Postkarten zeigen Duisburg schäbig und schön

Nicht klassisch schön, aber begehrt: Die Stadtansichten als Postkarte.
Nicht klassisch schön, aber begehrt: Die Stadtansichten als Postkarte.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Susanne Tepaß und Andreas Gwisdalla gestalten Postkarten mit morbiden Motiven der Stadt Duisburg. So kommt es, dass unter dem Foto der "Hartz IV Ecke" in Hochfeld" schöne Grüße aus Duisburg" steht. Doch nicht nur das. Weitere Bastelprojekte sind geplant.

Hochfeld.. Was man bei einem Urlaub in Duisburg nicht alles entdecken kann. „Wir hatten ein paar Tage frei und sind losgezogen, um Fotos zu machen“, erinnert sich Susanne Tepaß. Zusammen mit ihrem Freund Andreas Gwisdalla machte sie sich auf die Suche nach Motiven – und fand Stadtansichten, die ebenso morbide wie schön sind. Eine Auswahl haben die beiden nun als Postkarten drucken lassen. Und so kommt es, dass unter der „Hartz IV Ecke“ – einer Bude aus Hochfeld – „schöne Grüße aus Duisburg“ steht. Der Slogan „Duisburg ist spitze“, der auf ein Lied der Band „Eisenpimmel“ zurückgeht ist wohl ironisch gemeint. Bei einem Konzert eben jener Musikgruppe haben sich Susanne Tepaß und Andreas Gwisdalla damals kennen gelernt.

Basteln ist gemeinsames Hobby

Klassisch schön ist anders, aber das kennt man ja vom Ruhrgebiet. Über der Brücke der Solidarität hängen tiefe Wolken. Ein Straßenzug mit rot und blau getünchten Fassaden erinnert eher an das Straßenbild eines Dritte-Welt-Landes. Und im Norden haben sie eine Hochhaussiedlung entdeckt, die grafisch-ästhetisch aussieht, das man sie gerne als Grußkarte verschicken möchte. Ursprünglich sollte aus den Motiven ein Memory entstehen, aber dafür müssen noch mehr Bilder her – und Startkapital. Das Paar finanziert die Erstauflage aus der eigenen Tasche. „Diese Stadt kann man nur lieben, wenn man hier geboren wurde. So wie eine Mutter ihr Kind liebt, auch wenn es gar kein bisschen schön ist. Eine Art Mutterliebe, nur eben umgekehrt. Wir sind Kinder dieser Stadt und wir lieben unsere hässliche alte Mutter“, sagen die beiden, die ein gemeinsames Hobby gesucht haben. So begannen sie irgendwann, zu Hause auf dem Küchentisch Devotionalien von Duisburg zu fertigen.

Dabei hat alles mal mit Kissen angefangen, die sie für einen Weihnachtsmarkt gebastelt haben. Sie besorgten Stoff, flauschige Inlays für Kissenhüllen, nähten Abend für Abend. Beide sind handwerklich geschickt, beim Basteln können sie wunderbar kreativ sein. Die Kissen verkauften sie dann auch in der Adventszeit. Der Verkauf lief schleppend, andere Handarbeiter sind viel professioneller in der Branche unterwegs. Das Paar beschloss: zu aufwendig, zu teuer. „Das hat Spaß gemacht, aber wir haben die Einnahmen vom Weihnachtsmarkt direkt wieder in Waffeln und Glühwein investiert.“ Aufgeben wollen sie dennoch nicht: Vielleicht wollen sie in diesem Jahr mit ihren neuen Utensilien einen weiteren Versuch starten.

Button für „Wurstfreunde“

In die Kategorie „unnütz, aber schön“ fallen eindeutig die Buttons. Sie gibt es mit den Motiven „WF“ wie „Wurstfreunde“ oder „Hamborner Schule“. Die Hamburger Schule, eine Musikrichtung, ist bekannt. „Wofür die Hamborner Schule steht, haben wir uns aber noch nicht überlegt“ Auch die sprichwörtliche Flasche Pommes in der Mini-Ausgabe finden die meisten witzig, kaufen sie dann aber doch nicht. „Die Pommes halten sich aber. Wir haben sie so lange getrocknet, dass die garantiert nicht schimmeln“, verspricht Susanne Tepaß.

Nützlicher sind da schon die Stempel, Marke „Post aus Hochfeld“ oder auch „Post aus Rheinhausen“. „Wir haben einfach sämtliche Stadtteile genommen, in denen der Lokalpatriotismus verbreitet ist.“ Auch Ruhrorter und Walsumer werden fündig, weitere Stadtteile gibt’s auf Anfrage.