Pegida droht: „Bis nächsten Montag!“

Lautstark protestierten gestern Abend vor allem die Teilnehmer, die dem Aufruf des Duisburger Netzwerks gegen Rechts gefolgt waren. Bereits ab 17.30 Uhr machten die Demonstranten Stimmung. Im Laufe des Abends füllte sich der Bahnhofsvorplatz zusehends. Etwas hektisch wurde es, als gegen 17.50 Uhr etwa 25 Antifa-Mitglieder die Polizeiblockade zwischen dem Kundgebungsort von Pegida und dem Bahnhofsvorplatz überwanden und sich zu einer Sitzblockade auf der Mercatorstraße niederließen. Die Einsatzhundertschaft der Polizei löste diese durch sanften Druck allerdings schnell wieder auf.

Auch während die Pegida ihren offiziellen „Spaziergang“ um den Block antraten, versuchten immer wieder Mitglieder der Antifa durch die Polizeiblockaden zu brechen. Ein großes Polizeiaufgebot verhinderte massive Zusammenstöße. Aber es gab auch durchaus humoristische Einlagen während der Kundgebung. „Hass und Angst zu verbreiten ist auch keine Lösung“ stand auf einer hochgehaltenen Leinwand, „Islamphobie, das ist bekannt, endet oft am Döner“ lautete ein anderer Slogan.

„Es herrscht Hysterie“

Währenddessen propagierten die Redner der Pegida-Kundgebung immer wieder ihre angebliche Verortung in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft. Überhaupt, so betonte es Sebastian Nobile als Demo-Anmelder, würde wegen „vollkommen logischer Positionen“ von Pegida Hysterie herrschen. Natürlich sei man nicht islamfeindlich, sondern -kritisch. Das wurden die anderen Pegida-Redner nicht müde zu betonen.

Kurze Aufregung herrschte, als sich eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen von der Wittekindstraße her dem Fernbusbahnhof näherte. Die Polizei bildete zügig einen Riegel, den sie aber schnell wieder auflöste. Statt eines befürchteten Durchbruchs von Antifa-Mitgliedern handelte es sich um „Kameraden aus Aachen“, die Nobile herzlich begrüßte. Diese „Kameraden“, die Kenner der Szene den rechtsdominierten Hooligans von Alemania Aachen zuordnen, waren auf ihrem Weg zur Pegida-Demo auf Gegendemonstranten gestoßen und sollen mit Steinen geschmissen haben. Während sich auf dem Kundgebungsgelände zunächst etwa 80, dann etwa 260 Teilnehmer versammelten, kamen während des Marschs noch weitere Anhänger hinzu. Die Polizei sprach zum Schluss von etwa 600 Pegida-Anhängern, „davon 250 aggressive Hogesa“ (Hooligans gegen Salafismus).

Überhaupt passten so manche Anhänger so gar nicht zur bürgerlichen Fassade, die zwei Pegida-Redner so verzweifelt versuchten, aufrecht zu erhalten.

Da sprach Pfarrer Paul Spätlich aus Emmerich sehr lobend über den Kampf gegen den Islam, den die Christen schon seit Jahrhunderten führten und beklagte sich bitterlich darüber, dass seine Oberen am Kölner Dom das Licht ausgeschaltet hatten. Da marschierte unter den selbsternannten Rettern des Abendlandes mit Claus Cremer ein sichtlich stolzer Landesvorsitzender der NPD-NRW bei der Pegida-Demo mit. Und während der MSV bei seinem Testspiel gegen Werder Bremen Streifen zeigte für Integration, Respekt und Toleranz, zeigten mehrere MSV-Hools am Fernbusbahnhof, was sie von der Botschaft ihres Vereins hielten.

Gerangel gab es auch, als sich die Demonstrationen am Hauptbahnhof auflösten. Die Polizei sperrte den Bahnhof, um den Pegida-Anhängern eine gesicherte Abreise zu ermöglichen. Eine größere Gruppe der Antifa versuchte, durch den Querungstunnel auf die Ostseite zu kommen. Die Polizei stellte sich dazwischen. Erfolgreich. Ein Mann, der Bengalos auf einen Beamten geworfen hatte, wurde festgenommen.

„Besorgte Bürger“

Nicht allein gegen Pegida, sondern auch „gegen den Alltagsrassismus, der auch aus der Mitte der Bevölkerung“ komme, ging erklärtermaßen die Initiative gegen Duisburger Zustände gestern vor dem Kaufhof auf die Straße. Wie ein Teilnehmer für die Initiative gegen Duisburger Zustände erklärte, lege die Initiative nicht so sehr den Focus auf die Verteidigung Duisburgs gegen Rechtsextreme: „Es geht nicht um ein kleines militantes Grüppchen von Neonazis, sondern um den sogenannten besorgen Bürger, der Pegida unterstützt und in Duisburg beheimatet ist und dafür gesorgt hat, dass Rechte im Rat sitzen.“