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Overbruch - die Heimat des „Kohlen-Goethe“

27.07.2011 | 17:16 Uhr
Overbruch - die Heimat des „Kohlen-Goethe“
Walter Kalinke zeigt WAZ-Redakteur Willi Mohrs „sein“ Overbruch. Foto: Udo Milbret

Duisburg. 42 Jahre lebt Walter Kalinke in Overbruch, und er lässt keinen Zweifel an seiner uneingeschränkten Wertschätzung für den Stadtteil: „Mich stört hier gar nichts!“

Dafür gibt es eine Menge, was ihm gefällt. „Relativ viel Grün haben wir hier“, sagt er beispielsweise. Oder er lobt die Einkaufsmöglichkeiten, doch dazu kommen wir später noch. Erst einmal starten wir an der meist ungenutzten Herz-Jesu-Kirche und biegen in die Overbruchstraße ein. der ganze Stadtteil, erfahre ich, ist erst in den 50er Jahren entstanden für die Belegschaften des blühenden Bergbaus der Wiederaufbauzeiten. Zuvor sei die breite Herzogstraße nicht mehr gewesen als ein „Karrenweg“, sagt Kalinke, habe es nur eine Handvoll Bauernhöfe in der Gegend gegeben.

Duisburgs Stadtteile V

Ein Drittel Eigenheime, zwei Drittel Bergarbeiter-Wohnungen – so beschreibt Kalinke die typische Overbruch-Bebauung. Eine einzige „Bausünde“ gebe es im Stadtteil, aber auch besagtes Hochhaus kommt über sechs Geschosse nicht hinaus.

Duisburgs Stadtteile I

Eine Besonderheit Overbruchs bemerke ich erst nach mehrmaligem Hinweis: kleine Fußwege, die die Straßen durchs Grüne verbinden – wie viele es sind, weiß auch Kalinke nicht zu sagen. Die „Schweinewiese“, jetzt Spiel- und Sportplatz, lassen wir links liegen, den Kleingartenverein „Heimaterde Walsum“ mit seinen mehr als 100 Schreberparzellen rechts. Verfassungsrichter Udo Di Fabio komme aus Overbruch, erfahre ich, auch Dichter Willy Bartock, liebevoll „Kohlen-Goethe“ genannt, hab dort gewohnt.

Die Mitte des Stadtteils markiert ein kleines Geschäftszentrum, vor allem ein Lebensmittelladen, wie ihn manch anderes Viertel gerne hätte. Kalinke: „Das ist das Wichtigste, was es gibt.“

Duisburgs Stadtteile IV

90 Prozent der Einwohner seien früher im Bergbau gewesen. „Wir waren alle per Du“, erinnert sich Kalinke: „Einer, der bei Thyssen arbeitete, fiel direkt auf.“ Und: „Hier war alles SPD, alles in der Gewerkschaft.“ 1400 Mitglieder habe die Ortsgruppe der IG Bergbau in besten Zeiten gezählt. Heute sind’s noch 240, davon 30 aktive Bergleute. 

Jetzt seien 60 Prozent der Overbrucher über 60 Jahre alt, viele Witwen wohnten in den zwei- höchstens dreigeschossigen Bergarbeiter-Wohnblocks, von denen viele schon liebevoll renoviert, mit Balkonen und Wärmedämmung ausgestattet wurden. Fernwärmeanschluss ist die Regel, Deputatkohle wird verrechnet.

An der Siebenbürgener Straße steht eines der wenigen älteren Gebäude, der Nünninghof in dunklem Backstein. Ein paar Straßen weiter, am Gatermannshof stehen auf Kirchengrund gebaute Einfamilienhäuser, am Heimkamp Dreigeschosser aus den 80er Jahren.

Der Stadtteil
Overbruch in 60 Sekunden

Overbruch gehört zum Stadtbezirk Walsum und hat nach amtlichen Angaben 5059 Einwohner. Davon sind 2643 weiblichen und 2416 männlichen Geschlechts. der Ausländeranteil liegt bei 9,9 Prozent.

Zeugnisse zur Historie von Overbruch sind eher rar, die Bebauung verweist darauf, dass der Stadtteil zum ganz überwiegenden Teil erst im letzten Jahrhundert, dann aber relativ zügig wuchs. Der Bergbau prägte ihn wie ganz Walsum, wo die letzte Zeche Duisburgs von 1927 bis 2008 Steinkohle förderte. Die letzten aktiven Bergleute in Overbruch arbeiten jetzt in Kamp-Lintfort (Bergwerk West) und in Bottrop (Zeche Prosper-Haniel).

Auch an der Verkehrsanbindung ist aus Sicht Kalinkes nichts auszusetzen: Der Bus der Linie 919 fährt von Pollmann nach Vierlinden. Von Dinslaken sind wir inzwischen nur noch Schritte entfernt, nämlich auf der Grünstraße. Die Stadtgrenze verlaufe in der Straßenmitte, erklärt mir Kalinke, und es sei immer wieder interessant, wie unterschiedlich schnell Schlaglöcher repariert werden – je nach Straßenseite.

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Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.

Auf der Südseite der Grünstraße passieren wir einen erhaltenen Teil eines alten Bauernhofes, im Norden landwirtschaftliche Flächen, so weit das Auge blickt, und dann wird es richtig historisch: Vor uns liegt die Gaststätte „Am Rubbert“, die im nächsten Jahr 480-jähriges Bestehen feiern kann. Im Keller des über die Jahrhunderte immer wieder um- und ausgebauten gastlichen Hauses seien noch alte Gewölbe zu bestaunen, erfahre ich. Der Saal erfreue sich nach wie vor großer Beliebtheit, ein Hotel ergänzt das Anbot und geparkt wird in Dinslaken, weil der Rubbert-Parkplatz schon auf dem Gebiet der Nachbarkommune liegt.

Bilder aus 112 Jahren Stadtgeschichte in...

Über die Luwenstraße kommen wir in den neuesten Teil Overbruchs, stehen vor behindertenfreundlich barrierefrei gebauten Häusern wohl aus den 90er Jahren, und wie überall im Stadtteil hält sich der Verkehr in Grenzen, sorgen Spielstraßen und Tempo 30-Zonen nachhaltig für Ruhe.

Willi Mohrs

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Kommentare
27.11.2012
14:55
Overbruch - die Heimat des „Kohlen-Goethe“
von ExWalsumer | #1

Schade, mir fehlt in dem Bericht irgendwie die östliche Hälfte. Kannte sich dort Walter Kalinke nicht mehr aus oder hatte mindestens einer von beidem keine Puste mehr?

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