Pianist Martin Stadtfeld in extravaganter Pose

Martin Stadtfeld sprang beim Klavier-Festival am Montag für Alice Sara Ott in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord ein.
Martin Stadtfeld sprang beim Klavier-Festival am Montag für Alice Sara Ott in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord ein.
Foto: Mohn/KFR
Was wir bereits wissen
Beim Klavier-Festival Ruhr springt der Künstler für Alice Sara Ott ein. Sowohl bei Bach als auch bei Schumann herrschen mehr Willkür als Logik.

Duisburg.. Wenn für die erkrankte Alice Sara Ott ein Künstler von der Prominenz eines Martin Stadtfeld von Sonntag auf Montag einspringt, dürften die dicken Schweißperlen auf der Stirn des Veranstalters recht schnell trocknen. Das merkte man Prof. Franz Xaver Ohnesorg, dem künstlerischen Leiter des Klavier-Festivals Ruhr, auch deutlich an, als er in der voll besetzten Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord den 34-jährigen Künstler begrüßen durfte.

Auf dem Programm standen Werke von Bach, dem Giganten, mit dem Stadtfeld einst von der Medienindustrie zum Shooting-Star katapultiert wurde, und Robert Schumann, den er unlängst mit einer neuen CD beehrte. Mit seinem extravaganten Bach-Spiel erregte er seinerzeit Aufsehen. Heute beeindruckt er nach wie vor durch seine ungemein differenzierte Anschlagskultur, die er freilich so manieriert einsetzt, als wollte er Glenn Gould und Ivo Pogorelich an Originalität noch übertrumpfen.

Schnelle und langsame Tempi

Allerdings mit dem Unterschied, dass bei Gould selbst im dicksten polyphonen Geflecht kein Ton verloren geht, die Balance zwischen Melodiestimme und figurativem Beiwerk absolut ausgewogen bleibt und die Phrasierung die melodische Linie nie vernachlässigt. Was aber macht Stadtfeld? Er provoziert extrem schnelle und extrem langsame Tempi, atomisiert das Thema der berühmten d-Moll-Toccata bis zur Unkenntlichkeit und säuselt den zentralen cantus firmus in der c-Moll-Passacaglia so gekünstelt und schwach, als wollte er ihn verschämt verbergen.

Manches wird glasper-lenhaft hingetupft, manches mit dem rechten Pedal symphonisch aufgedonnert. Alles mit mehr Willkür als Logik. Der Musik dient diese selbstherrliche Pose nicht.

Kein euphorischer Beifall

Nicht viel besser ergeht es Schumann. Die Toccata in C-Dur hämmert er ohne Rücksicht auf die melodischen Linien atemlos und mechanisch wie eine seelenlose Etüde vor sich hin. Und die ausladende, ganz im Sinne Jean Pauls formal zersplitterte Humoreske verliert durch die stilistischen Extravaganzen des Musikers jeden Zusammenhalt.

Ein Abend, der viel über den Künstler verrät, wenig über die Musik. Der Beifall fiel freundlich, ab und zu begeistert aus, aber nicht euphorisch.