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Podologin aus Duisburg machte Ausbildung zur Zehenleserin

16.10.2012 | 09:00 Uhr
Podologin aus Duisburg machte Ausbildung zur Zehenleserin
Redakteurin Annette Kalscheur im Selbstversuch bei Christiane Schöpe.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.   Angefangen als Podologin beschloss Christiane Schöpe 2005 sich der Kunst des Zehenlesens zu widmen. Für viele nur ein Hokuspokus ist es für sie eine interessante Art und Weise, in die Seele von anderen Menschen zu blicken und zusammen mit Therapeuten Diagnosen zu ermitteln.

Sie empfängt ihre Besucher herzlich, aber auch mit deutlichen Worten: Lottozahlen könne sie nicht vorhersagen, das sei auch kein Hokuspokus , aber Charaktereigenschaften könne sie sehrwohl ableiten. Christiane Schöpe ist Zehenleserin.

2005 machte sie ihre Ausbildung bei Imre Somogyi, der das Zehenlesen vor 35 Jahren entwickelt hat. Inzwischen hat Schöpe auch ihren Master gemacht und darf ausbilden. In erster Linie ist sie aber Podologin mit eigener Praxis. Denn einen wirtschaftlichen Nutzen zieht sie aus ihrer Fähigkeit nicht. Man könne sie buchen. Ihren Patienten sagt sie aber ungefragt nichts.

Das Seelenleben am Fuß erkennen

Schwierig ist der Grat, auf dem sie geht, dennoch. Die Seele heilen kann sie natürlich nicht, „ich bin ja keine Psychologin“. Aber mit Therapeuten zusammenzuarbeiten, um vielleicht unmittelbarer zu Diagnosen, Erkenntnissen zu kommen, das würde sie schon reizen. „Ich finde es phänomenal, dass das Seelenleben auch am Fuß zu erkennen ist“, begeistert sie sich.

Podologin
Daten und Fakten zur Person

Christiane Schöpe war zuvor in ihrem ersten Berufsleben als Drogistin im elterlichen Betrieb tätig. Bereits seit 2001 hat die 45-Jährige nun ihre eigene podologische Praxis im Stadtteil Neuenkamp.

Als Dozentin arbeitet sie an der Podologen-Schule in Essen, bildet an der Orthonoxie-Spange aus zur Behandlung eingewachsener Nägel. Infos im Internet: www.zehenlesen.com, www.feine-fuesse.de

Der letzte Urlaub auf Mallorca war wieder eine Bilderbuchmesse. Schöpe denkt dann oft, „Wenn du wüsstest, was ich über dich weiß“. Die Füße ihrer Mitarbeiter kennt sie alle. Eine hat sie sogar ganz ohne Gespräch eingestellt, nach einem Fußfoto. „Das passte super, sie hat jahrelang bei uns gearbeitet.“

Kegelschwestern warnt sie vor Machos in Flip-Flops. „Aber das Herz hat ja auch ein Wort mitzureden“, schränkt sie ihre Kunst ein. Ihr eigener Mann hat mit Schuhgröße 52 jedenfalls einiges an Lesefläche zu bieten.

Beim Selbsttest der WAZ gab es bei aller Skepsis, die Journalisten innewohnt, auch einige Überraschungen. Rechts und links liegen unterschiedliche Deutungsebenen: Rechts die Ratio, links das Gefühl, erklärt sie und betrachtet meine Füße. Ich stehe, es soll Gewicht auf den Zehen lasten.

Und schon erzählt sie: Ich sei hilfsbereit, würde gern zuhören, lieber über Freud als über Leid sprechen, sei ein ordentlicher Mensch. Dem Fotografen-Kollegen entfährt ein „Oh Gott!“. Wiedererkennend? Der Gefühlszeh sei zur Kreativität hingeneigt, daraus schließt sie, dass ich das, was ich tue, gern tu. Stimmt! Aber das ich ein Träumer bin, weil ich meine dicken Zehen hochziehen kann, was Realisten angeblich nicht können? Ich weiß nicht.

Der Mensch ist der Ist-Zustand

Sie analysiert den Tatendrang-Zeh und den Kontroll-Zeh, Nägel und Nagelbetten, erzählt und erklärt – und sagt dann, dass der Mensch eben so ist und das sei ja nicht positiv oder negativ, sondern der Ist-Zustand.

Schließlich bringt sie mich zum Staunen, weil sich meine  ebenfalls ablesen lässt. Sie erkennt, dass meine Mutter im letzten Drittel der Schwangerschaft große Sorgen um mich hatte. Treffer: Es gab Komplikationen, ich bin zu früh auf die Welt gekommen. Bei einem 70-Jährigen entdeckte Schöpe durch eine ausgeprägte Stelle am Fuß, dass sein Zwillingsbruder während der Schwangerschaft abging.

„Sie werden keine Prostituierte mit Birkenstocksandalen finden“, ist Schöpe sicher. Ihre eigenen Füße stecken in Croqs, „auf High Heels wird mir schwindelig“. Alle Schauspieler hätten lange Zehen, die wie lange Antennen wirken und die es in die Welt hinaus zieht. Wer kurze Zehen hat, sei nicht fürs Auswandern gemacht, erklärt sie - und bedauert es zugleich. Denn es trifft auf sie selbst zu. Dabei würde sie gern nach Mallorca, aber das Sicherheitsbedürfnis, das Gefühl, eine sichere Existenz aufzugeben, hindern sie. Neben zu kurzen Zehen.

Annette Kalscheur



Kommentare
17.10.2012
00:08
Podologin aus Duisburg machte Ausbildung zur Zehenleserin
von Hugo60 | #1

Ich werde mich in die Kunst des Polesens einlesen und selbständig machen.


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