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Pensionierter Lehrer fordert Stadtteilmanager für Duisburg-Beeck

20.03.2011 | 10:00 Uhr
Holger Lambrecht (l.) mit WAZ Redakteur Willi Mohrs auf dem Beecker Marktplatz.Foto: Hayrettin Özcan

Duisburg.   Beim Rundgang durch Duisburg-Beeck erläuterte der pensionierte Lehrer Holger Lambrecht seinen Stadtteil mit all seinen Seiten. Unter anderem kritisiert er fehlende Freizeitangebote für Jugendliche und fordert einen hauptamtlichen Stadtteilmanager.

„Beeck hat viel Schönes, aber auch andere Seiten.“ Holger Lambrecht redet Klartext, wenn es um seinen Stadtteil geht: Kaufkraftverlust, Überalterung, Arbeitslosigkeit, Leerstände, hoher Migrantenanteil. Aber er sieht auch Positives, etwa die engagierten Beecker Bürger.

Beispielsweise die vom Netzwerk Oberhof, denen es gelungen ist, das historische Gebäude im Winkel von A 42 und Friedrich-Ebert-Straße in ihre Obhut zu nehmen. Der denkmalgeschützte ehemalige Adelssitz mit mehr als tausendjähriger Geschichte soll einmal neuer Mittelpunkt für Kultur und Miteinander im Stadtteil werden: „Das fehlt uns“, sagt Lambrecht.

"Insel" Beeck

Duisburgs Stadtteile IV

Beeck liege quasi in „Insellage“ zwischen Autobahn, Eisenbahn und Emscher, „ein Straßendorf von der Historie her“, wohlhabend geworden in Zeiten der Industrialisierung, in den letzten Jahren gebeutelt vom Strukturwandel. Wo einst eine betuchte Kaufmannschaft ihr gutes Aus- und Einkommen hatte, an der Friedrich-Ebert-Straße vor allem, stellt Lambrecht jetzt „eine Dönerbude nach der anderen“ fest.

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Discounter, Lebensmittelhändler, die gibt’s aber auch. „Die Grundversorgung ist gewährleistet“, sagt Lambrecht, einige wenige alteingesessene Geschäfte hätten sich halten können. Aber auch der Markt verliere an Zugkraft. Sehenswert am Platz in der Mitte Beecks: die alte Adler-Apotheke mit ihrer aufwendig verzierten Backstein-Fassade, gebauter Bürgerstolz.

Wir gehen weiter über die Ebert-Straße, die gesäumt ist von jungen Bäumchen in schützenden Bottichen, gesponsert von Doris König aus der Brauer-Familie. Die Brauerei gehört inzwischen dem Bitburger-Konzern, der Name Beeck steht aber nach wie vor auf jeder Köpi-Flasche.

Wenig Freizeitangebote für Jugendliche

Zahlen und Daten
Beeck in 60 Sekunden

Beeck gehört zum Stadtbezirk Meiderich-Beeck und hat nach amtlichen Angaben 10.950 Einwohner. Davon sind 5518 weiblichen und 5432 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 23,5 Prozent.

Der Hof Beeck wird im 10. Jahrhundert erstmals erwähnt, als er dem Stift Essen geschenkt wurde. 1904 wurden Beeck, Laar und Beeckerwerth nach Ruhrort eingemeindet, und ein gutes Jahr später kamen Ruhrorts und mit Meiderich zu Duisburg.

„Beeck ist als Wohnstandort durch die hochwertigen alten Arbeitersiedlungen und die umliegenden Grün- und Freiräume attraktiv. Auch der Ortskern mit dem Marktplatz hat gute städtebauliche Qualitäten“, heißt es bei der Stadt Duisburg (www.duisburg.de).

Zwei Grundschulen, zwei Sonderschulen, eine Realschule gibt es in Beeck, für die Freizeit der Jugend allerdings recht wenig, so Lambrecht. Dafür leide man unter dem Verkehr. Die Belastung werde durch einen geplanten Umbau der Ebert-Straße wohl nicht weniger: „Das wird kritisch werden.“

An der Pothmannstraße stehen wir vor einem Rohbau , der in die Höhe wächst. Die Firma Inter-Rex gehöre zu den wenigen Investoren in Beeck, erläutert mir Lambrecht, dahinter steht die König-Familie. Wir biegen ein in die Prinz-Friedrich-Karl-Straße, an deren einer Seite sich ausgediente Sudkessel der im 18. Jahrhundert gegründeten Brauerei reihen. Eine schmucklose Wand, vielleicht fünf Meter hoch, trennt im weiteren Verlauf der Straße Brauerei und Beeck, keine Augenweide.

Im Gegensatz zu dem kleinen Park, durch den wir auf die Kirche St.Laurentius zugehen – und auf eine Besonderheit: ein Kloster. Drei Patres der Franziskaner-Minoriten sind dort tätig. Weiter geht’s zur Welkenbergstraße, für Lambrecht eine der „Vorzeigestraßen“ des Stadtteils, wo die Eigentümer in ihre Gebäude investieren. Ähnlich sei es an anderen Straßen abseits der Hauptstraße. Sehenswert: die Prachtfassaden an der Schleiermacherstraße.

Hohe Kleingartendichte

„Kohle und Stahl haben Geld nach Beeck gebracht“, erklärt Lambrecht, so sei es noch nach 1945 gewesen. Die Hochöfen von Thyssen-Krupp gehören zur Beecker Kulisse, man hat immer mit der Industrie gelebt und von ihr. Lärm und Dreck gehörten dazu, sind aber laut Lambrecht spürbar weniger geworden: „Es hat sich unheimlich viel getan.“

Drei Parks gebe es in Beeck, massenhaft Kleingärten und an vielen Straßenränder beeindruckende alte Bäume. Was Beeck brauche, um wieder voranzukommen? „Einen hauptamtlichen Stadtteil-Manager“, sagt Lambrecht.

Willi Mohrs

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2011-03-20 10:00
Duisburg