Rathaus-Dompteur schwingt die Peitsche

„Ein Mal der Chef im Rathaus zu sein, fühlt sich toll an, auch wenn ich noch nicht weiß, was ich damit anfange.“ Gut, dass ein Obernarr seine Crew hat, ansonsten hätte man nach dem Bekenntnis von Prinz Thomas I beim traditionellen Rosenmontagsfrühstück im Ratssaal befürchten müssen, dass Tolli nach der Schlüsselübergabe glatt vergisst, den Narrenzug mit seiner Anwesenheit zu krönen. Zuvor hatte der wahre Chef im Ring freudig bekannt, wie schön es doch sei, für einen Tag die Herrschaft im Rathaus abzugeben. Das tat Sören Link allerdings nicht, ohne den Vorteil zu nutzen, dass ein Oberbürgermeisterein Mal im Jahr garantiert kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Zur Unterstützung seiner gereimten Worte griff der von der dreiköpfigen Zebraherde seiner Bürgermeister (Manfred Osenger, Volker Mosblech und Ercan Kocalar) begleitete OB-Dompteur des öfteren zur Peitsche, die er vermutlich auch in manchem alltäglichen Politgeschäft gerne mal zur Beendigung sinnloser Debatten zum Einsatz bringen würde. „Den Weg bestimm am Ende ich, und alle andern fügen sich“, tat Link mit Vers und Maß kund. „Doch bei so manchen Diskussionen, verspür ich fast schon Depressionen. Wenn wir uns nicht verständigen, dann muss ich euch halt bändigen.“ Diese Ansage ging aber weitestgehend ins Leere. All zu viele Ratspolitiker und Verwaltungs bedienstete waren nicht in den Ratssaal gekommen. Und auch die Dezernentenriege glänzte im Großen und Ganzen durch Abwesenheit.

Egal, der OB-Dompteur reimte sich gut aufgelegt durch die aktuelle Tagespolitik, thematisierte die Stadtentwicklung ebenso wie die maroden Brücken und die krude Finanzlage („Wir müssen sparen noch und nöcher, selbst Straßen haben Haushaltslöcher.“) und kritisierte die wahren Verursacher vieler kommunaler Kosten („Weil Bund und Land zwar delegieren, das aber ungern finanzieren, belasten uns die Pflichtaufgaben, bis tief ins Soll der Bankguthaben.“).

Und aus das Wahlvolk bekam sein Fett weg. Jedenfalls in Teilen: „Auch ohne Rechts zu protegieren, könnt’ man als Wähler protestieren. Wer kann nur so verblendet sein und wählt die noch ins Rathaus rein?“

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