„Radschnellwege können das Pendlerpotenzial deutlich steigern“

Franz Linder, Inhaber eines Kölner Planungsbüros und einer Agentur für Kommunikation und Mobilität in Köln gilt als „kreativer Vordenker“ der AGFS. „Städte brauchen eine strategische Verkehrsplanung und eine Vision von urbaner Mobilität“, sagt er. Eine großes Steigerungspotenzial bei der Bewältigung der Wege innerhalb der Stadt habe dabei Fuß- und Radverkehr“, glaubt der überzeugte Fußgänger.

Obwohl junge Erwachsene weniger Pkw fahren, werde der Höhepunkt der Automotorisierung erst in der Mitte der 2020er Jahre erreicht, erklärte Linder auf dem Duisburger AGFS-Forum. „Der Lieferverkehr in den Städten wird weiter wachsen, Logistik ist ein Riesenthema. Nicht erstaunlich, wenn wir alle mehr Waren im Internet bestellen.“ Allerdings: Auch dabei könnte das Rad eine größere Rolle spielen. Linder verweist außerdem auf die enormen Zuwächse bei E-Bikes und Pedelecs. Im Vergleich zu den Zuwächsen bei den Verkaufszahlen der Fahrräder mit „eingebautem Rückenwind“ nehme sich die Steigerung bei E-Autos und Car-Sharing geradezu „homöopatisch“ aus.

Die Mobilität der Zukunft beschreibt Linder als „intermodal“: Mit Rad, zu Fuß, mit Bus und S-Bahn zum Arbeitsplatz und zurück. Schon heute sind 44 Prozent der Menschen so unterwegs, 40 % nutzen den Pkw. Linder: „Radschnellwege könnten dieses Pendlerpotenzial deutlich steigern.“

Umgestaltung stößt auf Widerstand

Bewegung für die Gesundheit sei zudem ein „Megatrend“ in einer zunehmend urbanisierten, alternden und „sitzenden“ Gesellschaft: „Dreißig Minuten Bewegung an fünf Tagen der Woche schieben den Alterungsprozess um 10 bis 15 Jahre hinaus.“ Die Stadt der Zukunft ist für den Kölner „keine Autostadt, sondern eine gesunde Stadt“. Der Versuch, Infrastruktur umzugestalten, stoße aber allzu oft auf den Widerstand der Bürger: Die freut eine Umgestaltung ihrer Straße nur, wenn Parkplätze nicht angetastet werden. Die ärgert zunehmender Lieferverkehr, obwohl sie selbst eifrig im Internet bestellen. „Der Verbraucher ist hybrid“, beschreibt das der Planer. Für Franz Linder kein Grund zur Resignation: „Es muss in kleinen Schritten vorangehen. Auf große Lösungen können wir nicht warten.“