Ramadan und Erntedank
03.10.2008 | 19:40 Uhr 2008-10-03T19:40:31+0200Imam Yusuf Uca zieht Parallelen zum Christentum. Er predigte auf Deutsch.Der Weg zum Gotteshaus führt über einen Hinterhof
TAG DER OFFENEN MOSCHEE BESUCH IN HOCHFELD Dauerdiskussionen über Islamismus, Kopftuchverbote oder Integrationsprobleme: Gerade in einer Stadt wie Duisburg ist der Islam in den letzten Jahren zu einem heiß diskutiertem Thema geworden. Doch in die Debatte mischt sich viel Halbwissen und sicher noch mehr Vorurteile. Für den Koordinationsrat der Muslime Grund genug, seit mittlerweile zwölf Jahren den Tag der offenen Moschee zu veranstalten.
Moschee, das ist doch dieses Ding mit Minarett und Kuppel, von wo der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft, oder? Ja, das eine Moschee. Doch die meisten islamischen Gotteshäuser befinden sich zurückhaltend in Hinterhöfen. Von Minarett und Muezzin ist da weit und breit nichts zu sehen. Auch wenn sich die Gotteshäuser äußerlich unterscheiden, eins haben sie alle gemeinsam: Der wichtigste Mann ist stets der Imam.
In der Hochfelder Osmanli- Moschee ist das Yusuf Uca. Der Tag der offenen Moschee fiel in diesem Jahr auf einen Freitag, der Tag also, an dem muslimischen Männer zum Freitagsgebet in den kleinen Hinterhof pilgern. Frauen dürfen dazustoßen, sind aber nicht zum Gebet verpflichtet.
Als gebürtiger Nürnberger weiß der 34-jährige Imam um die Parallelen von Christentum und Islam. "In der Moschee gibt es eine strikte Trennung der Geschlechter. Die Frauen oben, die Männer unten", erklärt Uca lächelnd. "In einer fränkischen Kirche ist das nicht anderes. Die Frauen links, die Männer rechts."
Während die Gläubigen in der katholischen Kirche zum "Vater unser" stehen und zu verschiedenen Handlungen wie auf Kommando hin knien und beten, ist das ganze im Islam ein wenig komplizierter. "Das Freitagsgebet besteht aus 16 Teilen, davon sind 10 das normale Mittagsgebet, 6 sind extra für den Freitag vorgesehen", sagt Yusuf Uca.
Für den Freitag hat der Imam auch immer ein spezielles Gebet vorbereitet, was sich auf die Geschehnisse der vergangen und nächsten Woche bezieht. "In der letzten Woche ist das Ramadanfest zu Ende gegangen, das ist natürlich ein großes Thema. Außerdem wird aber auch über den Tag der Deutschen Einheit und über das Erntedankfest gesprochen. Schließlich leben wir in Deutschland und wollen uns integrieren, da muss man auch über die christlichen Feiertage Bescheid wissen", findet der Imam. Daher wird auch auf Deutsch gebetet.
Den Feiertag nutzten gestern auch weit über 1000 Gläubige, um sich zum Freitagsgebet in der neuen Merkez Moschee zu versammeln. Erst seit einer Woche ist der gigantische Neubau in Marxloh in Betrieb und wird am 26. Oktober feierlich eröffnet.

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