Das aktuelle Wetter Duisburg 16°C
Loveparade

Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele

21.12.2010 | 16:42 Uhr
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
Wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe: Künstler Jürgen Meister aus Grevenbroich mit seinem Entwurf für eine Stele zum Gedenken an die Opfer der Loveparade-Katastrophe. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Duisburg.Plagiatsvorwürfe gegen Jürgen Meister bringen die Initiative Spendentrauermarsch in die Bredouille: Der Künstler soll den Entwurf der Stele zum Gedenken an die Loveparade-Opfer „geklaut“ haben. Die Lizenz zur Verarbeitung der Grafik hatte er wohl.

Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings war am Dienstagmittag „einfach ratlos und entsetzt. Wie kann uns das ein Künstler in einer Zeit solcher Offenheit verschweigen und dann noch glauben, dass so etwas unentdeckt bleibt?“ Peinlich berührt hatten ihn die Plagiatsvorwürfe gegen den Künstler Jürgen Meister. Am Montag erst hatte eine Jury der Initiative Spendentrauermarsch um den Alt-OB bekanntgegeben, dass sie Meisters Entwurf einer Gedenkstele für die getöteten und verletzten Opfer der Loveparade aus 39 Vorschlägen einstimmig ausgewählt hat.

Die Schwarzweiß-Grafik bei Fotolia.de

Der genaue Vorwurf, den nach der Berichterstattung auch DerWesten-Leser formulierten: Der Grevenbroicher Künstler habe den Entwurf bei der Online-Bildagentur Fotolia geklaut. Dort bietet User „pdesign“ verschiedene Formate einer Schwarzweiß-Darstellung zum Himmel gereckter Hände zum Verkauf. Je nach Dateigröße und Umfang der Lizenzen verlangt der Anbieter für den Download zwischen 75 Cent und 26,25 Euro. Und: Die Silhoutte der Grafik ähnelt der von Meisters Entwurf bis auf zahlreiche Details genau. Die Vorlage erlaubt obendrein die vielfach gelobte Doppeldeutung: Auf den ersten Blick jubeln die Hände, auf den zweiten flehen sie um Hilfe. Haltung und Position einzelner Arme, Hände und Finger hat Meister sogar eins zu eins übernommen.

Konter mit Marcel Duchamps „Ready-made“

Nichtsdestotrotz verweist der attackierte Künstler, der seine Arbeiten zum Beispiel 2003 in der Galerie des Duisburger Lehmbruck-Museums ausstellte, auf seine künstlerische Eigenleistung: „Ich werde hier auf ungerechte Weise diskreditiert und verleumdet.“ Die Plagiatsvorwürfe seien „vollkommen haltlos.“

Dabei bestreitet der 57-Jährige gar nicht, mit der bei Fotolia angebotenen Grafik gearbeitet zu haben, verweist aber auf seine Arbeitsweise: „Früher haben sich Künstler von der Natur inspirieren lassen, ich lasse mich von der modernen Welt, von Grafiken, Fotos und Bildern inspirieren, wie sie auf solchen Internet-Plattformen zu sehen sind.“ Auf dem Weg zu „meinem Kunstwerk“ habe er Darstellungen feiernder Menschen im Internet gesucht, gefunden - und erworben. So auch die Fotolia-Dateien: „Ich habe alle Lizenzen gekauft und damit auch das Recht, daraus Derivate zu kreieren.“

Meisters Entwurf. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Aus der (foto)grafischen Vorlage habe er „durch Bearbeitung, Ergänzung, Löschung und weitere Veränderungen meine Idee einer Silhouette entwickelt, die dann auch zum Schneiden der Stahlbramme verwandt werden wird.“ In das zwei mal sechs Meter große Stahlrelief will Meister zudem die Namen der 21 Todesopfer eingravieren.

