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Hunderte Gegendemonstranten stellen sich Rechten in Duisburg in den Weg

01.05.2014 | 08:00 Uhr
Großaufgebot der Polizei bei den Demonstrationen am Hauptbahnhof.Foto: Stephan Eickershoff/ WAZ FotoPool

Duisburg.  Hunderte Gegendemonstranten stellten sich am Donnerstag in Duisburg den Aufmärschen von NPD und Pro NRW in den Weg. Beim Fußmarsch durch die Innenstadt stießen die Rechten auf geballte Ablehung der Bürger. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Es kam zu einigen kleineren Zwischenfällen.

Die Duisburger Bürger zeigten den Rechten die kalte Schulter: Bei ihrem Marsch am Donnerstagmittag durch die Innenstadt stießen die exakt 103 Anhänger der NPD auf geballte Ignoranz. Nur hier und da verloren sich ein paar Neugierige in den Fenstern, um ein Blick  auf die Gruppe zu werfen, die von einem Großaufgebot der Polizei begleitete wurde. Ansonsten schenkte unterwegs niemand den tumben, ausländerfeindlichen Parolen Gehör oder Aufmerksamkeit. Eine größere Abstrafung als das Desinteresse einer auserkorenen Zielgruppe kann es für eine Partei kaum geben.

Auf massiven Widerstand waren die NPD-Anhänger zuvor am Haupteingang des Hauptbahnhofes getroffen. Dort hatten sich die ersten von später insgesamt 400 Gegendemonstranten bereits ab 9.30 Uhr versammelt. „Wir wollen zeigen, dass für Faschisten in Duisburg kein Platz ist“, sagte Jürgen Aust vom Duisburger Netzwerk gegen Rechts, in dem sich zahlreiche Gruppieren, Parteien und Organisationen zusammengeschlossen haben, um sich geballt mit einer Stimme den Rechtsextremen in den Weg zu stellen. „Haut ab! Haut ab!“ oder „Nazis raus! Nazis raus!“ lauteten die Sprechchöre, mit denen die Gegendemonstranten ihre Widersacher begrüßten.

Anzeigen und Platzverweise

Im Bahnhof kam es zu einer Schlägerei. Foto: Stephan Eickershoff/ WAZ FotoPool

Gegen 11 Uhr kam es zum ersten Zwischenfall des Vormittags: In der Eingangshalle des Hauptbahnhofes gerieten vier Personen in eine Schlägerei. Beteiligt waren laut Polizei jeweils zwei Vertreter aus dem linken und dem rechten Lager. Dabei wurden zwei Beteiligte leicht verletzt. Alle vier wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei ermittelte die beiden Linken als Täter. Gegen die Männer wurden Anzeigen erstattet und Platzverweise ausgesprochen.

In der Folge wurde diese Seite des Hauptbahnhofes komplett gesperrt. Eine Polizeikette schob die Gegendemonstranten aus dem Bereich an den Glastüren zurück in Richtung ihres eigentlich vorgesehenen Versammlungsortes auf dem Vorplatz. Die Folge: Wer in den Hauptbahnhof  wollte, der musste einmal um den Komplex herumlaufen und kam nur durch den Osteingang hinein. Das sorgte bei vielen Bahnreisenden für Ärger. Und die Geschäfte im Eingangshallenbereich beklagten, dass ihnen so der Strom an potenziellen Kunden abgeschnitten worden sei.

Gegendemonstrant mit Verletzungen im Krankenhaus

Später ereigneten sich weitere Vorfälle: Ein Gegendemonstrant musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Er hatte laut Polizeisprecher Ramon van der Maat versucht, eine Straßensperre zu durchbrechen, um zu den NPD-Anhängern zu gelangen. Ein Diensthund der Polizei stoppte dieses Vorhaben mit einem Biss in den linken Unterarm des Mannes. Drei Gegendemonstranten, die sich im Bereich der Straßensperre am Kaufhof auf der Düsseldorfer Straße aufhielten, erhielten Anzeigen und Platzverweise, weil sie sich vermummt hatten. Einige Gegendemonstranten legten sich an der Realschul-/ Ecke Krummacherstraße mit Anwohnern an und warfen Eier gegen Hauswände. Zudem wurde ein Polizist leicht verletzt.

Hunderte demonstrieren gegen Rechts

Um 12.35 Uhr setzten sich die Rechten zu ihrem angemeldeten Fußmarsch in Bewegung. Dieser führte zunächst vom Bahnhofsvorplatz in Richtung Friedrich-Wilhelm-Straße. Die Polizei, zu deren Großaufgebot auch eine Reiterstaffel, Diensthundeführer und Kräfte mehrerer Hundertschaften zählten, hatte alle Zugangsstraßen in diesem Bereich seit dem frühen Morgen weiträumig abgesperrt.

Die Gegendemonstranten hatten jedoch an zahlreichen Punkten weitere Versammlungen angemeldet. So wurde die NPD an der Tonhallenstraße von rund 50 Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen mit „Nazis raus! Faschisten raus!“-Rufen empfangen. Etwas weiter westlich – an der Friedrich-Wilhelm-Straße/Ecke Düsseldorfer Straße – erklangen dieselben Rufe von Hunderten Gegendemonstranten. Sie hielten ihre Plakate in die Höhe mit Botschaften wie „Stoppt die Hetze gegen Roma“ oder „Keine Stimme für die NPD“.

Foto: Stephan Eickershoff/ WAZ FotoPool

Die Route der Rechten wurde dann kurzfristig geändert. Statt über die Düsseldorfer Straße und Mercatorstraße zurück zum Hauptbahnhof zu kommen, schlängelte sich die Kolonne ihren Weg durch kleinere Wohn- und Nebenstraßen. Auch hier: Kaum Menschen in den Fenstern. Die Duisburger Innenstadt, sie wirkte wie ausgestorben. Die an Fensterbänken befestigten Transparente mit klar Position beziehenden Botschaften wie „Bunt statt Braun!“ zeigten, wie die Mehrheit der Menschen hier denkt. Gegen 14.15 Uhr hatte der Spuk dann sein Ende. Die Versammlungen lösten sich recht zügig auf. Und die einzigen braunen Spuren, die an diesem Tag der Demonstrationen zurückblieben, war ein dicker, dampfender Haufen Pferdeäpfel auf dem Bahnhofsvorplatz.

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Hunderte Gegendemonstranten stellen sich Rechten in Duisburg in den Weg
Hunderte Gegendemonstranten stellen sich Rechten in Duisburg in den Weg
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/polizei-duisburg-kuendigt-konsequentes-vorgehen-gegen-gewalt-bei-mai-kundgebungen-an-id9290160.html
2014-05-01 08:00
Demo,Rechte,NPD,Pro NRW
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