Pegida zerlegt sich munter weiter

Die Pegida-Bewegung zerlegt sich auch in Duisburg munter weiter. Sebastian Nobile, der bei den beiden letzten Demonstrationen in Duisburg als Anmelder und vor allem als Frontmann versucht hatte, den Kundgebungen einen Hauch vermeintlicher Bürgerlichkeit zu geben, war gestern Abend am Fernbus-Bahnhof nicht mehr zugegen. Aus persönlichen und politischen Gründen habe er sich aus dem Orga-Team von Pegida-NRW zurückgezogen. „Ich werde politisch in Zukunft andere Prioritäten setzen“, verlautbarte Nobile gestern über die sozialen Netzwerke.

Neuer Mann am Pegida-Mikro war gestern Abend Marco Carta-Probach, der auch bereits mit Melanie Dittmer (Pro NRW) und Sebastian Nobile in bei der Kögida-Kundgebung in Köln aufgetreten war. Und der bekannte erst einmal „Ich bin Halbitaliener und stolz darauf“ nachdem seine Klientel immer wieder lautstark „Ausländer raus“ gerufen hatte.

„Toleranz für Rechte“

Laut Polizeiangaben beschworen wieder rund 170 Teilnehmer die Islamisierung des Abendlandes. Und wie in den beiden Wochen vorher waren es in der Mehrzahl nicht die „Wutbürger“, die man aus den Fernsehbildern aus Dresden kennt, sondern vor allem Neonazis und Hooligans, die das Kundgebungsbild prägten. So sehr, dass es dann während des Spaziergangs auch dem Orga-Team zu viel wurde. Sie stoppten den Zug und forderten die „Ausländer-raus-Rufer“, die dem Vernehmen nach vor allem aus der Dortmunder Neonazi-Szene kamen, auf, den Aufzug zu verlassen.

Nach der Wanderung um den Block forderte Michael Brück von der Dortmunder Partei „Die Rechte“ hat am offenen Mikro der Pegida-Demo „Toleranz für Rechte“. Ein zweiter Redner der Partei wollte ebenfalls ans Mikro. Pegida verhinderte dies aber mit den Worten, die Bewegung sei nicht parteigebunden. Mit der Drohung: „Wir kommen wieder“ beendete Pegida NRW die Kundgebung.

Und dann gab es noch die Kundgebung der „Bewegung für direkte Demokratie“, die der Duisburger Matthias Elger, selbsterklärter Konservativ-Liberaler, anmeldet hatte. Ein Bewegungs-Titel, den auch die ehemalige Pegida-Frontfrau aus Dresden, Katrin Oertel, gerne in ähnlicher Form ihrem neuen Verein geben würde. Nur mit der Mobilisierung klappte es nicht so ganz.

Abgespaltet und einsam

Zu Beginn seiner Kundgebung stand Matthias Elger allein mit seinem Lautsprecher-Mikro an der Friedrich-Wilhelm-Straße, umringt von sechs Polizisten: „Ich finde die Ideen von Pegida grundsätzlich gut, will mich aber deutlich von rechtem Gedankengut distanzieren.“ Außerdem fordert der 42-jährige Controller mehr Bürgerbeteiligung auf Bundesebene. Doch weil es so einsam war, löste er bereits um 18.40 Uhr seine eigene Versammlung auf.

Vor dem Hauptbahnhof stehen derweil wieder die Teilnehmer der Gegendemo, zu der „Duisburg stellt sich quer“ und „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“ eingeladen hatten. Nach offiziellen Polizeiangaben sollen es in den Spitzenzeiten 300 Teilnehmer gewesen sein, die gegen den Pegida-Aufmarsch protestierten. Die Organisatoren kritisierten, wie in der letzten Woche, dass das Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage und der Deutsche Gewerkschaftsbund nicht zu einer Gegendemonstration aufgerufen hatte. Jürgen Aust mahnte, dass gerade Gewerkschafter zu solchen Anlässen gegen Rechts demonstrieren müssten. In geschlossenen Räumen könne man sie nicht bekämpfen. Den Aufruf hatte sich Verdi zu Herzen genommen und seine Mitglieder zur Teilnahme an der Gegendemo aufgefordert.

Die Polizei sprach derweil von einem ruhige Abend, der aus ihrer Sicht ohne Zwischenfälle verlief.