Letztlich habe er also „zitiert, nicht geklaut“, frei nach Marcel Duchamp, der den Begriff des „Ready-made“ prägte: Sinngemäß ist danach bereits die Selektion existierender Objekte und deren Versetzen in einen künstlerischen Zusammenhang ein künstlerischer Akt. Mit dieser Argumentation kontert letztlich auch Jürgen Meister die Plagiatsvorwürfe.

Jury berät am Mittwoch

Wie dem auch sei: Einige der acht Jury-Mitglieder sehen sich in der Bredouille. Im Gremium sitzt neben Josef Krings jeweils ein Mitglied der Vereine, die der Initiative Spendentrauermarsch angehören (Pro Duisburg, Lions-Club Duisburg-Rhenania, Bürgerhaus Steinhof in Huckingen und Stadtsportbund). Und auch Sabine Siebenlist hatte mitentschieden: Ihre Tochter war bei der Loveparade ums Leben gekommen. „Und besonders die Angehörigen der Todesopfer“, erklärt Josef Krings, „haben sich für den Siegerentwurf eingesetzt, weil er nach ihrem Empfinden die Emotionen, die Antmosphäre so genau trifft.“

Trauermarsch für Mahnmal

Besonders darum übte sich Hermann Kewitz, Vorsitzender von Pro Duisburg, am Dienstagnachmittag in Gelassenheit: „Wir wollten kein Kunstwerk von Jürgen Meister, sondern eines, das die Gefühlslage trifft, eines, das uns geeignet scheint, an die Opfer zu erinnern und zu mahnen.“ All diese Kriterien erfülle der Siegerentwurf nach wie vor, „unabhängig davon, wer die Idee dazu hatte.“ Gleichwohl gestand Kewitz mit „besonderer Erleichterung vernommen zu haben“, dass Jürgern Meister auch die Lizenz zur künstlerischen Weiterverarbeitung der Vorlage erworben hatte.

Aus Spenden finanziert

Schon am Mittwoch wollen die Juroren zusammenkommen und beraten, welche Position sie vertreten wollen. Während Josef Krings am Dienstagmittag einen Neustart des Ideenwettbewerbs für möglich hielt, verweist Kewitz auch auf die juristische Beurteilung: Danach, so scheint es, hatte Meister das Recht zur Verwendung der Vorlage. „Aber auch das“, bilanziert Kewitz, „müssen wir ganz genau prüfen.“

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

In einer Pressemitteilung am späten Dienstagnachmittag bedeuert die Initiative Spendentrauermarsch „zutiefst, dass es in Zusammenhang mit der Gestaltung des Gedenkzeichens, das im Wesentlichen aus Spendenmitteln Duisburger Bürgerinnen und Bürger finanziert wurde, zu einer solchen Irritation gekommen ist.“

Philipp Wahl

Facebook
 
Kommentare
22.12.2010
21:45
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von turnaround | #141

Zu #113: Besser als mit anrührend kann ich, das, was ich dabei empfinde, leider nicht beschreiben. Kann nur hoffen, dass der Alternativ-Entwurf, den die Juroren im nächten Jahr präsentieren wollen, auch nur annähernd die Intensivität des Entwurfs von Herrn Meister erreicht.

22.12.2010
14:22
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von HeinzK. | #140

Duisburg – Künstler Jürgen Meister zieht Wettbewerbsbeitrag zurück

http://www.xtranews.de/2010/12/22/duisburg-kuenstler-juergen-meister-zieht-wettbewerbsbeitrag-zurueck/

Damit dürfte die Diskussion um Meister beendet sein.

22.12.2010
14:06
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von HeinzK. | #139

@#138 von Kummig , am 22.12.2010 um 12:02
Zu. Sozusagen genau so wie die Genehmigung der Loveparade.

Ein Oberbürgermeister, der nichts unterschrieben hat unnd sich um seine Schulter mehr Gedanken als um die Opfer macht. Dann versucht er sich selbst als Opfer zu vermarkten, und zwar mit Hilfe einnes PR-Beraters. Dann dieses teure Gefälligkeitsgutachten von Frau Dr. Jaspers. Und nun der geistige Diebstahl von dem Meisterkünstler.

