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Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld

16.06.2011 | 18:51 Uhr
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
Prozess gegen zwei 18 und 23-jährige Hacker aus Duisburg und Wesel. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Deniz A. und Christian M. stahlen unveröffentlichte Lieder von Lady Gaga und Justin Timberlake im Internet. Dafür bekamen sie jetzt Haftstrafen von 18 Monaten mit und ohne Bewährung.

Sie sitzen nebeneinander auf der Anklagebank des Duisburger Amtsgerichtes . Trotzdem kennen sich der 18-jährige Deniz A . und Christian M. (23) kaum. In ihrer Welt, dem Internet, muss man sich nämlich nicht kennen, selbst wenn man gemeinsam einen Laden betreibt, der illegal Musik verkauft. Musik, die man direkt von den Laptops der Stars geholt hat. Lieder, die noch unveröffentlicht sind und deshalb besonders wertvoll. Ihre Welt ist virtuell und am Ende haben Deniz und Christian sie kaum noch verlassen. Bis die Polizei sie ins reale Leben zurückholt.

Christian M. kommt als erster über den Flur des Amtsgerichtes in Duisburg , trägt grauen Hut und schwarze Sonnenbrille und versucht cool auszusehen. Irgendwie. Was aber nicht so richtig klappen will. Was noch nie geklappt hat. Schon als Kind sei er gehänselt worden, wird der junge Mann später aussagen. So klein wie er immer war. „Zwerg“ haben sie ihn gerufen in der Schule. Und „Fischauge“ im Sportverein. Weil er doch so schielt.

"Ist alles ganz einfach"

Muss man sich da wundern, dass so ein Mensch im Internet verschwindet? Immer wieder, immer länger. Zunächst bei Online-Spielen, später in Hacker-Foren. Wo es egal ist, wie groß man ist und wie man aussieht. Wo man berühmt wird, wenn man auf fremde Computer vorstößt. „Ist alles ganz einfach“, sagt M. „Hat man schnell gelernt. Bei Google oder YouTube.“

„Cee“ heißt er im Netz und macht Jagd auf Lieder, die noch nicht veröffentlicht sind und auf den Rechnern der Plattenfirmen oder des Künstlers selbst schlummern. Bei Kesha , Lady Gaga , Kelly Clarkson oder Justin Timberlake. Er schickt infizierte E-Mails, übernimmt Postfächer, fischt Passwörter ab, kapert Rechner und lädt herunter, was er dort findet. „Ich brauchte täglich neue Musik.“

Vieles davon hat er auf einschlägigen Seiten wieder hoch ins Netz geladen. Um zu tauschen. Aber auch um anzugeben. Anfangs will er kein Geld dafür. „Fame“ ist die Währung, die ihn interessiert. Ruhm. „Es ging mir um Anerkennung.“

Leben in der virtuellen Welt

Auf einer dieser Internet-Seiten lernt er Anfang 2009 Deniz kennen. Auch der damals 16-jährige Duisburger lebt überwiegend in der virtuellen Welt. „DJ Stolen“ nennt er sich dort und prahlt mit so genannten „Shouts“ – Freundschaftsbekundungen großer Stars. Manche, glaubt die Staatsanwaltschaft, seien nicht ganz freiwillig abgegeben worden. Die Sängerin Kesha etwa soll erst für Deniz geschwärmt haben, als er durchblicken ließ, er habe freizügige Fotos auf ihrem Privatrechner gefunden.

Doch bei aller Sucht nach Ruhm ist Deniz auch an Geld interessiert. Zusammen mit Christian eröffnet er eine Art Online-Shop für noch nicht veröffentlichte Musik. Gut 15.000 Euro verdient das Duo, bevor die Fahnder zuschlagen.

Rund um die Uhr online

Hacker vor Gericht

Zwölf bis 14 Stunden ist Deniz damals im Netz gewesen, „manchmal auch rund um die Uhr“. Er hat keine Freunde, keine sozialen Kontakte, kein echtes Leben. Nur noch seinen Computer. Ohne geht es nicht. Zweimal wird er rückfällig. Das letzte Mal eine Woche vor Prozess beginn.

