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Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013

14.01.2012 | 07:02 Uhr
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
22 Menschen fanden beim und als Folge des Duisburger Loveparade-Dramas den Tod. 3370 Zeugen haben die Polizei und die mit den Ermittlungen betrauten vier Staatsanwälte inzwischen vernommen.Foto: dapd

Duisburg.   Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg dauern an. Doch selbst nach der Anklageerhebung wird ein möglicher Strafprozess eine sehr lange Vorlaufzeit benötigen.

Seit der Katastrophe der Loveparade stehen die Ermittler der Staatsanwaltschaft Duisburg im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Nach wie vor gibt es auf die Frage, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, keine konkrete Antwort. Aber so viel steht fest: Auch nach dem Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung wird bis zum Beginn einer Hauptverhandlung viel Wasser den Rhein herunterfließen. Ein Prozess würde frühestens 2013 beginnen.

„Wir geben nach wie vor keine Prognose ab, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden“, ist so ziemlich alles, was Rolf Haferkamp, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zu diesem Thema gebetsmühlenartig wiederholt. Dass ein Gerichtsverfahren aber auch nach Erhebung der Anklage „viel Vorlauf“ brauchen wird, weiß der erfahrene Ankläger.

Das liegt schlicht am Umfang der Sache: 3370 Zeugen haben die Polizei und die mit den Ermittlungen betrauten vier Staatsanwälte inzwischen vernommen. Die Akten füllen viele Meter Regal: Knapp 300 Ordner dokumentieren die Ermittlungen und die zusammengetragenen Beweismittel. Die Staatsanwaltschaft wartet derzeit vor allem noch auf ein Gutachten des britischen Experten Keith Still , der bereits im Frühjahr 2011 damit beauftragt wurde, die „Ursache der Massenverdichtung“ am 24. Juli 2010 wissenschaftlich zu analysieren.

Mindestens ein Jahr Vorlaufzeit

Für den Fall, dass die Ermittlungen, wie auf den Gerichtsfluren erwartet wird, in diesem Sommer abgeschlossen werden, rechnet kein Jurist ernsthaft damit, dass das Verfahren noch in diesem Jahr beginnen könne. Erfahrene Strafrechtler gehen von mindestens einem Jahr Vorlaufzeit aus. Denn die Anklage muss im sogenannten Zwischenverfahren erst von den Richtern zugelassen werden: Das heißt, es muss geprüft werden, ob die Vorwürfe „hinreichend begründet“ sind, wie es im Juristendeutsch heißt. Dazu müssen die Berge von Akten von den zuständigen Richtern erst einmal gesichtet werden.

Die zentralen Akteure der Loveparade

Theoretisch könnte ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung auch vor dem Amtsgericht eröffnet werden. Die Strafgewalt des Einzelrichters, der bis zwei und in Ausnahmefällen auch bis vier Jahre ausurteilen kann, reicht bei fahrlässig verursachten Todesfällen normalerweise aus. Wegen der besonderen Bedeutung des Verfahrens geht man beim Landgericht allerdings davon aus, dass der Prozess bei einer großen Strafkammer eröffnet wird.

Für Bernhard Kuchler, Sprecher des Landgerichts, sind die möglichen Probleme, die damit auf das Landgericht am König-Heinrich-Platz zukommen, allerdings derzeit noch „Kaffeesatzleserei“. Bislang gebe es ja schließlich noch keine Anklage, so Kuchler. Und es bleibe abzuwarten, ob und gegen wie viele der derzeit 17 Beschuldigten am Ende tatsächlich ein Hauptverfahren eingeleitet werde.

Die Räumlichkeiten würden nicht ausreichen

Sollte allerdings tatsächlich gegen alle 17 Personen - die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen elf städtische Bedienstete, fünf Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und einen leitenden Polizisten - Anklage erhoben werden, wird die Justiz gleich mehrere Probleme bekommen. Denn ein Fall, bei dem 17 Angeklagte von mindestens ebenso vielen, vermutlich aber deutlich mehr Rechtsanwälten verteidigt werden, wäre nicht eben gerade einfach zu terminieren. Einen Sack Flöhe zu hüten, dürfte tatsächlich einfacher sein.

Video
Vor einem Jahr ereignete sich in Duisburg die Loveparade Tragödie. 7000 Menschen kamen in das Stadion des MSV zu einer bewegenden Gedenkfeier der Toten und Verletzten.

Und auch geeignete Räumlichkeiten fehlen. Angesichts der möglichen Vielzahl Beteiligter und des zu erwartenden medialen und öffentlichen Interesses, scheint der größte Saal des Landgerichts, der Schwurgerichtssaal, kaum ausreichend. Möglicherweise wäre das Gericht gezwungen, das Verfahren in größere Räumlichkeiten, beispielsweise beim Oberlandesgericht Düsseldorf, zu verlagern.

