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Kraftwerk Walsum

Pannenblock im Kraftwerk Duisburg-Walsum geht zwei Jahre später ans Netz

13.10.2011 | 20:32 Uhr
Pannenblock im Kraftwerk Duisburg-Walsum geht zwei Jahre später ans Netz
Der neue Block 10 des Kraftwerks in Duisburg-Walsum kann frühestens in zwei Jahren ans Netz gehen. Foto: Blossey

Duisburg.   Die wirtschaftliche Inbetriebnahme des Steag-Kraftwerks in Walsum wird sich um weitere zwei Jahre verzögern. Der Grund: Massive Probleme mit dem neuen Werkstoff T24, die die Ingenieure nicht in den Griff bekommen haben. Jetzt muss der vermeintliche Super-Stahl ausgebaut und durch traditionellen ersetzt werden. Das kostet Zeit und ganz viel Geld.

Die wirtschaftliche Inbetriebnahme des Steag-Kraftwerks in Walsum wird sich um weitere zwei Jahre verzögern. Erst im Herbst 2013 wird die 820 Millionen-Euro-Investition den aller ersten Strom kommerziell ins Netz speisen. Das sind dann sieben Jahre nach der Grundsteinlegung.

Ursprünglich sollte das Steag-Kohlekraftwerk Walsum 10 in diesen Tagen dem Kraftwerksbetreiber die ersten Einnahmen verschaffen. Doch jetzt gibt es erstmal nur weitere Ausgaben. In welcher Höhe? Das mochte gestern Dr. Wolfgang Konrad, der bei Steag zuständige Mann für die Begleitung und Abwicklung von Kraftwerks-Genehmigungsverfahren nicht weiter erläutern.

Der Grund: Der Kraftwerksbauer Hitachi wie auch der Betreiber Steag bekommen nach wie vor die Probleme mit dem ursprünglich als neuer Wunderwerkstoff angekündigten Stahl „T24“ nicht in den Griff.

Neuer Werkstoff wird durch bewährten Kesselstahl ersetzt

Jetzt hat die Steag die Notbremse gezogen. Sie hat bei der Düsseldorfer Bezirksregierung vor zwei Wochen eine Genehmigung beantragt, den Werkstoff T24 wieder ausbauen zu dürfen und durch den bewährten, traditionellen Kesselstahl T12 zu ersetzen.

Bis zum Frühjahr dieses Jahres 2011 hatten die Kraftwerker aus Essen noch gehofft, durch aufwändige Reparaturen von insgesamt rund 3000 defekten Schweißnähten im Verdampfer des Kraftwerkkessels, das Problem mit dem neuen Werkstoff doch noch in den Griff zu bekommen. Aber nach einem neuen Testlauf im Mai des Jahres waren die Ingenieure dann gleich wiederum auf neue 500 Spannungsrisse gestoßen – genau dort, wo sie gerade die Schäden behoben hatten.

„Eine weitere Reparatur ist nicht zielführend,“ erklärte gestern Abend Steag-Mann Konrad auf einer Info-Veranstaltung vor Walsumer Bezirksvertretern. Und: „Wir kennen die genaue Ursache für diese Schäden immer noch nicht.“ Die Vermutung, dass durch eine Reinigungs-Beizung der sensible Werkstoff Schaden nimmt, scheint nur die halbe Wahrheit zu sein.
Das Kraftwerk Walsum 10 sei aber „technisch absolut sicher“, betonte Konrad; von ihm gehe zu keinem Zeitpunkt „eine Gefahr oder Bedrohung für Mensch oder Umwelt “ aus. Die Bezirksregierung sei über alle Vorgänge voll im Bilde.

Umbau im Verdampfer wird etwa ein Jahr dauern

Es wird jetzt wieder zirka ein Jahr dauern bis „T24“-Bauteile durch T12 -Teile im Verdampferbereich des Kessels ausgetauscht sind. Glücklicherweise habe man nach alter Kraftwerksbauer-Manier aber genügend große Reserveflächen eingeplant und mitgenehmigen lassen - denn jetzt müssten mehr und dickere Wände eingezogen werden. Dadurch würde der Bau zwar teurer, aber der so genannte Wirkungsgrad (= Menge der Nutzenergie, gemessen an der Menge der eingesetzten Energie) ) bleibe weiterhin auf dem gleichen, guten Niveau wie angekündigt: Bei mehr als 45%. Auch auf den Ausstoß von Schadstoffen habe die Rückkehr zum klassischen Werkstoff „keinerlei negative Auswirkung“: Walsum 10 bleibe somit nach wie vor „eines der modernsten Steinkohle-Kraftwerke Deutschlands.“ Nach heutigen Stand geht es mit einer satten Verspätung von zwei Jahren und einer nicht bezifferten Kostenexplosion (Frage: Für wen? Hitachi, den Lieferant, oder Steag, die Bauherrin) dann ans Netz.

Stefan Endell

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Kommentare
14.10.2011
22:16
Kraftwerk mit Verspätung
von Andreas45141 | #8

abreißen

14.10.2011
15:12
Kraftwerk mit Verspätung
von b.scheuert | #7

#6
Immerhin aber noch führend im Lohndumping und Rettungsschirmhandel... LOL

14.10.2011
14:52
Pannenblock im Kraftwerk Duisburg-Walsum geht zwei Jahre später ans Netz
von feder24 | #6

Das hat der einst in der Kraftwerkstechnik führende Industriestaat Deutschland davon, wenn durch die Wirtschaftspolitik der Großanlagenbau seit Jahrzehnten behindert wird.
Es gibt keinen einzigen deutschen Kraftwerksbauer mehr, die Patente wurden verkauft und das Know-How ist verloren gegangen.
Wir sind aber Weltmeister in Industriemuseen, besonders in NRW!

14.10.2011
10:43
Kraftwerk mit Verspätung
von FernerBeobachter | #5

@Redaktion
Kann es sein, dass Sie den letzten Satz des Artikels vor seiner Veröffentlichung nicht mehr korrekturgelesen haben?

14.10.2011
08:38
Kraftwerk mit Verspätung
von juergen0 | #4

Wie geht es weiter beim Kraftwerksbau Walsum?

WDR MEDIATHEK, Sendung von Donnerstag, 13.10.2011
http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/lokalzeit_duisburg.xml

14.10.2011
08:30
Kraftwerk mit Verspätung
von juergen0 | #3

Zitat:
Durch geschicktes Taktieren sollen bestehende Gesetze und Verordnungen umgangen und somit die staunende Bevölkerung getäuscht werden. Mit der Beantragung einer Teilgenehmigung und dem Zusatz auf Zulassung des vorzeitigen Beginns, soll das Mitspracherecht der betroffenen Menschen in Duisburg-Walsum umgangen werden, da ein fälliges neues Genehmigungsverfahren immens Zeit kosten würde und somit für die beteiligten Konzerne nicht mehr finanzierbar.

http://www.xtranews.de/2011/10/12/die-getrickste-teilgenehmigung-der-steag/

14.10.2011
08:04
Kraftwerk mit Verspätung
von Dasinmirdabei | #2

Das Steinkohlenbergwerk in Walsum schließen und in 1km Entfernung ein NEUES Kohlekraftwerk bauen.
Das war von vorneherein schon ein Witz!!!

Lieber Gott, hoffentlich hält die Pech und Pleitenaktion bei diesem am Naturschutzgebiet gebauten Klotz an!
GLÜCKAUF

14.10.2011
07:35
Kraftwerk mit Verspätung
von eiwoisserden | #1

Kraftwerk mit Verspätung
die wievielte ist das jetzt?

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