Politik-Plausch in gemütlicher Runde

Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv

Geöffnete Bierflaschen stehen auf dem rustikalen Holztisch. Reihum steht zusammengewürfeltes Mobiliar, das Sitzgelegenheit bietet. In der Ecke ein alter Röhrenmonitor mit Spielekonsolen. Mit einfachen Mitteln haben sich die Master-Studenten Stefan Haußner und Carsten Volland ihr WG-Wohnzimmer gemütlich eingerichtet. Bei einem gemeinsamen Abend finden alle Freunde Platz, doch heute befindet sich unter den Besuchern auch ein ungewöhnlicher Gast: die Duisburger SPD-Landtagsabgeordnete Sarah Philipp.

Der Besuch soll Auftakt einer Reihe sein, in der Sarah Philipp verstärkt Bürgerinnen und Bürger besucht, um mit ihnen und ihren Freunden, Verwandten oder Nachbarn in heimischer Umgebung über Politik und ihre Anliegen zu sprechen. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, gerade auch junge Menschen mit ihrer Politik anzusprechen: „Leider treffe ich seltener junge Menschen bei unseren klassischen Informationsveranstaltungen, daher möchte ich den Spieß umdrehen und sie dort abholen, wo sie wohnen“, erklärt sie.

Input für den Politiker-Job

Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit ihr haben diesmal die Master-Studenten des Studiengangs Survey Methodology (Methoden der empirischen Sozialforschung) an der Universität Duisburg-Essen Stefan Haußner und Carsten Volland. Dazu luden sie weitere Freunde ein, bis die Runde von sieben Leuten komplett war. Der Kontakt entstand durch ihren Freund Dennis Kücük, der als studentische Hilfskraft für die Landtagsabgeordnete arbeitet.

Gleich zur Begrüßung bringt die 32-jährige Buchholzerin einen Kasten Bier sowie Chips und Snacks als Geschenk mit und nimmt auf einem der alten Holzstühle Platz. Damit ist die Grundlage geschaffen für ein Gespräch, dass in entspannter und gemütlicher Art startet.

Die Abgeordnete, selbst unwesentlich älter, begibt sich locker auf die Ebene der Studenten, die Themen kursieren sprunghaft: vom Leben als Student in Duisburg, der Imagefrage des Ruhrgebietes bis zur Vermittlung gesellschaftspolitischer Themen im Schulunterricht.

Ihr Hauptanliegen verliert die Sozialdemokratin jedoch während der Diskussion nicht aus den Augen. Mehrfach fragt sie die Studenten nach Vorschlägen, nach neuem Input für ihre Tätigkeit: „Wie kann ich junge Menschen zu mehr politischem Bewusstsein animieren? Wie kann ich die Bürger besser erreichen?“

Eher überfordert als unpolitisch

Bereits vorweg: Die goldene Antwort auf diese Frage wird an diesem Abend nicht gefunden. Dennoch setzen sich die Studenten offen mit dem Thema auseinander und machen auf grundlegende politische Probleme aus ihrer subjektiven Sichtweise aufmerksam. „Ich denke, heutzutage ist das Bewusstsein für Politik allgemein eher gering, da die Bevölkerung eigentlich recht zufrieden ist. Die Menschen sind auch nicht per se unpolitisch, sondern eher überfordert mit der Vielschichtigkeit der Politik. Das Interesse richtet sich oft nicht auf das ganze Konstrukt Politik, sondern vielleicht nur auf bestimmte Bereiche“, vermutet Carsten Volland, Student und Teil der Duisserner WG.

Eine weitere Problematik sieht sein Mitbewohner Stefan Haußner im allgemein geringen Interesse an Kommunalpolitik: „Studenten oder allgemein junge Menschen sind selten sesshaft und wechseln schneller den Lebensort. Da ist die Kommunalpolitik für diese Menschen kaum von Interesse, weil sie eh nicht lange in der jeweiligen Stadt leben. Europapolitik und Bundespolitik spielen für die jungen Bürger schon eher eine größere Rolle.“

Sarah Philipp hört den Ansichten der Studenten zu und nimmt auch ihre Erwartungen an Politik entgegen. Hier sind sich WG-Bewohner und Freunde einig: „Politik sollte grundlegender und langfristiger organisiert werden, mit Planungen weit über die Amtsperiode der Mandatsträger hinaus.“