Postbunker in Duisburg-Rheinhausen wurde 15 Jahre lang nicht betreten
02.10.2011 | 17:49 Uhr 2011-10-02T17:49:00+0200
Duisburg.Katastrophenschutzräume waren seit dem Zweiten Weltkrieg für jedes neues Gebäude einer Behörde Vorschrift. Den Bunker im Keller der Post in Rheinhausen hat seit 15 Jahren niemand betreten. Schüler müssen sich hier unten fühlen wie in einem Museum.
Deutsche Post, Rheinhausen, Beethovenstraße, Kellergeschoss. Wer die schweren Stahltüren nicht kennt, würde den langen Gang wohl einfach weiterlaufen. Nur ein kleines blaues Schild ist in den Stahlbeton geschraubt: Raum 031, Schutzraum III, 50 Personen.
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Es riecht muffig. Wider Erwarten quietscht die Tür nicht. Drinnen gibt es nicht einen einzigen Faden eines Spinnennetzes, der Estrich ist besenrein. Der Raum, einer von drei baugleichen im Postkeller, ist ein Relikt vergangener Zeiten. Bunker, sagt der Volksmund, Katastrophenschutzraum hieß er offiziell bei der Post. Über Jahrzehnte war er seit dem Zweiten Weltkrieg für jedes neues Gebäude einer Behörde in der gesamten Republik Vorschrift. In Rathäusern, Finanzämtern, Ministerien, Bahnhöfen und eben auch bei der Deutschen Bundespost.
Gerümpel und Akten
Heute stapeln sich hinter den meterdicken Wänden meist Gerümpel oder Akten, die Bunker werden allenfalls als Archivräume genutzt. Das Besondere an dem Postbunker in Rheinhausen: Er geriet offenbar in Vergessenheit. Seit über 15 Jahren hat ihn niemand mehr betreten. Er sieht genauso aus, wie ihn die Post bis zur Auflösung des Katastrophenschutzes im Jahr 1998 vorhalten musste. Ein steinernes Überbleibsel der Angst vor dem Kalten Krieg. Und ein Zeugnis der ohnmächtigen Hilflosigkeit im Falle eines Raketenangriffs, konserviert in der Muffigkeit eines Kellers.
Denn die drei Räume sollten im Ernstfall dafür sorgen, dass die Beamten überleben, um den Staatsapparat am Laufen zu halten. Wer sich allerdings auf den paar Quadratmetern zwischen dickem Beton genauer umsieht, dem kommen die Einrichtung und die Schutzmaßnahmen heute, mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, geradezu lächerlich vor. Ein Schüler, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geboren ist, muss sich hier unten fühlen wie in einem Museum.
Die Toilette verspricht weniger Komfort
Das kleine Lämpchen auf dem Kasten an der Wand flackert schwach, das Kabel führt zur Meldeanlage mit Handkurbel. 18.4.1963 steht an der Unterseite. In der Ecke hängt ein Telefon mit Wählscheibe, selbst unter der 110 meldet sich niemand. Axt, Schaufel, Hammer und Spitzhacke hängen an der Wand. Für den Fall, dass der Ausgang verschüttet gewesen wäre und sich die Postboten an die Oberfläche hätten buddeln müssen. Die Feldbetten sind an der Wand aufgebaut, drei übereinander, bis zur 2,10 Meter hohen Decke.
Wer den Hahn im Waschraum aufdreht, wird vom fließenden Wasser überrascht. Die Toilette verspricht allerdings weniger Komfort. Schwarze Tüten liegen daneben. 2500 Stück, Aufschrift: Einmal-Einsatz-Beutel für Trockenaborte. In Reichweite am Eingang, vermutlich aber aus einem anderen Grund, sind die Atemschutzmasken gestapelt. Der Filter ist zehn Jahre haltbar, die letzte Wartung hatten die Masken 1995. Immerhin: Der Ventilator läuft noch. Bei Stromausfall muss mit der Hand gekurbelt werden.
Becher, Teller und Besteck kamen aus der Kantine
Auffällig: Überall stehen leere Kanister herum. „Sie wären nur im Bedarfsfall gefüllt worden“, sagt Benno Simon. Er war damals für den Katastrophenschutz der Post mitverantwortlich, heute ist er Mitarbeiter des Hausservice. Auch die Lebensmittel wären erst im Ernstfall eingelagert worden, die Becher, Teller und das Besteck hätten die Postbeamten aus der Kantine mitnehmen sollen.
Abzulesen ist das alles auf der letzten Inventurliste vom Januar 1988, einer Zeit, als die Post die Republik noch nach vierstelligen Postleitzahlen gliederte: „4100 Duisburg 14“ steht unter der Objektadresse. Die Rheinhauser Post ist irgendwann in den Siebzigern gebaut worden, die Schutzräume seien nur wenige Male für Übungszwecke genutzt worden, sagt Benno Simon. Die Schlüssel habe er erst in der Zentrale suchen müssen. „Sie lagen alle in einer Kiste. Wir hatten Glück, dass wir sie überhaupt gefunden haben“.

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