Ostereier als „Beute“

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Duissern..  Die „St. Sebastianus Schützenbruderschaft von 1956 e.V.“ in Duissern stimmt sich auf Ostern ein. Zahlreiche Zielscheiben liegen im Pfarrsaal von St. Elisabeth bereit, zudem gibt’s mehr als 1000 bunte Eier als Gewinn. Nicht nur alte Hasen dürfen zielen, sondern auch Neulinge. Das Ostereierschießen ist traditionell mit einem Tag der offenen Tür verbunden. So viel ist sicher: Die meisten Besucher müssen für dieses Fest keine Eier mehr färben. „Der eine oder andere geht mit Paletten hier raus“, weiß Monika Blümel. Dazu müssen sie aber erstmal ins Schwarze treffen. Während die einen Kaffee trinken, wird im vorderen Bereich des Saals scharf geschossen. Exakt zehn Meter sind die Scheiben entfernt.

„Wer hier schießen kann, trifft überall“, sagt Rüdiger Meßner mit Blick auf die Geräuschkulisse. Konzentration ist alles. Der Mann muss es wissen. Er ist Schießmeister und erklärt den Neulingen, wie sie das Gewehr halten müssen. Damit es einfacher wird, wird das Luftgewehr auf ein Gestell abgelegt, die Hand daneben. Dann wird die Waffe geladen. Ein Schuss, ein Diabolo. „Jetzt ruhig halten und zielen.“ Leichter gesagt als getan. Die Teilnehmer schauen durch den Sucher. Auf die schwarze Mitte zielen, dann wird’s mit etwas Glück eine hohe Punktzahl. Es knallt. Getroffen. Um zu überprüfen, ob es auch ein „ordentlicher Schuss“ war, holt Meßner die Scheibe per Seilbahn heran. Es ist eine Zehn. „Machen Sie das zum ersten Mal“, fragt der Fachmann ehrfürchtig. Bei diesem Kandidaten ist offenbar keine weitere Beratung nötig.

„Wir haben einige jüngere Mitglieder und viele ältere. Aber die meisten Jugendlichen ziehen weg, wenn sie mit der Schule fertig sind“, weiß Monika Blümel. Der Verein ist also auf der Suche nach Mitgliedern, doch Berichte über Amokläufe haben das Hobby in Verruf gebracht. „Dabei gibt es strenge Auflagen – und wir sind alle ganz friedlich“, erklärt sie. Monika Blümel war übrigens die erste „Frau König“, auf diese Bezeichnung legt sie wert. „Wenn man Frau König wird, hat man selbst den Vogel abgeschossen. Als Königin ist man die Begleiterin des Königs.“ Bei den Duisserner gehen sie locker mit diesen Regeln um, aber es gibt auch noch Bruderschaften, da dürfen Frauen dieses hohe Amt nicht ausüben. Dabei sind die Damen durchaus erfolgreich. Heike Suthoff zum Beispiel. Sie stapelt nicht nur einige Eier als „Ausbeute“ vor sich, sondern war als Jugendliche auch „Prinz“. „Ich bin da so reingerutscht“, erklärt die Schützin. Ihr macht der Sport Spaß. Und die Männer machen ihr in Sachen Treffsicherheit so schnell nichts vor.

Nach ein paar Stunden sind die rund 1000 Eier unter den (Neu-)Schützen aufgeteilt. Die meisten haben genug für die ganze Familie geschossen. Ostern kann also kommen.