Projekt ohnegleichen: der „Hammer”
20.11.2008 | 23:15 Uhr 2008-11-20T23:15:00+0100
NRW-Ministerpräsident lobt geplante Erweiterung der Küppersmühle als „bildmächtige Architektur”. Gebag soll als Bauherr fungieren. Aber die Genehmigung des Aufsichtsrats fehlt noch.
„Schlechtes Wetter, aber eine gute Nachricht”, stellte gestern NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Museum Küppersmühle fest. Dort wurde gestern offiziell verkündet, was auch jenseits von Duisburg längst kein Geheimnis mehr ist: die geplante Erweiterung des Museums durch einen aufgesetzten Quader, den das Architektenbüro Herzog & de Meuron entworfen hat.
„Ein Projekt, das seinesgleichen in Deutschland sucht”, urteilte Rüttgers und prophezeite, dass sich der Innenhafen damit „zu einem der interessantesten Orte bildmächtiger Architektur in Deutschland” entwickeln wird. Der Bau werde das Antlitz des Ruhrgebiets über das Kulturhauptstadtjahr 2010 hinaus verändern.
Wohl wahr, schon rein zeitlich. Denn bereits Mitte dieses Jahres zeichnete sich ab, dass der angestrebte Fertigsstellungstermin Ende 2009 nicht zu halten sein würde. Nun ist der Baubeginn im Frühjahr 2009 geplant, die Fertigstellung vage für 2010 terminiert. Wie Wolfgang Hardt vom Projektteam Herzog & de Meuron erläuterte, wird der schlichte Kubus auf die in den 30er-Jahren angebauten Silos aufgesetzt, die seit 1972 leer stehen. Sie sollen künftig mitgenutzt werden.
Gebag-Aufsichtsrat hat
noch nicht zugestimmt
Der Kubus bildet das 9. und 10. Obergeschoss. Die so entstehenden zusätzlichen 22 Räume erweitern die Ausstellungsfläche von 5000 auf 7000 Quadratmeter. Sie sind vorwiegend der Sammlung von Silvia und Ulrich Ströher vorbehalten, die nach dem Ankauf der Sammlung Grothe 1500 Werke deutscher Nachkriegskunst bis in die Gegenwart umfasst. „Dies nach dem Ausbau darstellen zu können, ist bundesweit außerordentlich”, schwärmte Hausherr Walter Smerling von der Stiftung Kunst und Kultur in Bonn, die das Museum betreibt.
Der riesige, gern vom Volksmund „Hammer” genannte Quader soll 36 Meter über dem Boden schwebend, eine zweite Fassade aus einer transparenten Folie erhalten. Der Aufbau selbst erhält Panorama- und mehrere schmale Fenster, die nicht nur Ein- und spektakuläre Ausblicke bieten, sondern dem Klotz eine gewisse Leichtigkeit verleihen sollen. Weithin sichtbar soll er als Wahrzeichen das Stadtbild prägen.
Weithin sichtbar wird auf jeden Fall, wer sich als Großsponsor beteiligt hat. Auf der Außenhülle prangt außer dem Namen MKM Museum Küppersmühle ein größerer Schriftzug des Essener Evonik-Konzerns. Was gestern bei den versammelten Medienvertretern für Irritationen sorgte, die Architekten erklärtermaßen aber nicht weiter anficht. Schließlich schießt Evonik 10 Millionen € in das Projekt. „So ein Bau allein ist ja ganz nett, aber Evonik übernimmt für zehn Jahre die weltweite systematische Werbung für das Museum”, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der AG, Dr. Werner Müller.
Weitere 10 Millionen € gibt das Land aus Städtebaufördermittel hinzu. Sechs Millionen kommen von den Ströhers. Die Gesamtkosten bezifferte Dieter Cremer von der städtischen Tochter Gebag, die als Bauherr fungiert, inzwischen auf 30 Millionen €. Im Juni dieses Jahres war noch von 26 Millionen die Rede. Nicht näher schlüsselte Cremer auf, wo die noch fehlenden vier Millionen herkommen. Cremer: „Aus unterschiedlichen Quellen.”
Das Projekt sei „durchfinanziert, aber intern gebe es noch Diskussionen”. Hatte Cremer noch im Juni dieses Jahres gesagt, dass über die Betriebskosten noch gesprochen werden müsse, erklärte er gestern: „Die Betriebskosten trägt die Gebag aus Fördermitteln.”