Duisburg bleibt wohl nichts erspart.

Duisburger Stelen-Posse: „Es ist ein Bild der Freude“ – Urheberin denkt über rechtliche Schritte gegen Jürgen Meister nach.

http://www.xtranews.de/2010/12/22/duisburger-stelen-posse-es-ist-ein-bild-der-freude-urheberin-denkt-ueber-rechtliche-schritte-gegen-juergen-meister-nach/

22.12.2010
12:02
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von Kummig | #138

Da gibts nu wirklich nichts zu diskutieren. Wenn er weder über die Urheberrechte des Fotos noch eine Genehmigung des Rechteinhabers verfügt, dann ist das was dieser Herr gemacht hat illegal.

Sozusagen genau so wie die Genehmigung der Loveparade.

Oh Mann :-(

22.12.2010
11:54
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von M.Ecker | #137

ja sicher, ich habe das motiv schon tausendmla gesehn, zuletzt auf einer chipstüte! bei soviel kohle sollte etwas anderes herauskommen als eine internetrecherche und gut ist!

22.12.2010
11:52
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von HarryHirsch | #136

War da nichtmal was von wegen das es ein Duisburger Künstler sein sollte?
Oh mann!

22.12.2010
11:27
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von Prospel | #135

Nicht nur jubelnde und feiernde Menschen strecken die Hände zum Himmel , sondern auch ertrinkende, untergehende, am Boden liegende, um Hilfe bittende. Es ist diese Ambivalenz der Geste, die Meister erkannt und als originäre Wahrnehmungsleistung für sich beanspruchen kann.
Ein zweites Thema ist sein ziemlich laxer Umgang mit Urheberrechten und die doch eher abstruse Rechtfertigung mit dem Kunstbegriff Raedy-made und das sich Berufen auf Marcel Duchamp

22.12.2010
11:23
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von Tempomat auf 250 | #134

Die künsterische Schöpfungshöhe geht ja wohl bei genauer Betrachtung gegen Null. Es zeigt aber wie man schnell man 26000 € verdienen kann.Aber ist ja nur brutto.

22.12.2010
11:15
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von Das Orakel | #133

@131: das ist Unsinn. Ob man nun einen Kopier nimmt oder die Vorlage auf der CNC-Maschine oder dem Plasmabrenner kopiert, macht letztlich keinen wesentlichen Unterschied und berechtigt auch kleineren Retuschen und einem anderen, selbst ausgedachten Kontext ja wohl noch nicht dazu das dann als sein eigenes Werk auszugeben, oder?!

Sonst könnten Sie auch jeden Kinofilm als eigenen Bildband verkaufen, wenn sie eine DVD mit kommerziellen Vorführrechten erworben haben.

22.12.2010
11:04
Plagiatsvorwürfe gegen Künstler der Gedenkstele
von Pandorina | #132

Das erste was ich dachte, als ich dieses Ding sah?

Und dann die Hände zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein.......

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
BUND erwägt Klage wegen Feinstaub-Belastung in Duisburg
Umweltblastung
Der BUND hat die Stadt Duisburg und die Bezirksregierung aufgefordert, die Feinstaub-Belastung in der Stadt zu senken. An fünf von sieben Station im Stadtgebiet sind die Werte schon jetzt viel zu hoch. Der Umweltverband fordert nun Gegenmaßnahmen und droht mit einer Klage.
Niederländer baut alten Bahnhof zum Therapiezentrum um
Projekt
Der alte Meidericher Bahnhof, zuletzt ein wenig attraktiver Ort zwischen Sparkasse und Bezirksamt, wird kurzfristig aufpoliert – und bereits im Oktober eröffnet dort ein Gesundheitszentrum.
Foto Text