Polizeipräsident ROLF CEBIN: Kampf dem Angstraum
29.08.2008 | 18:56 Uhr 2008-08-29T18:56:00+0200
Nicht jeder Marxloher fühlt sich in seinem Stadtteil noch sicher. Duisburgs oberster Polizist erwartet eine ehrliche Debatte über die Probleme. Hoffnung schöpft er aus der guten Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.
Provokationen, Belästigungen, Pöbeleien - Polizeipräsident Rolf Cebin berichtet im Gespräch mit Redakteur Hendrik Baumann über die Probleme in Marxloh.
Herr Cebin, Sie haben Marxloh in der Zeitschrift der Polizeigewerkschaft als "Angstraum" bezeichnet. Was haben Sie damit gemeint?
Cebin: In den zurückliegenden Jahren hat sich bei uns der Eindruck verfestigt, dass viele Marxloher einen Bogen um bestimmte Straßen oder Plätze machen, weil sie sich dort unwohl fühlen oder gar Angst empfinden. Es gibt zwar keine valide Erhebung, die das bestätigt, aber meine Aussage stützt sich auf zahlreiche Berichte von Bürgern sowie den Erfahrungen unserer Beamten.
Spielt die Kriminalität dabei die entscheidende Rolle?
Cebin: Nicht unbedingt. Im Vergleich mit den anderen 46 Stadtbezirken liegt Marxloh in der Kriminalitätsstatistik zwar im oberen Bereich. Deshalb spreche ich hier auch von einem belasteten Stadtteil. Aber in anderen Bezirken, zum Beispiel im Dellviertel in der Innenstadt, liegt die Kriminalität deutlich höher als in Marxloh. Das ist wie in anderen Städten, in denen auch die Kriminalität in der Innenstadt am größten ist.
Also sind es eher gefühlte als tatsächliche Bedrohungen?
Cebin: Zum Teil ist es so. Jemand, der alleine unterwegs ist und sich von einer Gruppe ihm fremder Menschen verfolgt oder bedroht fühlt, dürfte in den meisten Fällen Angst empfinden. Und wenn dazu noch die Örtlichkeit, etwa schlecht beleuchtete Plätze, das Gefühl der Bedrohtheit verstärken, dann spricht dies für einen Angstraum.
Wie können Sie, wie kann die Duisburger Polizei den Bürgern helfen? An jeder Ecke einen Posten aufstellen, dürfte schwierig sein.
Cebin: Klar, unsere Personalstärke ist vorgegeben und naturgemäß beschränkt. Wir haben die Wache Marxloh bereits vor elf Jahren auf 18 Beamte aufgestockt. Bei Bedarf können wir auf die übrigen Einsatzkräfte, insbesondere die im Norden der Stadt und die Einsatzhundertschaft in Neudorf zurückgreifen - wenn diese verfügbar ist. Wir versuchen, unsere Kräfte so einzuteilen, dass wir so präsent wie möglich sind.
In der Zeitschrift der Polizeigewerkschaft war auch zu lesen, dass im Duisburger Norden selbst Beamte zu Zielscheiben von Aggressionen werden.
Cebin: Zu körperlichen Übergriffen ist es meines Wissens nur im Einzelfall gekommen. Fest steht aber, dass die Provokationen gegenüber Polizisten seit einigen Jahren zunehmen. Da erleben wir eine schwer fassbare Respektlosigkeit. Ein Teil der ausländischen Jugendlichen und ein Teil junger Deutscher mit Migrationshintergrund betrachten Marxloh offenbar als ihr Revier, in dem die Polizei nichts zu suchen hätte.
Wie reagiert die Polizei hierauf?
Cebin: Es kommt darauf an, die richtige Balance zu finden. Polizeibeamte sind darin ausgebildet, zurückhaltend und deeskalierend aufzutreten. Manche Jugendliche scheinen dies jedoch eher als Schwäche auszulegen. Deshalb kann es angezeigt sein, auch kleinere Verstöße grundsätzlich zu ahnden, Ordnungswidrigkeiten anzuzeigen und gegebenenfalls Platzverweise auszusprechen.
Also besser sofort die gelbe Karte zu zeigen, als es bei einer Ermahnung zu belassen?
Cebin: Wenn Sie so wollen, ja. Dies kann in vielen Fällen die richtige Reaktion sein.
Vermissen Sie Unterstützung seitens der Politik?
Cebin: Nein. Das Personal ist uns nach klaren und gerechten Landeskriterien zugewiesen. Sicher hätte ich, wie jeder Polizeipräsident, gern mehr Beamte zur Verfügung. Es ist allerdings Aufgabe jeder Polizeibehörde, das zugewiesene Personal richtig einzusetzen bzw. zu verteilen. Was ich mir allerdings von der Politik wünsche, ist eine ungeschminkte Analyse der Integrationsfrage.
Sie spielen also auf die ausländischen Jugendlichen an.
Cebin: Ich will keine pauschalierenden Urteile fällen. Aber mein Eindruck ist, dass sich viele Migranten der dritten Generation weniger integriert haben oder nicht so sehr dazu bereit sind, wie frühere Generationen. Da mag auch eine fehlende berufliche Perspektive eine große Rolle spielen, das mag früher anders gewesen sein. Ich will bei dieser Gelegenheit aber auch eins klarstellen: Es gibt in Marxloh wie auch sonst im Norden Duisburgs genug Beispiele für eine durchaus erfolgreiche Integration.
