Randale und Hooligan-Angriff nach Spiel zwischen MSV und St. Pauli

Die Polizei ging vor dem Duisburger Hauptbahnhof mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen randalierende MSV-Anhänger vor.   Kurz darauf eilten Polizisten zum Djäzz: Polizeibekannte Hooligans wollten das Lokal stürmen. Archivbild: dapd
Die Polizei ging vor dem Duisburger Hauptbahnhof mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen randalierende MSV-Anhänger vor. Kurz darauf eilten Polizisten zum Djäzz: Polizeibekannte Hooligans wollten das Lokal stürmen. Archivbild: dapd
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Nach dem Zweitligaspiel zwischen dem MSV und St. Pauli kam es zu Ausschreitungen im Hauptbahnhof und vor dem Club Djäzz. Der Angriff einer Hooligan-Horde dort ist auch politisch brisant: Die „Division Duisburg“ zieht Neonazis an. Die Schläger hatten es auf linke St. Paulianer abgesehen.

Duisburg.. Das Verhältnis zwischen den Anhängern des MSV Duisburg und denen des FC St. Pauli gilt eigentlich nicht als belastet. Im Gegenteil: Nach dem Zweitliga-Spiel der beiden Traditionsvereine am Freitagabend in Duisburg (0:1) feierten einige Anhänger der Zebras und des Hamburger Kultclubs gemeinsam im Lokal Djäzz. Dennoch mussten Polizei und Bundespolizei nach der Partie in der Duisburger Innenstadt zweimal massiv eingreifen, um gewalttätige Randalierer zu bremsen – einmal sogar vor dem Kellerclub an der Börsenstraße. Die Übergriffe dort haben offenbar einen politischen Hintergrund. Aber der Reihe nach:

Auf Nachfrage bestätigten szenekundige Beamten der Bundespolizei einen Einsatz im Duisburger Hauptbahnhof. Dort hatten sich am Freitagabend gegen 20 Uhr Anhänger aus Duisburg versammelt, um die Pauli-Fans zu empfangen: Die fuhren mit der Bahn vom Stadion zum Hauptbahnhof, mussten dort in den Zug nach Hamburg umsteigen. Was dann passierte, berichtet Bundespolizeisprecher Armin Rogon so: „In der Bahnhofshalle kam es zu Frotzeleien und Fanvermischungen.“ Verletzt wurde bei der Schlägerei offenbar niemand.

Polizisten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein

Um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern, trennten Beamte die Randalierer mit einer Polizeikette. Die St. Paulianer hätten „danach ungefährdet abfahren können“, sagt Rogon. Und verweist auf die Polizei Duisburg: Denn deren Einsatzkräfte gingen auf den Bahnhofsvorplätzen, die nicht im Hoheitsgebiet der Bundespolizei liegen, gegen die Duisburger Randalierer vor.

Nach Augenzeugenberichten setzten Polizisten in voller Montur am Ostausgang Schlagstöcke und Pfefferspray gegen MSV-Anhänger ein. Details zum Einsatz gab die Polizei am Montag nicht bekannt. Sie meldete stattdessen einen Einsatz wenige Minuten später ganz in der Nähe: vor dem Kulturclub Djäzz im Dellviertel.

Dort prügelten sich nach Angaben der Polizei „etwa 20 vermeintliche MSV-Anhänger mit Türstehern und drei Gästen. Die Horde hatte offenbar versucht, in das Lokal zu gelangen, weil dort auch St. Pauli-Fans feierten.“ Polizeisprecher Ramon van der Maat bestätigte, dass die Gewalt von polizeibekannten Duisburger Hooligans ausging. Damit erhält die vermeintliche Gewalt unter Fußball-Anhängern auch eine politische Brisanz: Denn die Hooligan-„Division Duisburg“ zieht gewaltbereite Neonazis an. Die dürften es auf die linken Alternativen des Hamburger Kiezclubs abgesehen haben.

Organisierte Neonazis mit Kontakten zur Dortmunder Szene?

Sie verletzten letztlich aber offenbar Unbeteiligte: Die Polizei meldet drei Leichtverletzte. Zwei der Angreifer, ein 25- und ein 28-jähriger Duisburger, wurden wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung festgenommen. Eine Zeugin hatte die Polizei verständigt, die mit fünf Streifenwagen anrückte. Was die Pressestelle der Polizei am Montag nicht mehr bestätigen konnte: Die Türsteher und der Inhaber des Kulturclubs Djäzz mussten offenbar länger auf Hilfe warten, weil die Beamten noch im Einsatz waren: gegen MSV-Randalierer vor dem Hauptbahnhof.

Erst Ende Dezember 2011 hatte die Polizei Berichte einer Antifa-Gruppe bestritten, wonach es in Duisburg eine organisierte rechte Szene mit Kontakten zu Dortmunder Neonazis gebe.

Kurz zuvor standen damals Duisburger Hooligans einer anderen Vereinigung im Fokus der Öffentlichkeit: Aus dem Block der alteingesessenen Schläger wurden beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf Raketen in den Gästeblock abgefeuert.