Platanenretter werfen Politik bei Mercatorstraße Wahlbetrug vor

So sah es früher in den 1930er Jahren vor dem Bahnhof aus. Die Postkarte mit der Ansicht stammt aus dem Archiv von Reinhold Stausberg. Er ist Mitglied der Zeitzeugenbörse - und war auch bei dem Treffen der Platanenretter dabei.
So sah es früher in den 1930er Jahren vor dem Bahnhof aus. Die Postkarte mit der Ansicht stammt aus dem Archiv von Reinhold Stausberg. Er ist Mitglied der Zeitzeugenbörse - und war auch bei dem Treffen der Platanenretter dabei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zu einem spontanen Treffen von BUND, Grünen und „Occupy Mercator“ kamen 50 Personen. Demo vor der Ratssitzung. Auch ein Bürgerbegehren ist denkbar.

Duisburg.. Die Platanenretter haben Wut im Bauch. Als die Verwaltung vor eineinhalb Jahren vorschlug, die Allee auf der Mercatorstraße zu fällen, weil sie die Straßenführung für die Bebauung ändern muss, formierte sich breiter Widerstand, der in einem Bürgerbegehren mündeten. Vor der Kommunalwahl hieß es deshalb, man wolle sich Alternativen überlegen, um die Bäume zu erhalten. Die engagierten Bürger glaubten, die Verwaltung bewege sich und wolle einen Kompromiss.

Vergangene Woche gab es dann in einer gemeinsamen Sitzung der Bezirksvertretung Mitte, des Umwelt das böse Erwachen. SPD und CDU entschieden sich für die Radikallösung, bei der 24 Platanen gefällt werden müssen. Zu einem spontan anberaumten Treffen von BUND, Grünen und der Bürgerinitiative „Occupy Mercator“ sind 50 Interessierte ins Café Museum gekommen. Sie sind fest entschlossen, alle Register zu ziehen: Sie planen eine Demo vor der nächsten Ratssitzung, wollen rechtliche Schritte prüfen und vielleicht sogar ein stadtweites Bürgerbegehren starten.

Alternative ist keine Alternative

Von „Wahlbetrug“ spricht Matthias Schneider, Sprecher der Duisburger Grünen und rät allen Anwesenden, sich vor der Ratssitzung nochmal an die Mandatsträger von CDU und SPD zu wenden. Eine Vertreterin der Interessengemeinschaft Altstadt weiß: „Die Stadt versteht nur, wenn man Radau macht“ – und verweist auf eine Aktion auf das klaffende Loch an der Steinschen Gasse.

Ähnliche Erfahrungen hat eine andere Teilnehmerin gemacht, die sich mit anderen für den Erhalt der Realschule Fahrn engagierte. Als diese auf der Kippe stand, schloss sie sich der Elterinitiative an. Vor dem Rathaus demonstrierten sie lautstark, später, auf der Zuschauertribüne, verlegten sie sich auf mahnende Botschaften in aller Stille.

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So viel ist allen Beteiligten im Raum klar: Der Beschluss wird am Montag gefasst. Aber die Alternative, bei der elf Bäume erhalten blieben, befürwortet auch niemand. „Ich möchte nicht über einzelne Bäume sprechen. Ich mache das natürlich, denn es ist besser als nichts“, betont Kerstin Ciesla, Sprecherin des BUND. Auch bei dem Expertengespräch, an dem sie teilnahm, sei es nur darum gegangen, dass die Stadt ihre Pläne vorstellte. „Das ist kein Dialog.“ Dietmar Beckmann (Grüne), stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr, fragt: „Wo ist eigentlich der Umweltdezernent? Warum sagt der nichts?“ Sebastian Ritter – er sitzt für die Grünen im Umweltausschuss – wettert: „Der Umwelt-Ausschuss präsentiert sich als Anti-Umweltausschuss.“

Stadtrat entscheidet nächste Woche

Da nun in der kommenden Woche der Stadtrat entscheidet und dem Beschluss eine stadtweite Bedeutung beigemessen wird, könnte ein Bürgerbegehren ebenfalls nur noch stadtweit organisiert werden. „Für den Bezirk Mitte hatten wir die Unterschriften schnell zusammen, aber dann müssten wir auch die Walsumer und Rheinhauser überzeugen“, gibt Kerstin Ciesla zu bedenken. Andererseits könnte die Platanenretter wohl auf die Unterstützung anderer Initiativen zählen – etwa die BI Luft aus Rheinhausen. Die Anwohner vom Wambachsee wollen sie zum Mitmachen bewegen und die Anlieger des Zinkhüttenplatzes haben auch noch eine Rechnung offen mit der Stadt...

Norbert Bömer von der BI Luft, erklärt sich jedenfalls bereit, auch auf der anderen Rheinseite für Unterstützung zu werben. „Das ist eine Heidenarbeit. Wer mehr als ein Wochenende Zeit hat und mitmachen will, kann sich in eine Liste eintragen“, schlägt Kerstin Ciesla vor. Andere wollen über die Sozialen Netzwerke mobilisieren.

Stadt dringt auf eine Entscheidung

Warum ist die Entscheidung so dringend, wenn doch noch kein Investor gefunden ist? „Die Stadt ist von der Bezirksregierung aufgefordert worden, bis zum 12. März zur Förderung der Maßnahme den Förderantrag zu qualifizieren“, erklärt ein Stadtsprecher.

Bewilligungsbescheid erfolgt Ende des Jahres

Das beinhaltet auch einen detaillierten Finanzierungs- und einen Bauablaufplan. Deshalb muss der Rat eine Entscheidung für eine der beiden Varianten am kommenden Montag treffen. Die Stadt geht davon aus, dass auf dieser Grundlage ein Bewilligungsbescheid für die Fördermaßnahme Ende des Jahres erfolgt und somit eine Abstimmung zwischen den Maßnahmen „Ausbau des Portsmouthplatzes“ und „Umbau der Mercatorstraße“ möglich ist. Der Ausbau des Platzes soll bereits Ende 2015 beginnen und voraussichtlich im Jahre 2017 abgeschlossen werden.

Der Umweltdezernent Dr. Ralf Krumpholz hält sich übrigens bedeckt. „Als Umweltdezernent wäre ich natürlich für die zweite Alternative, bei der elf Bäume stehen bleiben. Aber an dieser Stelle hat das Thema Stadtentwicklung Vorrang.“