Etwa die sehr sachliche Debatte über die Moschee?
Cebin: Ja, aber nicht nur. Ich glaube, die Bevölkerung im Duisburger Norden war schon immer aufgeschlossen und tolerant. Zu vielen Migranten, die schon länger hier leben, haben wir sehr gute Beziehungen. Wir haben Ansprechpartner in verschiedenen muslimischen Gemeinden und Sportvereinen, arbeiten mit den Christlichen Kirchen zusammen. Das sind wichtige Ansätze, um Probleme zu lösen.
Aber den Begriff "Angstraum" nehmen Sie deshalb nicht zurück.
Cebin: Nein, ich will keine Probleme unter den Teppich kehren. Aber ich hoffe, dass sich die Arbeit der Polizei in Marxloh auszahlen wird und künftig von einem Angstraum nicht mehr die Rede sein wird.

00:45
(..)
Nach Informationen von DCRS soll es in NRW eine Empfehlung geben, bei Straftätern mit Migrationshintergrund möglicht geringe oder gar keine Strafen auszusprechen, um deren Integration nicht zu gefährden. Ihre kulturelle Prägung soll bei der Urteilsfindung verstärkt berücksichtigt werden.
DCRS beruft sich auf ein der Redaktion vorliegendes Schreiben eines ehemaligen, hohen Justizmitarbeiters.
Ich bin froh, nicht mehr im Kreise der Justiz tätig zu sein. Das, was für mich einmal Beweggrund war, dort meine berufliche Laufbahn zu bestreiten, was meine Motivation war, meinen Beruf täglich und auch mit vielen Überstunden auszuführen, ist leider schon längst nicht mehr gegeben. …Meiner Ansicht nach gibt es nirgends eine höhere und sich schlimmer auswirkende Korruption, ja eigentlich müsste man schon sagen (Un-)Rechtsdiktatur, als in der Justiz in NRW…Täter mit Migrationshintergrund haben einen anderen kulturiellen Hintergrund und somit auch eine andere Tatmotivation…Dieser gilt besonders stark zu berücksichten…Gerade im Hinblick auf die Eingliederung unserer muslimischen Mitbürger sollte dringendst darauf geachtet werden, deren Glauben und Kultur als wichtige Tathintergründe zu berücksichtigen und eine zukünftige Integration nicht durch Brachialurteile zu verhindern…Man kann ja nicht erwarten, dass ein Mensch, der in einem völlig anderen Kulturkreis aufgewachsen ist als wir, die selben Wertvorstellungen und somit auch das selbe Rechts- oder Unrechtsbewusstsein wie wir hat.
“Die hier lebenden Türken (Anm.: und Libanesen und Tunesier und Marokkaner und Pakistani und Afghanen und Araber und Kurden und Palästinenser…) können sich sicher fühlen.” Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU).
Schönen Tag noch.
14:08
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09:47
Und wieder alles schön geredet. ne ne
09:45
Dellviertel mit Marxloh vergleichen? Das geht ja garnicht. Wieviel Einwohner hat das Dellviertel?
21:45
Leider wird sehr schnell immer auf die ethische Schiene hingewiesen. Mir ist es egal, welcher Rasse, Religion oder Staatsangehörigkeit jemand angehört. Er hat sich hier in Duisburg, hier in Deutschland den Regeln entsprechend zu verhalten. Angsträume? Das es solche überhaupt geben muss. Dem städtischen Sparzwang zum Dank. Leider wird an jeder Ecke mit Beleuchtung, ordentliche Bebauung gespart. Dann entstehen zwielichtige Orte, an denen man nur schnell vorbei laufen möchte. Diese Orte locken dann auch zwielichtige Gestalten an. Schon haben wir Angsträume. Diese Gestalten halten sich dann nicht an Recht und Gesetz. Schon haben wir ein Problem.
21:44
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18:40
Der DIW hat zum ersten mal etwas gesagt was mir gefällt und es ist nichts als die Wahrheit. Ich will gar nicht daran denken was in 5 Jahren sich da oben abspielt.Wahrscheinlich ist es dann so wie in L.A. South Central.
17:31
24 Jahre lebe,arbeite und kaufe ich in Marxloh ein,
bin noch nie bedroht ausgeraubt oder angepöpelt worden und empfinde die Aussagen des Herrn Cebin als eine Frechheit. Traf übrigens gestern erst einen Polizisten der allein auf Streife war. Wie paßt das denn?
13:50
Häufig werden junge Migranten - verwendet man andere Begriffe, wird man gleich in die rechte Ecke geschoben - straffällig. Sie sammeln Strafakten an, die einen Normalbürger sehr wundern und werden dennoch nicht ausgewiesen.
So etwas stört mein Vertrauen in unseren Rechtsstaat sehr und ich freue mich, wenn Herr Cebin hier klare Worte spricht. Lassen Sie auch ebensolche Taten folgen!!!
11:23
die harte Hand und eine konsequent durchgeifende Polizei.
Es kann ja nur wirklich nicht sein das wir normale Bürger uns von diesem nicht integrationswilligen Migrantenstadl auf der Nase rumtanzen lassen.
Am besten wäre sogar eine Abschiebung in die heimatländer. Punkt!