Bodo Malsch

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Kommentare
20.01.2012
11:18
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von Sentinel | #26

Die Vorbereitung zur Klärung der Schuldfrage liegt in den Händen der zuständigen Staatsanwaltschaft & deren ermittelnden Beamten der Kripo. Auch Adolf Sauerland wird von allem am Ende nicht verschont bleiben, auch seine Ignoranz der eigenen Moral wird ihn irgendwann einholen denn 21 tote Menschen hinterlassen Spuren im Alltag & in der Seele. Der größte Teil der Personen gegen die ermittelt wird sitzt im Ordnungsamt. Angefangen vom Derzerneten für Sicherheit & Recht (Herr Rabe) über den Leiter des Ordnungsamtes (Herr Böllin) der seit der Katastrophe von der Amtsbühne so gut wie verschwunden ist, über deinen Vertreter, bis runter zur verantwortlichen Sachbearbeiterin (Frau B.) die für die Überprüfung der Qualifikation von eingesetztem Sicherheitspersonal der privaten Sicherheitsdienstleister (hier liegt ein Vollversagen vor) verantwortlich ist. Vom Ordnungsamt der Stadt Duisburg wurde weder die Anzahl des Sicherheitspersonals, noch deren Qualifikationen welches gesetzlich wie auch konzeptionell verankert ist/war, überprüft. Das Ordnungsamt der Stadt Duisburg hätte die Veranstaltung noch am selbigen Tage untersagen müssen da bekannt war, das angeblich 40% des Sicherheitspersonals nicht erschienen war. Konnte auch nicht, da dieses Personal niemals geplant war sondern ausschließlich auf dem Papier existierte. Im Bereich der Sicherheit war die Gefährdung also rechtzeitig bekannt, somit haben sich die genannten Personen der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge in 21 Fällen und der fahrlässigen Körperverletzung, sowie der fahrlässigen, schweren Körperverletzung in über 500 Fällen der Strafverfolgung ausgesetzt. Hier sollte ein Event mit aller Macht durchgesetzt werden, frei nach dem Motto; "es wird schon gut gehen." Sorry aber hier wurde wissentlich mit dem Leben und der körperlichen Unversertheit von Menschen gespielt. Da wird es wohl für den Ein und Anderen nicht für eine Bewehrungsstrafe reichen, jedenfalls nicht wenn es nach dem Strafgesetzbuch geht.

19.01.2012
08:57
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von Duri | #25

Wenn der schuldige OB erstmal weg ist, haben alle ihren Sündenbock und die Angelegenheit ist erledigt...
Das zu erwartende Verfahren (wo der OB noch immer nicht unter der Liste der Beschuldigten auftaucht) läuft dann nur noch nebenher?

Die Verantwortung kann eben nicht nur einer übernehmen!!!

Niemand fragt nach der Schuld derer gegen die ermittelt wird, aber (nahezu) alle schreien nach Adolf Sündenbock.

15.01.2012
16:52
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von teamtronic | #24

Im wilden Westen hätte Stegemann die Sache schon erledigt.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
von lospolloshermanos | #24-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.01.2012
13:42
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von kadiya26 | #23

Ich fand diesen Artikel sehr informativ. Weil ich bis dato keine Kenntnis über den aktuellen Stand der Ermittlungen und den zu erwartenden Zeitrahmen hatte. Wenn andere Leser von diesen Informationen gelangweilt sind, weil es für sie nichts Neues beinhaltet, so bitte ich diese Menschen, sich schweigend über ihren Informationsvorsprung zu freuen und anderen, die auf die Mitteilungen der Presse angewiesen sind, diese Informationen zu gönnen.
Vielen Dank.

1 Antwort
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von woelly | #23-1

Sehr nett und treffend dargestellt.

15.01.2012
12:28
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von festus04 | #22

Ich höre jetzt schon die Aussagen einiger Zeugen und Angeklagten, die da lauten, leider kann ich mich an dieser Sache nicht mehr erinnern.
Ich hoffe zumindest, wenn auch die Justiz nicht mehr einen in der Sache genau nachvollziehenden Prozess durchführen kann, dass dann der Oberbürgermeister Sauerland am 12 Februar seine Verantwortung mit einer Abwahl endlich aus seinem Amt entfernt wird.

3 Antworten
Eigentlich
von rschulz3 | #22-1

braucht es keine Zeugen. Diese Katastrophe ist derart gut filmisch dokumentiert, da gibt es nichts zu rütteln.

Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von doris13 | #22-2

Ich glaube ,wer dabei war, wird das nie vergessen,

Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von woelly | #22-3

Ein Hauptzeuge war auch mittendrin. Und das war unser Innenminister. Das ist bildlich dokumentiert.

15.01.2012
12:02
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von woelly | #21

Vorher braucht auch keiner zurücktreten, oder muß der OB abgewählt werden! Das dürfe jetzt doch so langsam jedem Dusselburger klar werden.

5 Antworten
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von b.scheuert | #21-1

Wo ist da jetzt die Logik?

Wer...
von Joachim_Egal | #21-2

...Düsseldorf und Duisburg nicht auseinander halten kann argumentiert offensichtlich auch schon mal ganz gerne fern jeglicher Logik...^^

Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von woelly | #21-3

von b.scheuert | #21-1
Sie haben den Bericht möglicherweise gelesen, aber inhaltlich sicher nicht verstanden.

von b.scheuert | #21-1
Ich kann sehr wohl Düsseldorf und Dusselburg auseinander halten.

Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von W113 | #21-4

Vollpfosten

Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von woelly | #21-5

von W113 | #21-4

Im Gegensatz zu ihnen, wohne ich zum Glück nicht in Dusselburg. Daher können sie sich ihre Bemerkung an den Hut stecken.

15.01.2012
07:47
Verantwortlich für die Verwaltung, die diese Veranstaltung genehmigt hat
von meigustu | #20

ist Herr Sauerland.

Genau die eingetretenen Panikreaktionen an genau der Stelle wurden vorher von Fachleuten vorhergesagt. Die Verwaltung hat dann eine Risikoabwägung getroffen, soll sie so vernünftig sein wie die Oberbürgermeisterin von Bochum oder geht sie ein Risiko ein um eine Glanzlicht auf die Stadt Duisburg zu werfen.

Die Duisburger Verwaltung hat sich für die Risikovariante entschieden. Dafür, für einen Tag Ruhm Menschen bewusst zu gefährden. Gerade wenn, wie Herr Sauerland immer behauptet er sei nicht verantwortlich ist für die Verwaltung und damit auch für Loveparade ist es umso dringender, das diese unfähige Verwaltung einen Chef bekommt der sie auf Vordermann bringt.

Sollte es aber Sauerland gewesen sein, der auf unterschiedliche Arten diese Entscheidung erzwungen hat und sei es auch nur eine Bemerkung "ich wünsche das" hat er nicht nur Leitungsverantwortung sondern auch noch Entscheiderverantwortung.

Wir dürfen nicht den Fehler begehen bei unsere Angestellten, das sind alle vom OB bis zum kleinsten Verwaltungsangestellten, die Zügel so schleifen zu lassen, dass dort Menschenleben auch nur gefährdet werden.

2 Antworten
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von teamtronic | #20-1

@meigusto.

Genau, der OB sollte der Zuchtmeister der Angestellten einer Stadt sein. Allerdings hätte er dann auch die Möglichkeit haben müssen alle von den Roten zwangsweise übernommene Angestellten durch fähigere zu ersetzen.

@ Teamtronic
von Joachim_Egal | #20-2

Kennen Sie die Parteibücher derer gegen die nun ermittelt wird? Vielleicht sind das ja "Schwatte" und wurden vom "Besten Duisburger aller Zeiten" in´s Amt gehievt!?

15.01.2012
06:40
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von BVB-Kind | #19

Laffparäd und kein Ende.
Schlimm, dass 21 Menschen ihr Leben wegen einer Großveranstaltung lassen mussten, die eigentlich nur Spaß bringen sollte, aber aus dem Ruder gelaufen ist, wegen Unzulänglichkeiten in der Organisation.
Noch schlimmer, dass 2,5 Jahre danach sich noch immer kein Verantwortlicher dafür findet, oder finden lassen will.
Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass es in 250 Jahren immer noch keinen Verantwortlichen dafür geben wird.
Und die Moral von der Geschicht?
Keiner wills gewesen sein, keiner hats gesehen, aber vorher haben sich (fast) alle ja sowas gedacht.
Typisch deutsch!

15.01.2012
00:26
Prozess um Duisburger Loveparade-Drama nicht vor 2013
von zeem | #18

Sorry Leute aber 3 Jahre für einen so umfangreichen Fall können durchaus normal sein, soll man einfach Sauerland verhaften, weil die Leute das wollen oder sollen die Gerichte neutral und unabhängig von der Medienlage entscheiden, ich denke das Gut freier Gerichte wiegt da höherdaher sollte es auch frei entscheiden und die Wahren Schuldigen finden und wenn es am Ende Sauerland ist, dann ist er auch gerecht verurteilt.

14.01.2012
23:50
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von rschulz3 | #17

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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