Räuber hatten es auf Drogen abgesehen

Raubüberfälle sind im Drogenmilieu nichts Ungewöhnliches. Immer wieder werden vor Gericht auch Fälle verhandelt, in denen Süchtige andere Süchtige oder Kleindealer überfallen und bei dieser Gelegenheit nicht nur Rauschgift mitgehen lassen, sondern gleich auch noch alles aus der Wohnung mitnehmen, was sich leicht transportieren und zu Geld machen lässt. So war das wohl auch in dem Fall, mit dem sich seit gestern das Landgericht befassen muss. Zwei jungen Meiderichern wird vorgeworfen, einen Hamborner beraubt zu haben. Bemerkenswert daran ist, dass die Angeklagten die Tat gestehen, während der Geschädigte beteuert, es sei überhaupt nicht um Drogen gegangen.

Die Anklage lautet auf schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. In der Nacht zum 15. November 2014 kamen die beiden Angeklagten gemeinsam mit einem bereits zu zwei Jahren Jugendhaft verurteilten Komplizen auf die Idee, den 23-jährigen Geschädigten zu besuchen, um ihn zur Herausgabe von Drogen zu zwingen.

Zu diesem Zwecke schlug man dem überraschten Mann mehrfach den Griff einer Schreckschusswaffe auf den Kopf. Auch ein Gast des 23-Jährigen wurde geschlagen. Am Ende erbeutete das Trio zwei Handys, eine Playstation, eine Geldbörse mit 100 Euro und EC-Karte. Im Kühlschrank fanden die Täter 20 Gramm Amphetamin, in einer Blechbox unter dem Wohnzimmertisch 20 Päckchen Marihuana.

Das alles gaben die Angeklagten zu, nachdem ihnen das Gericht im Rahmen einer Verständigung für den Fall eines Geständnisses Strafen zwischen vier und höchstens sechs Jahre drei Monate zusicherte.

Der 23-jährige Geschädigte berichtete im Zeugenstand zwar, dass er brutal zusammengeschlagen worden sei. Den eigentlichen Sinn des Überfalls will er aber nicht verstanden haben. „Nö, die haben nicht nach Drogen gefragt“, so seine Aussage. Und: „Nein, ich hatte auch keine Drogen im Haus.“ Dabei hatte ihn der Vorsitzende zuvor ausdrücklich belehrt, dass er Fragen, mit deren wahrheitsgemäßer Beantwortung er sich selbst belaste, nicht beantworten müsse, Lügen aber strafbar seien.

Für das Verfahren sind bis zum 23. Juni zwei weitere Prozesstage geplant.