Paten spenden 803 Bücher
02.09.2010 | 19:08 Uhr 2010-09-02T19:08:00+0200
Duisburg.Offiziell hat der Rat beschlossen, dass die Stadtbibliothek über einen Anschaffungsetat von 900 000 Euro verfügt; 25 000 Medien könnten davon erworben werden.
Im letzten Jahr durfte sie 500 000 Euro ausgeben, 2010 noch keinen Cent. Folge: Die Aktualität des Bestandes ist gefährdet. Da sei es kein Wunder, wenn die Nutzer die Lust verlören, in die Büchereien zu kommen, sagt Dr. Martin Fasselt von der Bürgerstiftung Bibliothek, die versucht gegenzuhalten – mit ihrer im April gestarteten Buchpaten-Kampagne.
803 Bücher im Wert von 11 700 Euro sind in vier Monaten gespendet worden. „Eine ganz hervorragende Zahl, die Mut macht“, sagte Fasselt am Donnerstag. Mut weiterzumachen, obwohl er weiß, dass diese Zahlen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Ihm und Buchpatin Asli Sevindim geht es sowohl darum, die Initiative auszubauen als auch „der öffentlichen Hand aufzuzeigen, dass etwas geschehen muss“.
Die Stadtbibliothek gehöre nicht nur zu den Grundlagen der Gesellschaft, sie sei auch „einer der allerersten Orte der Integration“, sagt Sevindim. „Was ich in der Schule geschafft habe, habe ich dem einfachen Zugang zur Bibliothek Hamborn zu verdanken“, so die Journalistin.
Bibliothekschef Dr. Jan-Pieter Barbian erweitert den Kreis derer, die günstige Bildungsmöglichkeiten dringend benötigen: „Wir haben 80 000 Hartz-IV-Empfänger.“ Neben Essen sei Duisburg bundesweit die einzige Stadtbibliothek ohne Anschaffungs-Etat.
Wer Buchpate werden möchte, kann in 15 Buchhandlungen im gesamten Stadtgebiet aus Listen den oder die Titel auswählen, die gespendet werden sollen. Die gekauften Bücher werden wöchentlich an die Bibliothek ausgeliefert. Ab 50 Euro werden Spendenquittungen ausgestellt. Die Buchpaten werden auf Wunsch mit ihrem Namen im Buch genannt und können als erste das Buch ausleihen.
Unternehmen können ab einem Buchkauf von 150 Euro ihr Logo in die gespendeten Bücher einpflegen lassen. Ab 200 Euro wird das Logo auch auf der Internetseite wiedergegeben. Und ab 1000 Euro wird die Werbung auf einem eigenen Buchpatenposter ermöglicht.

19:12
@2
Sehr gutes Statement
11:47
Also ich findes es gut, daß die Stadt erst mal Geld spart. Schließlich müssen die Heerscharen an Anwälten, PR-Beratern etc. für den OB bezahlt werden. Man vergesse auch nicht den personal-coach, den sich die Frauenbeauftragte auf Stadtkosten leistet. Da muß der kleine Bildungsbürger schon mal zurückstehen; ist ja für etwas Gutes. Die Funktionselite dieser Stadt hat ja in den letzten Wochen gezeigt, wie erbärmlich sie agiert, da muß man für eine Verbesserung schon investieren. Hat ja auch was: Duisburg baut eine neue Bibliothek - hat aber, um die erhöhte Miete dafür zu bezahlen, kein Geld für Bücher nehr. Das nennt sich dann Schildbürger-Streich...
08:56
Privates Engagement kann immer nur eine Übergangslösung sein. Keinesfalls darf man den Staat aus seiner Verantwortung entlassen nach nachhaltigen Lösungen zu suchen. Fällt das private Engagement, das allenfalls das Nötigste abdecken kann, irgendwann weg, steht man vor einem noch größeren Scherbenhaufen. Die Auffassung, es läuft ja irgendwie, man könne deshalb andere Prioritäten setzen, ist fatal. Für manches MUSS unbedingt ausreichend Geld da sein, gegenfalls über Schulden finanziert - und natürlich auch sinnvoll investiert werden. Nicht nur in Stahl und Beton...