schüsse, die im August 2012 aus einem fahrenden Auto an der Düsseldorfer Straße abgefeuert wurden, gingen offenbar auf die Fehde zwischen Satudarah und Hells Angels zurück.

In den folgenden Monaten kam es zu Massenschlägereien zwischen den beiden Gruppen sowie Schüssen auf das Satudarah-Vereinsheim im Februar 2013. Die Polizei erhöhte den Druck auf die Rocker. Mehrfach durchsuchten Spezialeinsatzkräfte das Satudarah-Vereinsheim und Wohnungen von Mitgliedern des Rockerclubs. Dabei wurde bei Yildiray K, dem ehemaligen Deutschland-Chef der Rockergang, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr gefunden. Der heute 39-Jährige wurde im Januar 2014 unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt.

Zuvor hatte der Rocker ein umfassendes Geständnis abgelegt und andere Satudarah-Rocker dazu aufgerufen, es ihm gleich zu tun und aus dem Rockerclub auszusteigen. Einige seiner einstigen Weggefährten sahen darin einen Bruch des in Rockerkreisen geltenden Schweigegebots und sprachen Todesdrohungen gegen Yildiray K. alias Ali Osman aus. Osman und seine Familie wurden in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen.

Und auch bei einer Razzia im April 2014 stellte die Polizei unter anderem sechs Schusswaffen und Munition sicher. Seither war es ruhig geworden um die Rockergruppe. Seit gestern ist es bei Satudarah in Deutschland und Duisburg nun endgültig ganz ruhig.