Platanen unter Polizeischutz gefällt

Um 12.30 Uhr hatte gestern Mittag der tonnenschwere Fällkran „Doll Tree Trimmer Z930“ seinen mit 326 PS angetriebenen Greifarm samt Hochleistungs-Kappsäge endgültig eingefahren. Seine Arbeiten, wie auch die Bäume, waren erledigt: Alle Platanen im vorderen Teil der Mercatorstraße lagen auftragsgemäß – bis auf vier Stück - akkurat abgesäbelt und ordentlich zerteilt in große Stücke am Boden. Drumherum, ein paar fassungslose Bürger und Passanten – in hilfloser, zorniger Wut.

Bereits um 7.30 Uhr hatte eine Meidericher Spezialfirma im Auftrag der Stadt unter massivem Polizeischutz damit begonnen, die zwei Dutzend Platanen am Hauptbahnhof zu fällen. Ein etwa 30 Mann starker Trupp Bereitschaftspolizei sollte nach Worten eines Polizeisprechers dafür sorgen, dass keine Straftaten begangen werden, die im Vorfeld von Aktivisten angekündigt worden seien („Werden uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen!“). Die Polizei sollte verhindern, dass Aktivisten in letzter Minute den Bauplatz oder gar Bäume besetzen. Das Katz-und-Maus-Spiel vom Vortag sollte es gestern am Tag X nicht mehr geben. So lief der Kahlschlag für die Stadtplaner, oberflächlich betrachtet, eigentlich sehr erfolgreich ab. Stadtplanung unter Polizeischutz!

Auch wenn eine brütende Rabenkrähe samt ihrem Nest dann doch noch dafür gesorgt hatte, dass eine mächtige Platane samt verwachsenem Nachbarbaum vorerst nicht gefällt werden darf. Vorerst, wohlgemerkt. Die geplanten Leitungsarbeiten an der Mercatorstraße würden sich, so eine Sprecherin der Stadt, dadurch aber nicht verzögern, weil man für die Wurzeln dieses Baumes keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen treffen müsse. Wenn das Nest dann leer sei, würden auch diese Bäume sofort fallen. Zwei weitere Bäume würden aber erst dann gefällt, wenn tatsächlich das geplante Bürohaus an dieser Stelle errichtet werde. Möglicherweise also nie.

Während die Polizei zwei Versuche von Baumschützern am frühen Morgen, den Zaun zu übersteigen oder die Arbeiten durch eine Sitzblockade auf der Mercatorstraße doch noch zu stoppen, handgreiflich vereitelte, sammelten Akteure des BUND und der Grünen vor Ort und stadtweit trotzig weiterhin Unterschriften für ein Bürgerbegehren, das es so nicht mehr geben wird. Weil das Anliegen, „Erhalt der Platanenallee“, bereits vom Fällkran-Doll-Tree-Trimmer Z930 aus der Welt gesäbelt worden war.

Und auch die Bezirksregierung erteilte dem BUND am gestrigen Dienstagmorgen eine Absage auf eine verzweifelte Anzeige: Nein, eine Gefährdung der Stadt für zugesagte Fördermittel sei nicht gegeben – kein Grund also, die Fällung der Platanen zu stoppen. Wäre auch gar nicht mehr möglich gewesen.

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