„Süchtig“ nennt ihn sein Anwalt Burkhard Benecken deshalb, und Richter Volker Schmidt-Hölsken will dieser Einschätzung in seinem Urteil nicht widersprechen. Vielleicht auch, weil Deniz einem der ermittelnden Kripobeamten während der Hausdurchsuchung vorkam, wie ein „Junkie, dem man kurz vor dem Schuss die Spritze weggenommen hat“. Christian M., so ist zu hören, soll es zeitweise nicht besser gegangen sein.

Deshalb, und weil sie geständig sind, gibt das Gericht beiden eine Chance. Zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt es Christian. Deniz bekommt die gleiche Strafe aber keine Bewährung. Hinter Gitter muss er aber nur, wenn er seine Computersucht in den nächsten sechs Monaten nicht behandeln lässt. Vorbei ist die Sache damit für beide allerdings nicht. Längst haben sich bei ihnen die vier größten Schallplattenfirmen der Welt gemeldet und Schadenersatzansprüche angemeldet. Es geht, so heißt es, um Millionen.

Andreas Böhme

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Kommentare
19.06.2011
12:57
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von mceric | #11

Höre gerade ganz bewußt Lady Gaga auf WDR 2. - Bin beeindruckt!. - Ist wohl so wie mit der Werbung im Radio: der Sender hat / nimmt keinen Einfluß auf Inhalt bzw. Aussage. Schade an sich.

17.06.2011
14:24
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von mceric | #10

Wer Tralala aus dem Internetz, was jedem zugänglich ist, klaut, muß tatsächlich ins Gefängnis. - Wer ist Lady Gaga? - Muß man die Dame kennen?

Wer Mitmenschen auf dem Bahnsteig totschlägt, darf nach Hause gehen, weil er ja einen Personalausweis hat, und vermutlich nicht genug Geld, um abzuhauen. - Tolle Rechtsphilosophie!

17.06.2011
10:11
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von kollest | #9

Soso, der arme Kerl schielt auch noch...dann hat er sich bestimmt nur mit den verschiedenen Tasten vertan...was für eine arme Wurst...
@#8 Jan: Der Kerl wird wahrscheinlich von den einschlägigen Staatsdiensten, natürlich fürstlich honoriert, eingestellt werden...

17.06.2011
08:34
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von Jan-van-Gladback | #8

Als Integrationshelfer hätte ich die beiden nicht verknackt, sondern zu festangestellten Beratern beim Datenschutz umgeschult.

17.06.2011
07:51
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von supertina | #7

Musik geklaut????
hmmm
Musik runterladen ist ok...aber verkaufen nenene

16.06.2011
23:51
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von Beteiligter | #6

Dieb ist Dieb!

Und die werden bestraft....gut so!

16.06.2011
23:45
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von Gruenkohl7 | #5

@4: Geb ich Ihnen Recht! Die Verhältnismäßigkeit der Strafen stimmt in diesem Land schon lang nicht mehr!

16.06.2011
22:44
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von hossabossa | #4

na hätte er lady gaga mal lieber verkloppt...dann wär das urteil nicht so hart gewesen hier in deutschland ;-)

16.06.2011
22:38
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von derZWITSCH | #3

*

GAGA ist das, was du willst?
New York, bleib uns vom Hals mit deiner Gier!
Herr Richter, waere es nicht besser, wenn Sie sich rechtzeitig mit gesellschaftlichem Engagement gegen die zerstoererische Internetblase eingesetzt haetten, denn all dies war absehbar!?
GAGA komm nie mehr in den Kantpark, wir wollen dich hier nicht mit deiner schraegen Zerstoerungsmagie! Plattenfirmen passt bloss auf, jetzt kommt das Zeitalter der Selbstproduktion, das auch diese Dummheiten zulaesst, ohne junge Leute direkt ins Gefaengnis zu bringen, nur weil die Programmierer zu bloed sind, Digitalmauern zu ziehen!

Zwitsch - Freies Rheinland
*

16.06.2011
20:10
Promi-Hacker wollten Ruhm und Geld
von CaptainWillard | #2

Das Rathaus der Schildbürger kennt jeder.

Kennt auch jemand das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft von Schilda?

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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