Allerdings hat der Aufsichtsrat der Gebag das ganze Projekt noch gar nicht abgesegnet, sonder nur im Sommer 2008 für die erste Projektierungsphase 3,4 Millionen € genehmigt. Kein Wunder also, dass der Vorsitzende des Gebag-Aufsichtsrates Friedel Prüßmann (SPD) gegenüber der NRZ die gestrige Pressekonferenz als „seltsam” bezeichnete: „Wir als Aufsichtsrat lassen uns von solchen Aktionen nicht beeinflussen, schließlich sind wir dem Wohl der Gebag verpflichtet.” (U.S./auf)

22:54
Ich finde das Ding auch optisch Klasse- passt iregendwie zu nem runden Zylinder, Gaskessel. Auch wenn der nur in Oberhausen steht.
Und wenn da noch innen zeitgenössische Kunst drin ist, dann ist das zwar nicht der Kölner Dom, aber für mich ganz nah dran.
18:55
Ich kann mich noch gut erinnern wie über den Lifesaver die gleichen gehässigen Kommentare abgegeben wurden. Heute ist der bunte Vogel das Wahrzeichen der Stadt.
Es sollte nicht immer alles so kleingeistig zerredet werden. Freuen wir uns lieber wenn es gelingt eine neue Attraktion in unserer Stadt zu bekommen!
16:03
man kann ja, um einen bezug zum alten duisburg wieder aufzunehmen, den weißen klotz als Mr. Softy-Milchhtüte anmalen, dass hat doch was! fänd ich witzig, dann ergibt alles wieder einen sinn, dieser unsinn!
13:39
der klotz entspricht nicht dem masterplan von norman foster..dort steht geschrieben das kein gebäude über die alten Spiechergebäude ragen darf außer dem eurogate
persönlich find ich den klotz auch potthässlich
13:14
Dieser Schuhkarton auf der denkmalgeschützten Küppersmühle ist einfach nur häßlich! Ich hoffe nur, dass die Statik der Silos schlußendlich doch nicht ausreicht und dieser grottenhäßliche Kasten nicht gebaut werden KANN!
Es gibt garantiert andere Möglichkeiten, die als Erweiterung für das Museum gebaut/genutzt werden können.
Man denke nur daran, dass viele Städte schon heute bereuen, im Wahn der Neubauwut alte, schützenswerte Gebäude abgerissen zu haben, die doch einer Stadt Atmosphäre und Flair geben können!
Übrigens ist die A59 nicht weit entfernt, man stelle sich den Anblick vor, wenn man auf dieser von Norden Richtung Stadt fährt! Grauenhaft!
12:37
also bisher kann ich diesem ding auch nichts abgewinnen aber man muss abwarten, wie es dann schlussendlich aussehen wird.
viele projekte in duisburg,die am anfang verteufelt wurden, finden mittlerweile großen anklang bei der bevölkerung.
und wenn es die stadt nach vorne bringt (auf welche weise auch immer) dann kann ich mich auch an so einen klotz gewöhnen.
11:31
Laut Radio DU soll das Vorhaben 30Millonen € kosten. Das Land NRW und Evonik beteiligen sich mit jeweils 10 Millionen. Ob das Land NRW auch 10 Millionen für unsere Kindergärten und Schulen übeirrig hat - wenn nötig,können wir sie ja künstlerich anmalen - oder so.
10:53
Jahrelang hat man sich über die Milchtüte aufgeregt, bis diese endlich gesprengt wurde.
Und jetzt soll so ein MIST in die Landschaft gesetzt werden!
Der Designer hätte vielleicht seine Medikamente nicht frühzeitig absetzen sollen.
So eine Sch..... braucht Duisburg nicht. Es gibt so schon genug Ruinen, die beseitigt werden sollten, da muss man nicht noch eine bauen!!!
10:07
apropos legoland nebenan:
dort müsste ja dann auch gleich das küppersmühle-modell geändert werden, damit die kids sehen, was da mal entstehen soll, denn wie heißt es immer: legokinder werden die besseren ingenieure (die dann sowas verzapfen) *gg*
08:20
Da sucht Duisburg das Wenige, was an baulicher Historie noch vorhanden ist und schafft sich so eine „Ersatzaltstadt“ am Innenhafen. Durchaus gelungen und mit viel Lob bedacht. Und dann soll jetzt dieser Klotz über allem schweben? Ich habe bei Sir Foster schon immer den Verdacht gehabt, dass Duisburg seine „SimCity“ ist. Deshalb muss man ja nicht gleich allen Architekten dieser Welt eine Bühne für ihre spinnerten Auswüchse bieten.
Oder liegt es am benachbarten Lego-Land?