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Loveparade-Unglück

Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf

06.09.2010 | 20:35 Uhr
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
Am Montag,den 6.September 2010 fand im Ratssaal im Rathaus von Duisburg eine ausserordentliche Ratssitzung unter der Leitung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland statt. Foto: Friedhelm Geinowskii

Die Anspannung war mit den Händen zu greifen: Erste Sondersitzung des Rates nach der Loveparade-Katastrophe vom 24. Juli. Vor den Türen des Rathauses standen sich Demonstranten feindselig gegenüber. Im Ratsaal fordert eine Ratsmehrheit den Rücktritt des OB.

Die Anspannung war mit den Händen zu greifen: Erste Sondersitzung des Rates nach der Loveparade-Katastrophe vom 24. Juli. Draußen vor den Türen des Rathauses am Burgplatz standen sich vor Beginn der Sitzung kleine Gruppen von Demonstranten feindselig gegenüber. Pro-Sauerland die eine, „Sauerland muss weg“, die anderen.

Genauso war auch die politische Aufteilung drinnen im Saal, wo die Ratsleute über die rechtliche Unzulässigkeit eines Einwohnerantrages (NRZ berichtete) informiert werden sollten.

Wo aber auch die Sprecher der Fraktionen zum ersten Mal auf der politischen Bühne und unter Beobachtung von vielen Medienvertretern ihre Sicht der Dinge und ihre Einschätzungen, aber auch ihre Forderungen nach dem Desaster bei der Loveparade vortragen konnten.

Die SPD legte eine Resolution vor, die nach längerer Debatte mit den Stimmen von SPD, den Linken, der FDP - und somit mit der Mehrheit des Rates - verabschiedet wurde. Ihre Botschaft: Der OB möge noch vor der nächsten Sondersitzung des Rates in der kommenden Woche - jetzt noch freiwillig und ohne Anerkennung einer persönlichen Schuld - von seinem Amt zurücktreten. Er solle die politische Verantwortung für das Loveparade-Desaster übernehmen und nicht darauf warten, wie das formelle Abwahlverfahren in der kommenden Woche ausgehe.

Aufklärung statt
Vorverurteilung

„Aufklärung vor Vorverurteilung“, so lautet die haltung von CDU und den zwei grünen Ratsmitgliedern Kantel und Janicki, die sich dieser Rücktritt-Passage der Resolution nicht anschließen wollten. Die Fraktion der Grünen ist gespalten, auch in dieser Frage, drei von fünf anwesenden Mitgliedern enthielten sich, Kantel und Janicki gaben „ihrem OB“ ihre Stimme.

Zu Beginn der Ratssitzung kam mit Jürgen Hiltwein der Vater eines bei der Massenpanik getöteten Kindes zu Wort. Die Angehörigen, die sich schon zweimal in Duisburg getroffen hatten, haben über ihn dem Rat und dem OB ebenfalls eine Resolution überbracht. Darin wenig Schmeichelhaftes: Es werde Zeit, endlich moralisch Verantwortung zu übernehmen. Nicht die Beschäftigten der Duisburger Verwaltung trügen Schuld, wohl aber die Spitze. Ihre Art mit der Tragödie und auch mit den Angehörigen umzugehen, sei schlimm.

Hiltwein: „Wir fordern den sofortigen Rücktritt von Herrn Sauerland.“ Dieser nahm kommentarlos und grußlos das Schreiben der Eltern entgegen und ging alsdann zur Tagesordnung über.

Zuvor mahnte noch Ratsfrau Barbara Laakmann vergeblich den OB, die Leitung der Sitzung an einen Stellvertreter abzugeben: „Sie sind befangen. Wie wollen Sie eine Debatte leiten, in der es hier um ihre politische Verantwortung geht?“ SPD, Linke und FDP kritisierten in Stellungnahmen dass die Stadtspitze statt offene und ernst gemeinte Worte von Trauer und Gedenken zu finden, mit nutzlosen Gutachten, Rechthabereien und Ausflüchten aufgewartet habe. Das Risiko dieser Party, so Linke-Ratsherr Hermann Dierkes, sei falsch eingeschätzt worden. Diese Tragödie habe eine politische und eine juristische Seite.

„Wir hatten Vertrauen in die Verwaltung, warum hätte der Rat die Notbremse ziehen sollen, es gab keine Hinweise auf Sicherheitsbedenken. Doch der OB wusste mehr. Er war der Herr der Akten“, sagte Wilhelm Bies (FDP). Der Rat, so hielt dem die CDU-Fraktionssprecherin Petra Vogt entgegen, habe die Pflicht, die Aufklärung des Unglücks voranzutreiben, bevor man Schuldzuweisungen an Dritte unternehme, die einer Vorverurteilung gleich kämen.

