Prozess um Metallhütte MHD beginnt
30.08.2010 | 21:18 Uhr 2010-08-30T21:18:00+0200
Duisburg.Fünf Jahre nach der Pleite der Sudamin-Metallhütte Duisburg (MHD) beginnt am Mittwoch der Prozess gegen vier ehemalige leitende Mitarbeiter. Angeklagt werden sie vor dem Landgericht Duisburg wegen Betrug und Insolvenzverschleppung in Millionenhöhe.
Betrug und Insolvenzverschleppung, jeweils mit Schäden in Millionenhöhe, wirft die Staatsanwaltschaft vier früheren leitenden Mitarbeitern der Sudamin-Metallhütte Duisburg (MHD) vor. Am Mittwoch, 1. September, beginnt vor der vierten großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg der Prozess gegen sie.
Die Pleite des 1905 gegründeten Wanheimer Traditionsunternehmens hatte zunächst durch einen Umweltskandal Schlagzeilen gemacht. Denn die giftigen Hinterlassenschaften der Zinkhütte mussten auf Kosten des Steuerzahlers beseitigt werden. Mehr als 50 Mio Euro haben Sanierung sowie die Anlage des heutigen Angerparks auf der ehemaligen MHD-Deponie gekostet.
Aber während der Umweltskandal von der Duisburger Staatsanwaltschaft juristisch noch nicht vollends aufgearbeitet ist, hat die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Düsseldorf ihre Hausaufgaben gemacht. Vor einem Jahr wurde nach vierjährigen Ermittlungen Anklage erhoben.
Verluste in zweistelliger Millionenhöhe schon in den 90er Jahren
Spätestens im Oktober 2004, ist der Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Peter Schwarzwald überzeugt, war die Hütte zahlungsunfähig. Insolvenzantrag wurde freilich erst ein halbes Jahr später, im Mai 2005, gestellt. Bis dahin, so die Ermittlungen, seien noch munter Waren und Dienste im Wert von rund acht Mio Euro bestellt worden. Schaden: rund sechs Mio Euro. Dafür müssen sich ab Mittwoch die beiden letzten Geschäftsführer von MHD, Dr. Henning Scheu und Dr. Bruno Schwab, verantworten.
Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters, des Ruhrorter Rechtsanwalts Dirk Hammes, war MHD schon seit Mitte der 90er Jahre in prekärer Lage, hatte man doch jährlich, von zwei Jahren abgesehen, Verluste in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren. Dabei hatte Sudamin 2002, bei Übernahme der Hütte, vom Vorbesitzer, dem australischen MIM-Konzern, noch eine Mitgift von 35,5 Mio Euro für dringend nötige Sanierungen bekommen. Jahrelang hatte es die Geschäftsleitung verstanden, kostenträchtige behördliche Umweltauflagen juristisch anzufechten. „Das Geld ist im laufenden Betrieb verschlungen worden“, äußerte Oberstaatsanwalt Schwarzwald im vorigen Jahr. Dazu Insolvenzverwalter Hammes gestern: „Es sprechen starke Indizien dafür, dass das Unternehmen weit vor Oktober 2004 insolvenzreif war.“ Er hatte die Ermittlungen mit einer Strafanzeige ins Rollen gebracht.
Briefkastenfirma in Essen mit Investor auf den Bermudas
Noch im Juni 2004 hatte der damalige Geschäftsführer Dr. Michael Neuenburg von der Commerzbank einen Kredit über zehn Mio Euro bewilligt bekommen. Laut Staatsanwaltschaft hat Neuenburg der Bank für das erste Quartal 2004 eine „schwarze Null“ in Aussicht gestellt. Tatsächlich habe es die üblichen hohen Verluste gegeben. Günter M., dem Leiter der Buchhaltung, wirft die Staatsanwaltschaft vor, die Monatsabschlüsse entsprechend gefälscht zu haben. 8,9 Mio Euro hatte die Commerzbank daraufhin ausgeliehen.
Die Besitzverhältnisse an der Hütte waren undurchsichtig. Schon Hammes hatte beklagt, es habe eine Briefkastenfirma in Essen, eine Geschäftsführerin auf Zypern und einen Investor auf den Bermudas gegeben.

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