Das aktuelle Wetter Duisburg 11°C
125 Jahre Schallplatte

„Platte klingt immer besser“

23.05.2012 | 10:00 Uhr
„Platte klingt immer besser“
Nur wenige Schellack-Schätzchen, aber 13 000 LPs hatt Dieter de Bruyn zusammengetragen.Foto: Tanja Pickartz

Duisburg. Vor genau 125 Jahren meldete der Deutsch-Amerikaner Emil Berliner ein Patent an für einen scheibenförmigen Tonträger mit einer schneckenförmigen feinen Rille, die Töne analog abbildet. Berliner gab seiner Erfindung einen deutsche Namen: „Schallplatte“. Das Leben von Dieter de Bruyn prägt Berliners Erfindung seit Jahrzehnten – und unübersehbar.

13.000 Schallplatten hat der Rheinhauser gesammelt, genauer gesagt: rund 13.000: „Gezählt habe ich sie nicht, nur gemessen.“ Elvis kommt auf einen Regalmeter, die Beatles samt Solo-Platten brauchen noch mehr Raum. Ein ganzes Zimmer der Wohnung ist der Schallplatte gewidmet, sie füllen Regale an allen vier Wänden, vom Fußboden bis zur Decke, die Lücken werden immer weniger: „Man kauft immer wieder noch dazu“, beschreibt de Bruyn das Sammler-Leben. Nebenbei bemerkt: Mit Regalen für CDs ist de Bruyn schon in den Flur ausgewichen, rund 2000 Singles hat er im Keller der Tochter ausgelagert.

In den 60er Jahren begann die Leidenschaft

Begonnen hat die Leidenschaft des heute 63-Jährigen in den 60er Jahren, mit wenig Geld in der Tasche und viel Begeisterung für Musik, für Elvis, die Shadows, die Beatles, die Rolling Stones , die bei Radio Luxemburg und im Briten-Sender BFBS zu hören waren. Einmal im Monat maximal ging’s ab in den Plattenladen, die Single kostete vier Mark: „Eine Menge Geld.“

Von Duane Eddy, dem Rocker mit der „Twang-Gitarre“ war die erste eigene LP, kurz darauf stand die Musikwelt im Zeichen der Pilzköpfe aus Liverpool, gefolgt von West Coast-Musikern, psychedelischen Experimenten, schließlich Woodstock mit Heroen wie Ten Years After. „Das war die beste Phase“, meint de Bruyn.

Und eine kreative sowieso: Die Stones-LPs „Their Satanic Majesties Request“ mit dem Wackelbild-Cover und „Sticky Fingers“ mit dem von Andy Warhol entworfenen Hosenstallmotiv samt funktionsfähigen Reißverschluss künden davon in de Bruyns Sammlung.

Unappetitliche Finger in Dosen

Darin finden sich auch Varianten, Pressungen aus unterschiedlichen Ländern (besagte „Sticky Fingers“ fürs damals noch erz-katholische Spanien ohne Hosenstall, dafür mit leicht unappetitlichen Fingern in Dosen) oder mit vom Original abweichenden Song-Zusammenstellungen.

Ist so etwas wertvoll? Der ideelle Wert zähle für ihn, sagt de Bruyn, zu wissen, wo und mit wem er die Platte gekauft hat. Abgehobene Preise zu zahlen sei er noch nie bereit gewesen.

„Ich gehe nicht gezielt Platten einkaufen, ich stöbere, und ich finde“, beschreibt er seine Schatz-Suche. Plattenläden wie „33 1/3 “ in Duissern lohnten immer wieder einen Besuch. Gern fährt er auch nach Venlo, wo ein großer Plattenspezialist lockt: „Einmal im Monat darf man mich da gerne drei, vier Stunden absetzen.“

Trödelmärkte sind sein Revier

Und Trödelmärkte sind sein Revier, sagt de Bruyn: „Sie sind die beste Möglichkeit, an günstige Sachen zu kommen.“ Vor allem gebrauchte Klassik-Platten seien in aller Regel gut erhalten und meist der CD überlegen: „Platte klingt immer besser“, ist de Bruyn überzeugt.

Auch davon: „Es gibt kaum schlechte Musik.“ Beat und Rock füllt seine Regale, aber auch Filmmusik der letzten Jahrzehnte, Schlager der Vorkriegszeit von Comedian Harmonists bis Zarah Leander oder Ton-Dokumente, etwa vom „Faust“ in der Gründgens-Inszenierung oder vom Kennedy-Besuch in Deutschland 1963 („Isch bin ain Bölina“). Gekrönt wird alles von einer mehrere Regalmeter langen Aufreihung von Opern, jede aus mehreren LPs bestehend in einer schmucken Box.

Sein Plattenspieler leistet de Bruyn schon seit Jahrzehnten treue Dienste, eine superteure Edel-Anlage ist nicht sein Ding: „Ich investiere lieber in Schallplatten.“ Was er sich allerdings geleistet hat, sieht aus wie ein Schlicht-Plattenspieler, ist aber eine Platten-Waschmaschine. Sie sorgt dafür, dass auch ältere Scheiben noch jung klingen – Emil Berliner wäre stolz gewesen.

Willi Mohrs



Kommentare
23.05.2012
12:12
„Platte klingt immer besser“
von Harry.Hirsch | #1

Schöner Artikel!
Gut gechrieben. Gefällt mir, Herr Mohrs!

Aus dem Ressort
Heilige Barbara schützt Duisburger Museum
Unser Duisburg (68)
Glück auf, sagen die Herren in dem Duisburger Museum freundlich. Glück auf, grüße ich zurück. Klingt völlig normal an diesem Ort, zwischen Grubenlampen, Steigerstöcken, Abbauhämmern und Arschledern, zwischen all den Schätzen der Rheinhauser Bergbausammlung.
Neue ehrenamtliche Kirchenführer für Salvator
Kirche
Eigentlich ist Nadine Andrees katholisch – und doch hat sie sich sofort angesprochen gefühlt, als sie den Artikel in der Zeitung sah, dass ehrenamtliche Führer für die Salvatorkirche gesucht werden. Gemeinsam mit 15 weiteren Ehrenamtlichen hat sie nun eine Ausbildung absolviert
Diese Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf den Nahverkehr
Fahrplan
Der Wechsel zur Winterzeit in der Nacht auf Sonntag, wenn die Uhren von 3 auf 2 Uhr umgestellt werden, wirkt sich auf die Abfahrtszeiten der Nachtexpress-Linien bei der DVG aus. Hier haben wir für Sie die Fahrplanänderungen zusammengefasst.
Bibelgruppe aus Duisburg zu Besuch bei „Sister Act“
Musical
Die Gruppe „Bibel getanzt“ aus Huckingen um Schwester Bernadett Maria besuchte die Darstellerinnen des Musicals in Oberhausen. Gemeinsam wurde auf der Probenbühne des Theaters gesungen und getanzt.
Noch kein genauer Starttermin für Duisburger Landes-Asyl
Flüchtlinge
Drei Jahre lang soll das ehemalige St.Barbara-Hospital in Duisburg-Neumühl Unterkunft für Asylbewerber sein. Ob die ersten Flüchtlinge tatsächlich zum Jahresende aufgenommen werden, wie es das Land ins Auge gefasst hat, ist fraglich. Auch ein Träger, der das Heim betreibt ist noch nicht gefunden.
Fotos und Videos
Ende der Bauarbeiten auf der A59
Bildgalerie
Autobahn 59
Alternatives Wohnprojekt
Bildgalerie
Fotostrecke
Ehrengäste in lockerer Runde
Bildgalerie
NRZ-Sportfete