Stefan Endell

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Kommentare
12.09.2010
14:00
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von Voll daneben | #81

An Faru Janicki & Vogt sowie Herrn Kantel:
Es ging hier niemals um Vorverurteilung sondern nur um Anstand & Moral!
Die betroffenen Personen wissen selbst am besten, was sie alles unternommen haben, wo sie die Wahrheit gebogen haben, nur damit die LP stattfindet und vor allem, wie jämmerlich sie sich nach den insgesamt tragisch verlaufenen Szenen vom Samstag verhalten haben!!!!!
Das reciht für mehr als 100 Rücktritte.....
... und wer juristischin der Schuld steht, der kann gar nicht mehr zrücktreten....: ... der wird zurückgetreten!!!!!
Diesen kleinen Unterschied scheinen die Angeredeten einfach nicht begreifen zu wollen, trotz tlw. Prof.-Titeln bzw. Lehrerinnenausbildung... schlicht und noch einmal: Jämmerlich!!

11.09.2010
22:12
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von Unbegreiflich | #80

Sprupellos und ehrlos....
Aber es geht eben auch hier ausschließlich um Macht und Geld!
Alles andere, Moral - Anstand - Ehrlichkeit ... kommt nur in den sog. Sonntagsreden vor... die Politiker/Innenelite von heute können die Begriffe wahrscheinlich schon gar nicht mehr umschreiben...
Leider gibt es zu viele hochgelobte aber verurteilete wie von Lambsdorff und Co. ....

09.09.2010
15:47
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von elisabeth | #79

an 59
Man braucht dem OB kein dickes Fell wünschen.
Das hat er zur Genüge.
Es ist abstoßend, wie kaltblütig er über 21 Tote
hinwegsieht.
Und er soll Duisburg, unsere Stadt repräsentieren.
Oh wei, das tut weh

09.09.2010
15:44
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von elisabeth | #78

an 11 12
Mehr Demokratie e. V.
Wissen zum Einwohnerantrag
Kenner am Werk

08.09.2010
20:25
Blockierter Kommentar.
von anni2010 | #77

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.09.2010
13:44
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von buerger | #76

Trifft es zu, dass in der ratssitzung zum Thema Loveparade Ratsherr Dieter Kleinborgardt ein Schnitzel gegessen und anschließend die (Bild-)Zeitung gelesen hat?

Zudem, ob Ratsherren in der Pause in der cafeteria ein Bier getrunken haben.

Wenn das wäre, hielte ich das bezogen auf die Themenerörterung Loveparade und den anwesenden Verwandten einer Getöteten für einen unverzeihlichen Verhaltensfehler, oder?

08.09.2010
11:59
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von Windold | #75

Wir, Duisburger, werden OB Sauerland nochmal am Weihnachtsmark 2010 treffen müssen!! ;-(

Viellecht ist es nicht schlecht, dass Herr Saeurland nicht sofort zurückgetreten war und immer noch nicht zurückgetreten ist!? Denn man kann dadurch feststellen wie schlecht er wirklich ist! Und seine Anhänger auch!

Ich bin gespannt wie Frau Kraft eine effektive Aufklärung als Ministerpräsident beitragen kann!
Es ist nicht einfach, denn hinter Sauerland gibt es bestimmt noch viele Machtleute, die ihn noch unterstützen wollen!

Es wird dauert, dauert und dauert bis die Wahrheit hinter den Horizon wie die Sonne...sinkt!

08.09.2010
08:20
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von Volks Zorn | #74

Am Sonntag gibt es im Landschaftspark Nord, Kraftzentrale die Sinfonie der 1000, ein Ruhr2010 Highlight, Gustav Mahlers 8. Sinfonie.

Es kommen Sauerland (!), Bundespräs. Wulff, der sein Kommen erst deswegen abgesagt hatte, Ministerpräs. Kraft, VIPs ohne Ende u.a. Politiker.

Die Gelegenheit! Leute geht dahin!!!

Pleitgen hatte die Hinterbliebenen als Ehrengäste eingeladen!

Diese sollen sich folgendes anhören:

„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis; Das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis; Das Unbeschreibliche, hier ist´s getan.“

Das muss man allen dort entgegen bruellen!

Seien Sie ab 17 Uhr dort, wenn möglich!

08.09.2010
08:18
Blockierter Kommentar.
von anni2010 | #73

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.09.2010
07:01
Rat fordert Sauerland zum Rücktritt auf
von Stefano | #72

#59 von Hansus
Hätte er diese Veranstaltung nicht genehmigt,und sie wäre glatt über die Bühne gegangen,er wäre in der Luft zerrissen worden.

Erst Kopf einschalten, dann schreiben ...

Zitat: Übernähme er jetzt die politische Verantwortung,wären die,oder der,wirklich Verantwortliche aus dem Schneider.

Und die wirklich Verantwortlichen sind dann ??? - Bitte klären Sie uns auf.

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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